Leise, ganz leise, kommen sie, die unguten Gefühle, es ist sogar ein wenig Angst dabei. Die Union hat die Wahl gewonnen, fröhliche Abgeordnete drängeln sich in den Fraktionssaal im Reichstag, viele neue, viele zusätzliche. Es ist ein großes Umarmen und Beglückwünschen, Fraktionschef Volker Kauder wird mit fast 100 Prozent in seinem Amt bestätigt. Gelassen könne man sein, verbreiten die Unionsleute.

Wäre da nur nicht das „Aber“. Die Wahl ist gewonnen, aber die Regierungsbildung ist schwierig. „In den Freudentaumel mischt sich die Ernüchterung“, sagt einer der Wortführer des konservativen Flügels, Thomas Bareiß. „Wir suchen einen selbstbewussten, aber treuen Koalitionspartner“, so hat es der bisherige Umweltminister Peter Altmaier (CDU) am Montagabend in der ARD formuliert. Die Kanzlerin hat Gespräche mit SPD und Grünen angekündigt. Aber ob irgendetwas davon klappt, da ist man sich nicht sicher. Beide möglichen Koalitionspartner sortieren sich.

In dieser Lage übernimmt die CSU den entschiedenen Part in der Union, oder vielmehr den des einigermaßen entschiedenen. Generalsekretär Alexander Dobrindt ist es vor allem, der sagt: „Die Grünen sind keine Option.“ Er hat die Grünen schon im Wahlkampf zum Feindbild erklärt und noch hat er die Rolle des CSU-Wadenbeißers. Bei seinem Parteichef Horst Seehofer sieht es so aus: Er lehnt in einem Interview erst Gespräche mit den Grünen ab.

Nach der ersten Sitzung der CSU-Landesgruppe am Nachmittag klingt es ein bisschen anders: „Wir wollen nicht mit den Spitzenleuten der Grünen, die im Wahlkampf eine Rolle gespielt haben, in Gespräche eintreten.“ Diese Spitzenleute reichen gerade nacheinander ihren Rücktritt ein. Geht also Schwarz-Grün doch? „Kein Problem, wir haben noch jeden Koalitionspartner klein gekriegt“, verkündet ein wenig grün-affiner Unions-Mann. Bei manchen jedenfalls scheint die Scheu gewichen. „Man wird sehen, ob sich die Ökologisch-Konservativen durchsetzen oder die steilen Linkskräfte“, sagt der CSU-Wirtschaftspolitiker Hans Michelbach. Klingt nach Versöhnung der Fronten.

Aber da ist eine ganz andere Befürchtung, die sich in der Union breit macht: die der Handlungsunfähigkeit der Regierung. Erst Kompromisse mit den Grünen aushandeln, dann damit im SPD-dominierten Bundesrat scheitern – das wird als Problem angesehen. Mit Schwarz-Gelb hat man zwar auch nicht besonders viel durchgebracht, weil man erst lange Zeit verstreichen ließ und dann einige Landtagswahlen verlor und somit den Bundesrat gegen sich hatte.

Aber es hat sich etwas verändert inzwischen: Die Alternative für Deutschland hat knapp den Einzug in den Bundestag verpasst. Merkel hat das fast unkommentiert gelassen bisher. Aber es ist die Angst, die der Union zu schaffen macht. Es stehen Kommunalwahlen an in Bayern, danach die Europawahl und wieder Landtagswahlen. Der Konkurrenz am rechten Rand könnte eine blockierte Bundesregierung nutzen.

Also doch eine große Koalition? Da zögert nun die SPD. „Die muss sich bewegen, sonst gibt es Neuwahlen“, sagt ein CDU-Minister. „Und dann kommt die FDP wieder in den Bundestag und vielleicht gibt es sogar eine absolute Mehrheit für Merkel.“ Aber so ganz wohl ist es den Unions-Leuten bei dem Neuwahl-Gedanken auch nicht.