Das Urteil gegen den mutmaßlichen Prostituiertenmörder Stefan S. wird am 29. August gefällt. Das gab am Freitag das Berliner Landgericht bekannt. Der 37jährige Hautarzt beteuerte am Freitag noch einmal in einem langen Schlußwort seine absolute Unschuld.Einen Freispruch ohne Einschränkungen erhofft sich Stefan S. "Ich bitte, mich nicht aus Zweifel freizusprechen, sondern weil man mir glaubt." Auch ohne Verurteilung werde er kein leichtes Leben haben. "Ich bitte um eine Chance", beendet er sein Schlußwort.Knapp drei Stunden antwortete der Angeklagte auf das Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Selten hat sich der Mediziner in dem seit einem dreiviertel Jahr währenden Prozeß so konzentriert und sachlich geäußert, wie an diesem Freitag. Ausschweifungen vermeidet er.Die Anklagevorwürfe bezeichnet er erneut als falsch und absurd. "Ich wollte nie jemanden umbringen", beteuert er. Daß es gewaltsame Auseinandersetzungen mit Prostituierten gab, bedauert der Angeklagte. Eine Frankfurter Prostituierte, die er 1988 mit einem Seil angegriffen haben soll, tue ihm "fürchterlich leid".Die Staatsanwaltschaft hat für den 37jährigen eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes und vierfachen Mordversuches an Prostituierten gefordert. Nach Ansicht des Gutachters leidet S. unter einer gestörten Persönlichkeit mit einem Hang zum Sadismus.Der Angeklagte betreitet, die 18jährige Zsanett S. ermordet zu haben. "Ich weiß, ich war es nicht." Er stellt den Tod der jungen Frau im März vergangenen Jahres in seiner Schmargendorfer Wohnung als Unfall dar. Nach seinen Angaben sei sie bei sado-masochistischen Sexspielen ums Leben gekommen. Die Leiche hatte er anschließend zersägt und in einen Müllcontainer geworfen. Er begründete sein Verhalten damit, daß er Angst hatte, entdeckt zu werden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die 18jährige Frau heimtückisch getötet zu haben.S. dagegen glaubt, mit seinen Aussagen, zu denen er sich seit März diesen Jahres durchgerungen hatte, Verantwortung zu übernehmen. "Ich muß den Kopf hinhalten für etwas, wofür ich ihn vorher nicht hätte hinhalten müssen." Sein ganzes Leben habe er verantwortungsvoll gehandelt. Deshalb habe er auch Menschen helfen wollen und sich für den Arzt-Beruf entschieden. Er ist sich zudem sicher: "Es gibt ein höheres Gericht als dieses."Sigrid Averesch