Universität Münster untersuchte Belastung der Wirbelsäule beim Autofahren: Fahrwerk kann den Rücken schonen

Erkrankungen an der Wirbelsäule zählen zu den Volkskrankheiten. Die Folge sind Rückschmerzen, die bei den täglich in Deutschland verordneten Schmerztherapien an der Spitze stehen. Bereits in den 70er Jahren wurde in Studien die gerade beim Autofahren auftretenden "Ganzkörperschwingungen" als Ursache nachgewiesen. Damit sind nicht nur Ergonomle, sondern insbesondere die Reduzierung der auf den Körper wirkenden Schwingungen wichtig.Sechs TestfahrzeugeWissenschaftler der westfäiischen Wilhelms-Universität Münster haben sich erstmals mit dieser Problemetik beschäftigt und untersuchten in Testreihen die Schwingungseigenschaften in verschiedenen Fahrzeugen. Dazu wurden mit hochempfindlichen Meßinstrumenten Erschütterungen gemessen, die Kopf und Rücken belasten und als Ursache für die sehr häufigen Ruckenschmerzen oder Muskelverspannungen bei langen Autofahrten anzusehen sind. Als Testfahrzeuge dienten aus der Oberklasse ein BMW 730 i, ein Citro~n KM 3.0 sowie ein Mercedes S 300. In der Mitteiklasse traten ein BMW 318 i, ein Citroen Xantia 2.0 und ein Mercedes C 180 gegeneinander an.Um vergleichbare Werte zu erhalten, mußten mit den Testfahrzeugen jeweils zwölf Fahrten in beladenem (zwei Personen) und unbeladenem Zustand -- das Fahrzeug war mit vier Personen besetzt, hinzu kamen 75 Kilogramm Gepäck -- absolviert werden. Gefahren wurde mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten (100, 130 und 160 km/h) auf der Autobahn sowie mit Tempo 80 auf guten und schlechten Landstraßen. Abschließend führte die Testfahrt mit 40 Kilometer pro Stunde über Kopfsteinpflaster.Dabei registrierten hochempfindliche Sensoren am Kopf und unter dem Gesäß des Fahrers, welche Erschütterungen des Wagens auf den menschlichen Körper einwirkten und wie sie abgefangen werden. Die Messungen wurden stets unter gleichen Bedingungen und mit exakten Kontrollen der Meßsonden durchgeführt. Verschiedene Arten von Erschütterungen des Körpers wurden zu einer Gesamtbelastung zusammengezählt.Franzosen vornIn der Oberklasse zeigte der Citroen KM dank seines hydraktiven Fahrwerks eindeutig die besten Ergebnisse. Nimmt man den Mittelwert aller drei Fahrzeuge, so waren beim KM die Gesamtbelastungen um 18 Prozent niedriger, beim Mercedes um zwei Prozent geringer, beim BMW hingegen um 20 Prozent höher als der Mittelwert. Die Unterschiede zwischen Spitzenreiter Citroen und BMW als letztem dieser Reihe betrugen immerhin fast 40 Prozent.In der Mitteiklasse war der Abstand des Franzosen sogar noch überzeugender. Die Gesamtbelastungen für den Fahrzeuginsassen war um 25 Prozent geringer als der Mittelwert. Mercedes (neun Prozent höher) und BMW (16 Prozent höher) wiesen allgemein deutiich schlechtere Werte auf. Nur bei hoher Geschwindigkeit und unbeladen, schneidet der Mercedes besser ab. Der Xantia, ebenfalls mit hydraktivem Fahrwerk, übertrumpft mit seinen Testwerten bezüglich der Gan.zkörperschwingungen sogar die getesteten Fahrzeuge der Oberklasse, so das Ergebnis der Untersuchung an der Uni Münster.Trend für die Zukunft"Eine Konstruktion, die Erschütterungen auf die Wirbelsäule herabsetzt und die Belastungen des Organismus vermindert, erhöht nicht nur die Freude am Autofahren, sie kann Verschlechterungen der Rückenschmerzen, Muskelverspannungen und sogar knöchernen Veränderungen der Wirbelsäule entgegenwirken. Erschutterungsarme Fahrzeuge sind daher ein Trend für die Zukunft", lautet das medizinische Fazit von Internist Dr. Dolf Künzel,Sensoren an Kopf und Gesäß des Fahrers liefern dem Computer Informationen.