In einer bewegenden Zeremonie hat US-Präsident Bill Clinton sich bei den Überlebenden einer Syphilis-Studie entschuldigt, die als eines der schlimmsten rassistischen Experimente in den Vereinigten Staaten gilt."Daß ein grausames Unrecht geschehen ist, können wir nicht mehr ändern, doch aber das Schweigen brechen." Clinton liefen die Tränen übers Gesicht, als er am Freitag zu den acht Überlebenden des notorischen "Tuskegee Experiments" sprach. Die Gesundheitsbehörden hatten seit 1932 in der Kleinstadt Tuskegee im Bundesstaat Alabama 399 an Syphilis erkrankte Schwarze als Versuchskaninchen mißbraucht. Immerhin dauerte es 65 Jahre, bis die Regierung mit den Worten des Präsidenten jetzt einen Schlußstrich unter den makabren Skandal zog. 1932 hatte die US-Gesundheitsbehörde 399 schwarze Amerikaner aus der armen, ländlichen Gegend bei Tuskegee, Alabama, für ein medizinisches Experiment rekrutiert. Viele von ihnen waren obdachlos. Wer freiwillig an der Studie teilnahm, bekam eine Unterkunft und drei Mahlzeiten am Tag. Was die Regierung aber verschwieg war, daß sie alle an Syphilis erkrankt waren.Ziel des Experiments war es, die langfristigen Auswirkungen der Geschlechtskrankheit zu untersuchen, also wurde den kranken Männern die dringend notwendige medizinische Behandlung bewußt vorenthalten. 40 Jahre lang wurde die Studie fortgesetzt, bis der Skandal schließlich 1972 durch einen Zeitungsartikel aufflog. Ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde hatte Gewissensbisse bekommen und einem Journalisten den entscheidenden Hinweis gegeben. Doch bis dahin waren bereits 100 Opfer des Experiments an den direkten Folgen von Syphilis gestorben. Mindestens 40 Ehefrauen und 19 Kinder der Männer hatten sich ebenfalls infiziert. Die heute noch überlebenden acht Teilnehmer des Experiments wurden nun von Präsident Bill Clinton mit Familie ins Weiße Haus eingeladen - sie sind alle zwischen 95 und 110 Jahren alt. Vizepräsident Al Gore sprach von einem "legitimen medizinischen Ziel, dessen Mittel aber eindeutig rassistisch waren". 1973 hatte die Regierung einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen und an die Betroffenen und deren Angehörigen mehr als zehn Millionen Dollar Schadensersatz gezahlt. Doch eine formale Entschuldigung hatte es bis jetzt nicht gegeben. Der Bürgerrechtler Jesse Jackson ist der Meinung, daß "es besser spät als nie passiert. Doch es ist schon so viel Porzellan zerschlagen, daß man das menschliche Elend des Tuskegee-Experiments mit einem halbstündigen Auftritt des Präsidenten nicht aus der Welt schaffen kann." Die Abgeordnete Maxine Waters aus Kalifornien glaubt, daß "die Legende niemals sterben wird. Gerade heute, wo das Mißtrauen gegenüber Washington größer denn je ist, höre ich Leute immer wieder sagen, es habe mit Tuskegee begonnen." +++