Gerichtstermin für PDS-Pressesprecher Hanno Harnisch: Wegen "Diebstahls in besonders schwerem Falle" wurde er am Freitag zu einer Geldstrafe in Höhe von 4 800 Mark verurteilt.PDS-Pressesprecher Hanno Harnisch weiß, was ankommt: Für den Weg zur Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Tiergarten hatte er sich aufs Rad geschwungen - und konnte damit prompt alle Schaulustigen erfreuen. Das Zweirad ist derzeit das einzige Gefährt, das der 42jährige steuern darf. Seit knapp einem Jahr besitzt Hanno Harnisch keine Fahrerlaubnis mehr. Er wird auch die nächsten sechs Monate noch kräftig in die Pedalen treten dürfen - die Folge seiner Spritztour im Alkohol-Rausch, nachdem er einen roten Trabi geknackt hatte. Die kostet den Vater von fünf Kindern zudem 4 800 Mark Geldstrafe, urteilte das Amtsgericht.Den verhängnisvollen nächtlichen Ausflug unternahm Harnisch im November 1993. Vorausgegangen war ein fröhliches Zechgelage unter Genossen. Dabei hatte Harnisch mehrere Gläser "Wodka satt" geleert. Mit "Smirnow" im Blut wartete er dann auf einen Freund, der ihn nach Hause fahren wollte. Doch dieser kam nicht, erklärte Harnisch vor Gericht und räumte ein, sein Erinnerungsvermögen sei "ein bißchen getrübt". Der gelernte Kfz-Schlosser erinnerte sich aber noch, frierend in einen Trabi gestiegen und die Zündung kurzgeschlossen zu haben. Das knallrote Modell gehörte ausgerechnet dem Ballettchef der Volksbühne, Johann Kresnik, der in der Nähe mit Ex-Bürgermeister Walter Momper und Theaterintendant Frank Castor getafelt hatte. Kresnik wollte Momper gerade sein Auto vorführen, als Harnisch beschwingt davonknatterte."In Schlangenlinien", bescheinigten ihm gestern zwei Polizeibeamte. Trotz Blaulicht und Kelle sei es ihnen erst nach längeren Bemühungen gelungen, Harnisch zu stoppen. "Sprache deutlich, Bewußtsein klar, Verhalten aggressiv, Stimmung gereizt", wird Harnisch in einem Bericht charakterisiert. 1,43 Promille Alkohol hatte er noch knapp drei Stunden nach der Spritztour im Blut. Im Gerichtssaal saß am Freitag ein reuiger PDS-Sprecher. Er gab zu, Kresniks Trabi "in galoppierender Unvernunft" gestohlen zu haben. Allerdings mit dem Zusatz: "Vorübergehend". Er habe das Auto, beschwört Harnisch immer wieder, am nächsten Tag ganz bestimmt zurückbringen wollen. Der Staatsanwalt bezweifelte dies und plädierte für eine fünfmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Harnischs Verteidigung wiederum wollte eine Geldstrafe unter 3 600 Mark. Das Gericht rechnete Harnisch seine Geständigkeit zugute, kreidete ihm aber eine Vorstrafe an. Im Dezember 1992 mußte Harnisch schon einmal 15 Tagessätze wegen "Unfallflucht" zahlen. +++