S-Bahn-Chef Tobias Heinemann ist nicht mal anderthalb Monate im Amt. Doch der Neuling hat sich schon als Traditionalist geoutet. Gestern kündigte der 36-jährige Jurist an, dass bald alle Züge das seit alters her beliebte Farbschema tragen werden: der untere Teil rubinrot, der obere ockergelb mit einem rubinroten Streifen. "Die Berliner identifizieren sich mit unseren Traditionsfarben", sagte Heinemann.Andersfarbige Züge werden in den nächsten zehn bis zwölf Monaten umlackiert. Das betreffe bis zu 100 der rund 650 Zwei-Wagen-Einheiten bei der S-Bahn, darunter 60 "Coladosen" - so heißen die Fahrzeuge der Baureihe 485 wegen ihres derzeit roten Lacks. Die Kosten hielten sich im Rahmen: Umlackiert würden die Wagen erst dann, wenn sie sowieso zur turnusmäßigen Untersuchung in der Werkstatt sind.Eine andere Tradition, die Loyalität der S-Bahner zu ihrem Betrieb, ist dagegen in Gefahr. Im Streit um die neuen Schichtpläne meldeten sich Anfang Juni rund 60 Triebfahrzeugführer spontan krank, was sich als Protest gegen die Dienstzeitregelungen deuten lässt. "Bei uns gibt es keine Konfrontation mit den Arbeitnehmern", entgegnete Heinemann. Schließlich habe der Betriebsrat den Plänen anfangs zugestimmt. Allerdings gebe es auch nach deren Anpassung Krankmeldungen - der oberste S-Bahner sprach von "deutlich unter 100".Wie viele der rund 3 500 Arbeitsplätze wegfallen, wollte Heinemann gestern nicht mitteilen. "Die Personalzielzahlen werden derzeit mit dem Betriebsrat beraten. Doch wir müssen uns in einzelnen Kostenpositionen noch verbessern." Dazu werde das gesamte Unternehmen auf den Prüfstand gestellt - auch der Fahrkartenverkauf und die Hauptwerkstatt, deren Belegschaft ab 2011 das Aus befürchtet. "Wir müssen auf den Fall der Fälle vorbereitet sein", meinte Heinemann - nämlich auf die im Verkehrsvertrag mit dem Senat verankerte Möglichkeit, die Nord-Süd-Strecken zu Dezember 2013 auszuschreiben. Dabei könnte die DB-Tochter ein Drittel der Verkehrsleistung verlieren.Tobias Heinemann kritisierte die "asymmetrische Wettbewerbssituation". Während die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bis 2020 vor Konkurrenz geschützt sind, soll sich die S-Bahn Wettbewerbern wie Veolia oder Arriva stellen. Der S-Bahner sprach sich dafür aus, bis zum Ende des Verkehrsvertrags 2017 auf eine Ausschreibung zu verzichten. Jutta Matuschek (Linkspartei.PDS) kann sich das vorstellen: "Das S-Bahn-System darf nicht zu kompliziert werden." In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist bisher nichts entschieden: "Ob wir ausschreiben, steht noch nicht fest."