BERLIN, 5. Februar. Sicherheitshalber hatten sich die Herren der Homepage gleich für Fettdruck entschieden. Unter www.fc-union-berlin.de fand sich am Montag folgender Eintrag: "Unioner, helft uns!" stand da zu lesen, und wer gerade in Helferlaune war und sich einklickte, stieß auf große Worte. "Um 15 Uhr soll die Mission impossible starten", las man also, und dass der Heldenmut mit einer Freikarte fürs Regionalliga-Spiel gegen Braunschweig belohnt werde.Besondere MaßnahmenBesondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen, und ein DFB-Pokal-Halbfinale darf für einen Regionalligisten allemal als besondere Gelegenheit gelten. Da hatten sie in Köpenick so auf das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach hingelebt, und nun könnte es passieren, dass die Party über Nacht verschoben werden muss. Anm Dienstag um 10 Uhr wird eine Platzkommission entscheiden, ob um 20.30 Uhr angepfiffen werden kann.Dauerhafter Schneefall samt Eiseskälte hatte den Rasenplatz in der Nacht zum Montag an den Rand der Unbespielbarkeit gebracht, und so riefen Unions Verantwortliche also die Anhänger zu Hilfe. "Die Alte Försterei muss so schnell wie möglich vom Schnee befreit werden", teilte die Homepage weiter mit, "der 1. FC Union bittet Euch bei der Schneeräumung um Unterstützung". Flankierend sendeten die Radiostationen den Aufruf, der Fanbeauftragte Sven Schlensog telefonierte die Fanclubs ab, und so kam es, dass Union-Geschäftsführer Bernd Hofmann um halb vier schon 100 Fans in Empfang nehmen durfte, die von einem flugs beschafften Gönner mit Schneeschippen ausgerüstet wurden. Schon gegen vier konnte Hoffmann erste Teilerfolge vermelden. "Die Zuschauertraversen haben wir freigeräumt, jetzt kommt das Spielfeld dran."Indessen hatte die Recherche im Untergrund bereits ein unerwartet erfreuliches Ergebnis erbracht. "Unter dem Schnee sieht der Platz ganz gut aus", meinte Hofmann. Wenn es also gelinge, ihn vollständig vom Eise zu befreien, dann könnte wohl nur noch nächtlicher Dauerregen das große Spiel verhindern. "Ein bisschen Nieseln dürfte der Platz verkraften", so Hofmann, "aber wenn der große Regen kommt, kann das Wasser wegen des gefrorenen Rasens nicht versickern, und dann bilden sich Pfützen." Wann man sich im Falle eines Spielausfalls wieder treffen würde, ist noch offen. "Das Finale ist erst im Mai", sagt Hofmann, "da wird der DFB schon einen Termin finden.""Wir wollen dringend spielen", betont aber Unions Geschäftsstellenleiter Kai Apelt, dringender vermutlich als die Gäste aus Gladbach, denen ein paar Stammkräfte fehlen. Die Borussen fühlen sich nicht vom Glück verfolgt: Erst durften sie am Sonnabend in Ulm schon mal Spielausfall üben, dann fand sich keine Reisemöglichkeit nach Berlin, worauf die Truppe nach Stuttgart weiterzog, wo der neue VfB- und frühere Borussen-Manager Rolf Rüßmann einen Kunstrasenplatz organisierte. Auch in Berlin nutzten die Gäste alte Kontakte: Dank ihres einstigen Marketing-Chefs Ingo Schiller, inzwischen bei Hertha, durften die Gladbacher im Hangar am Flughafen Tempelhof üben.In jedem Fall ist dank der eisernen Schipper von Union die Wahrscheinlichkeit auf Freiluft-Fußball am Dienstagabend deutlich gestiegen. Und sollte die Mühe am Ende vergebens gewesen sein: Hinterher gab es wenigstens Glühwein, Würstchen und Bier.WENDE Hand anlegen für das große Spiel: Die eisernen Schipper von Union.

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