Das ist die nüchterne Meldung für Kenner der Briefmarken-Szene in den größten Auktionshäusern: Am 15. Dezember 1995 erzielte bei Sotheby's in London ein Satz unveröffentlichter 84er DDR-Olympia-Briefmarken den Rekordpreis von 7 475 Pfund. Ein Londoner Händler ersteigerte nach einem heftigen Biet-Gefecht den ursprünglich auf 4 000 bis 6 000 Pfund geschätzten Satz im Auftrag eines Privatsammlers aus den USA (Chicago). 25 000facher Gewinn Der unbekannte "Einlieferer", der für diesen Satz einmal 0,60 Ostmark bezahlte, hat damit mehr als das 25 000fache des Nennwertes erlöst.Die Geschichte dieser Briefmarken liest sich wie ein perfekter Ost-West-Krimi: Begonnen hat alles im Jahre 1984, als die Ostblockstaaten - aus Trotz nach dem westlichen Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau - ihrerseits die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles absagten. Von den Marken, die die Post der DDR zu diesem Anlaß herausgeben sollte, waren bereits drei Marken fertig gedruckt, als der Boykottbeschluß kam. Eben besagter Satz, bestehend aus einer 5-Pfennig-Marke, einer 20+10-Pfennig-Marke und einer 25-Pfennig-Marke, die nicht in den Verkehr gelangen durften.Der Zufall wollte es, daß vier Jahre später ein westdeutscher Besucher der Leipziger Messe am Postschalter gerade diese drei Marken zusammen mit anderen Werten kaufte, die anläßlich der Spiele von Seoul von der DDR herausgegeben worden waren.Da die Boykottmarken völlig motivgleich zu denen der 88er Seoul-Ausgabe sind (sie weisen lediglich eine andere Jahreszahl und eine andere römische Zahl Olympias auf), waren sie vom Postbeamten offensichtlich nicht erkannt worden. Bemerkenswert, daß die 84er Olympia-Marken nicht sofort nach dem Boykottbeschluß, sondern offensichtlich erst im Jahre 1988 unter sicherem Verschluß kamen oder vernichtet wurden.Die Sache hatte später ein juristisches Nachspiel. 1991 meldete die Deutsche Bundespost - als Rechtsnachfolgerin der Post der DDR - Eigentumsansprüche an und versuchte, diese durch Beschlagnahme der Marken durchzusetzen. Sammler klagte Ein Sammler, der daraufhin gegen die Bundespost klagte, bekam in zwei Instanzen Recht. Die Post verzichtete auf eine Revision vor dem Bundesgerichtshof, wodurch das Urteil rechtskräftig wurde. Somit besteht für diese äußerst lukrativen Marken endgültig Rechtssicherheit. Fest steht inzwischen auch, daß sie in den Michel-Katalog, das Standardwerk der Philatelisten, aufgenommen werden.Allerdings scheinen diese Deutschland-Raritäten schwieriger beschaffbar zu sein als von manchen erwartet. Insgesamt sollen nämlich nach Schätzungen nur 50 postfrische Sätze existieren. Elf Jahre nach dem Druck, sieben Jahre nach dem Kauf am Schalter und ein Jahr nach dem Gerichtsurteil sind keine weiteren Marken mehr aufgetaucht. Und die nächsten Sätze? Um so aufregender ist es, daß aus dem vorhandenen Konvolut der 50 Sätze jetzt ein Satz (mit der Losnummer 150!) die Gebote auf der Londoner Briefmarken-Auktion bis auf 7 475 Pfund in die Höhe schnellen ließ. Zuletzt war ein Satz dieser Marken 1990 bei einer Auktion in der Schweiz für 9 000 Mark verkauft worden, was damals schon das 15 000fache des ursprünglichen Markenwertes bedeutete. Die Tatsache, daß die Marken in die USA gingen, beweist deutlich, daß auch außerhalb Deutschlands großes Interesse an solchen Delikatessen besteht. Ob und wo allerdings die nächsten Exemplare auftauchen, ist ungewiß. Aber nicht nur die betuchten Sammler sind hellhörig geworden. +++