Einen zeitgenössischen Fragebogen in einem Gästebuch hat Theodor Fontane so beantwortet:Was ist Ihre hervorstechendste Eigenschaft? Indifferenz. - Wie verstehen Sie das Glück? Gar nicht. - Das Unglück? Auch nicht recht. - Wo möchten Sie leben? In meiner Stube. - Was wünschen Sie sich am sehnlichsten? Luft. Licht. - Welche Fehler finden Sie am verzeihlichsten? Die meinigen. - Lieben Sie das Ideale oder das Reale? Die Diagonale. - Welchen Rat würden Sie der Frau geben, die Sie lieben? Mich wiederzulieben. - Welche politische Richtung ist Ihnen am sympathischsten? Mecklenburg. - Wie denken Sie über die Ehe? Je nachdem. - Welches Vergnügen ist Ihnen das liebste? Schlafen. - Wie definieren Sie die Liebe? Mir zu schwer. - Wie definieren Sie die Frau? Noch schwerer.Eine Woche Theodor Fontane - das ist eine Woche Hinwendung zu Poesie und Philosophie eines Dichters, den Thomas Mann als "seinen Vater" bezeichnete. Eine der ersten Inszenierungen des Theaters im Palais war 1992 "Effi Briest", und von Jahr zu Jahr wurde die Beschäftigung mit diesem Berliner Schriftsteller intensiver, mit einem Mann, der weder als Apotheker noch als Beamter leben konnte. Der sich für eine Revolution begeistern wollte und sich doch als gänzlich ungeeignet für solcherart Erhitzung erkennen musste. Fontane war der unglückliche Redakteur, der sich mit Schere und Klebstoff durchs dröge Leitartiklerdasein quälte. Er ging auf Reisen - um am Ende immer wieder nur bei sich selbst anzukommen, dem höchsten aller Reiseziele. Seine späte Erfüllung fand er in der Arbeit des Romanciers, in einem Alter, in dem andere mit dem Schreiben längst aufgehört haben. Die Woche der erfolgreichsten Fontane-Aufführungen des Theaters im Palais beginnt mit "Nicht für Bibber und Klimbim", heiteren Ausschnitten aus Fontanes Werken nebst einer kulinarischen Beigabe. Mit "Effi Briest" in der Fassung und Regie von Barbara Abend wurde ein Inszenierungsstil gefunden, der Erzählen und Spielen vereint. "Theodor Fontane - ein poetischer Lebenslauf" spürt in Szenen aus "Ellernklipp", "L Adultera" und "Effi Briest" dem Frauenbild des Dichters nach, seinem Verständnis für menschliche Sehnsucht und individuelle Glückssuche.Der Briefwechsel zwischen Theodor Fontane und seiner Frau Emilie ("Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles") offenbart alles, was eine Ehe ausmacht: Liebe, finanzielle Sorgen, Gewöhnung; in diesem Fall aber auch die Zerrissenheit des Autors zwischen schriftstellerischer Erkundungslust und familiärer Abhängigkeit. Es lesen Christine Schorn vom Deutschen Theater und der Fontane-Biograf Gotthard Erler.In dem Programm "Preußen - Charme und Schwert" liest Marion van de Kamp u. a. aus den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Die Fontane-Woche endet mit einem Gastspiel des Fontane-Ensembles Berlin mit "Frau Jenny Treibel".Nicht für Bibber und Klimbim 4. November, 20 Uhr.Effi Briest 5. & 6. November, 20 Uhr.Theodor Fontane - ein poetischer Lebenslauf 7. & 8. November, 20 Uhr.Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles 9. November, 16 Uhr.Preußen - Charme und Schwert 9. November, 20 Uhr.Frau Jenny Treibel 10. November, 20 Uhr.Kartentelefon: (030) 20 10 693 www. theater-im-palais. de .Foto: ANDREAS KÄMPER Effi Briest: Carl M. Spengler, Gabriele Streichhahn und Jens-Uwe Bogadtke.