Hans Wall will im Mai auf der Mittelpromenade Unter den Linden fünf neue Kioske seiner Firma aufstellen. Zwei Zeitungsläden und drei Schank-Kioske. Um die Mini-Cafés gibt es jetzt Streit. Den Wirten, die die Kioske betreiben sollen, ist die von Wall geforderte Pacht viel zu hoch. 5 000 Mark pro Monat über eine Laufzeit von fünf Jahren sollen sie für den nur fünf Quadratmeter großen Pavillon zahlen.Kioske vom Senat gewünscht "Ich bin nach Berlin gekommen, um einen Beitrag zur Belebung der Linden zu leisten. Ich mag es aber nicht, wenn solche Wucherpreise verlangt werden", sagt Stephan M. Vogel vom Restaurant "Lindenlife". Er wolle so schnell wie möglich einen Kiosk aufmachen, aber nicht zu diesen Bedingungen. Auch Thomas Weiand, Geschäftsführer des Restaurants "Dressler", ist noch in den "Sondierungsgesprächen" mit Wall. "Der Mietpreis ist auf jeden Fall zu hoch", sagt er. Kaffee und Kuchen will Weiand an dem Kiosk anbieten, auch kleine Snacks. "In den Wintermonaten herrscht hier Tristesse. Nur für ein besseres Image können wir uns den Kiosk nicht leisten. " Die Schank-Pavillons auf der Mittelpromenade sind vom Senat gewünscht. Sie sollen die historische Allee zu einem wirklichen Boulevard machen. Vor drei Jahren hatte der Senat einen Gestaltungswettbewerb ausgelobt. Sieger: die Wall AG mit dem Architekten Josef Paul Kleihues. 1999 einigten sich Bauverwaltung und Architekt auf die Standorte für die Kioske sowie für die Telefon- und Informationssäulen auf dem Mittelstreifen.Dort betreibt seit August 2000 das Café "Einstein" den ersten und bislang einzigen Schank-Kiosk. Seitdem müssen die Kellner nicht mehr ihre Tabletts vom Café zu den Tischen auf der Promenade jonglieren. Das sieht Geschäftsführer Dieter Wollstein als Erfolg, doch das Kiosk-Geschäft lief im Winter "nur bescheiden". "Wenn ich rechnerisch rangehe, müsste der Kiosk von September bis Mai dicht bleiben. " Das werde aber nicht passieren, "denn wir wollen Farbe in die Linden reinbringen", sagt Wollstein.Dass Wall einen so hohen Mietpreis verlangt, sieht die Bauverwaltung kritisch. Idee war es ursprünglich, dass Wall die Kioske über Werbeeinnahmen finanziert. Wall rechtfertigt trotzdem den Mietpreis: "Die Kioske sind Einzelprodukte und werden von Hand gefertigt. Jeder kostet 300 000 Mark. " Auch Wall sieht in den Linden das "wichtigste Aushängeschild der Stadt", will sich aber "nichts aufzwingen lassen von Leuten, die den Mietpreis nicht zahlen wollen". Interessenten für die Kioske gebe es genügend. Weil die City so wichtig ist, wiederholte Wall sein Angebot, die 44 Brunnen in Mitte kostenlos zu betreiben und die Toilettenanlagen am Alex und im Marx-Engels-Forum zu bewirtschaften. Gegenleistung: Der Bezirk müsste vier oder fünf Standorte für große Werbeanlagen genehmigen.Das schließt Mittes Baustadtrat Dirk Lamprecht (CDU) aus. "Für zusätzliche Werbung ist kein Platz mehr. Hier geht es um die Stadt. Und der Bezirk erwartet, dass die Wall AG dem Vertrag zur Belebung der Linden bis Mai nachkommt. "Werbe-Sponsoring // Die Wall AG bewirtschaftet in Berlin Toilettenhäuschen und Kioske und produziert Wartehäuschen und Abfalleimer. Hans Wall tritt auch in drei Bezirken als Brunnensponsor auf. Als Gegenleistung erhält er Standorte für beleuchtete Werbeanlagen.Unter den Linden darf Wall vier Schank-Kioske, zwei Toilettenhäuser und zehn Informationssäulen aufstellen. Darauf hatten sich Senat und Wall 1999 geeinigt. / BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Schank-Kiosk auf der Mittelpromenade Unter den Linden. Das Café Einstein betreibt den Pavillon seit Sommer 2000.