Wir sind ein aufstrebendes, gut aufgestelltes Unternehmen, bei dem Sie hervorragende Aufstiegschancen haben." Silvio Schnallenberger legt kopfschüttelnd die Stellenanzeigen zur Seite. "Was soll ich mir darunter vorstellen? In jeder dritten Anzeige beschreibt sich eine Firma mit diesem Satz." Der 32-jährige Ingenieur würde dem Unternehmen wahrscheinlich alles bieten können, was es sucht: einen guten Abschluss, erste Berufserfahrung, souveränes Auftreten. Doch eine Bewerbung wird die Firma wegen des undurchsichtigen Floskelalarms von ihm nie erhalten. Mit Phrasenansammlungen in ihren Annoncen verschenken Betriebe die Chance, für sich Werbung bei den richtigen Mitarbeitern zu machen. Zumal sich speziell gute Ingenieure, Controller oder auch Naturwissenschaftler in Zeiten des Führungskräftemangels ihre Jobs quasi aussuchen können. Der Markt um fähige Angestellte ist daher hart umkämpft. Umso erstaunlicher ist es, dass Firmen sich in Stellenanzeigen nicht selten recht profillos darstellen. "Bewerber schalten auf Durchzug, wenn Unternehmen nur einen vagen Eindruck als Arbeitgeber hinterlassen", erklärt Kommunikationsberater Manfred Böcker. Die Floskelschwemme ziehe sich dabei quer durch alle Branchen und Firmengrößen.Auch bei den Anforderungen werden Phrasen gedroschen: Englischsprachige Berufsbezeichnungen, Bürokratendeutsch und leserfeindliche Abkürzungen verschleiern das Profil des Wunschkandidaten. Begriffe wie "teamfähig", "eigenverantwortlich", "belastbar" und "kommunikativ" überschwemmen den Bewerbermarkt: Der Hamburger Personaldienstleister "Jobs in Time" hat in einer Untersuchung festgestellt, dass 94 Prozent der Unternehmer soziale Kompetenz von ihren Bewerbern verlangen, knapp 70 Prozent fordern Teamgeist und immerhin 35 Prozent möchten, dass ihr neuer Mitarbeiter analytisch denken kann. "Oft widersprechensich die geforderten Eigenschaften der Arbeitgeber sogar", sagt Böcker. "Wie soll ein Bewerber zum Beispiel den Spezialis-tenblick auf das allerkleinste Detail richten können und gleichzeitig den eher für Führungskräfte typischen entscheidungsfreudigen Überblick wahren?" Auch ausgewiesene Einzelkämpfer wundern sich, wieso sie für eine ideale Stelle unbedingt teamfähig sein sollen. Das Ergebnis: Die Bewerber werfen in ihren Unterlagen mit den gleichen nichtssagenden Plattheiten um sich. So bleiben Unternehmen wie Bewerber lange Zeit konturlos wie Pokerspieler -wer deckt zuerst seinen Bluff auf?Doch was können Firmen tun, um mittels Inserat gute Angestellte anzulocken? Böcker rät Betrieben, sich in ihren Stellenanzeigen als Arbeitgeber präzise, individuell und ehrlich darzustellen. "Dazu müssen Unternehmen ihre eigenen Stärken und Schwächen identifizieren. Oft vergessen sie, dass Stellenanzeigen und die dort verwendeten Texte gute Werbung für Ihr Haus sein können."Das Bild, das Firmen von Mitarbeitern und Arbeitsklima zeichnen, nennt man "Employer Branding". Um ein positives Bild zu vermitteln, versuchen Texter von Stellenanzeigen, Bewerber emotional anzusprechen. Eine perfekte Stellenanzeige zeichnet ein verständliches und sympathisches Bild des Unternehmens, erklärt die genaue Aufgabe des potenziellen Mitarbeiters und erklärt den Interessenten die gewünschten Qualifikationen und Eigenschaften. Darüber hinaus muss der Text zeigen, was der Bewerber in der Firma zu erwarten hat.Eine Investition in einen guten Text kann sich durchaus lohnen, denn eine Stelle neu zu besetzen, kostet Geld: Jede eingehende Bewerbung verschlingt Personalkosten, ein Gespräch kostet wertvolle Arbeitszeit. Je mehr ungeeignete Kandidaten vorsprechen, desto häufiger beginnt das Spiel von vorne. Mit einer gehaltvollen Anzeige ist jedoch vielleicht schon bald der Traumbewerber unter den Interessenten.------------------------------Gehaltvolles TextenKommunikationsberatungDer Personalberater MB-Quadrat berät rund um das Thema Mitarbeiterwerbung: www.mb-quadrat.deDie Deutsche Employer Branding Akademie (DEBA) in Berlin hilft Unternehmen in Seminaren, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren: www.employerbranding.orgDas Büro "Personal und Text Dr. Manfred Böcker" bietet Workshops zum Texten von Stellenanzeigen an: www.personaltext.deBuchtipp"HR-PR: Personalarbeit und PR": M. Böcker, B. Schelenz, Publicis Corporate Publishing, 144 S., 29,90 Euro.------------------------------Foto: Die Selbstdarstellung in Stellenanzeigen ist entscheidend