Zwei Anthropologen haben erstmals ein komplettes, bewegliches Skelett eines Neandertalers nachgebaut. Die meisten Knochenabgüsse, die Gary Sawyer vom American Museum of Natural History in New York und Blaine Maley von der Washington University in St. Louis verwendeten, stammen von einem Skelett namens La Ferrassie, das 1909 in Frankreich gefunden wurde. Ihm fehlen vor allem Teile des Brustkorbs und des Beckens. Diese Knochen borgten sich die Forscher von Skeletten anderer Neandertaler aus Europa und dem Nahen Osten. Einige Knochen der Hand und des Fußes, die bisher noch nicht gefunden wurden, sind den knöchernen Vorbildern des modernen Menschen nachempfunden. Das Skelett ist zurzeit im Dolan DNA Learning Center in Cold Spring Harbor zu sehen und soll anschließend im American Museum of Natural History ausgestellt werden.Über ihr lebensgroßes Puzzle berichten Sawyer und Maley in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift The Atomical Record Part B: The New Anatomist. Die Rekonstruktion des Skeletts zeige zum Beispiel, dass der Rumpf der Neandertaler nicht wie bislang angenommen tonnenförmig war, sondern eher die Gestalt einer Glocke hatte, schreiben die Forscher. Außerdem seien die Frühmenschen offenbar kleiner gewesen als bisher vermutet.Zumindest diese Aussage hält Ralf Schmitz von der Universität Tübingen für etwas gewagt. "Über die tatsächliche Größe der Neandertaler lassen sich anhand eines solchen Mixskeletts keine Aussagen machen", sagt der Forscher. Überhaupt brächte die Rekonstruktion keine wichtigen neuen Erkenntnisse. "Nichtsdestotrotz ist sie ein reizvolles Ausstellungsstück." (bro.)The Atomical Record Part B,Online-Ausgabe vom 11. März------------------------------Foto: Verglichen mit dem modernen Menschen hatte der Neandertaler (links) eine kräftige, untersetzte Statur.