Im US-Bundesstaat Indiana ist es Unternehmen künftig erlaubt, schwule und lesbische Kunden aus religiösen Gründen abzuweisen. Es hatte den Anschein, als sollte die Sache geheim gehalten werden: Die Presse wurde gar nicht erst vorgelassen, als Gouverneur Mike Pence das Gesetz im Beisein geistlicher Würdenträger unterzeichnete.

Sollte das allerdings ein Versuch gewesen sein, der Debatte die Schärfe zu nehmen, dann ist er gründlich misslungen. Der Protest gegen das Gesetz, das die Gegner diskriminierend nennen, hat auch Auswirkungen auf den Präsidentschaftswahlkampf.

Denn Indiana ist kein Einzelfall. In insgesamt 20 Bundesstaaten gelten ähnliche Gesetze. Zum Beispiel können sich Fotografen unter Verweis auf ihre religiösen Gefühle weigern, ein homosexuelles Paar zu fotografieren. Der Republikaner Pence fühlt sich allerdings missverstanden. Das Gesetz sei keine Einladung dazu, Schwule, Lesben und Transgender zu diskriminieren, sagte er. Es diene einzig und allein dazu, die freie Religionsausübung zu schützen.

Viele lesen das Gesetz anders. Sie sehen es als unangemessene Reaktion der Konservativen auf die Gesetze zur Homo-Ehe, die der Oberste Gerichtshof möglicherweise schon im Sommer in allen 50 Bundesstaaten für legal erklären könnte.

Nun wollen IT-Konzerne wie Salesforce und Yelp ihre Geschäftsbeziehungen zu Indiana überdenken. Apple-Chef Tim Cook, der sich vor ein paar Monaten öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte, zeigte sich „zutiefst enttäuscht“. Die Pop-Sängerin Miley Cyrus und ihr Bruder Braison teilten auf Instagram gegen „Gouverneur Penis“ aus. Die Organisatoren von Gen Con wollen sich vielleicht aus Indianapolis zurückziehen. Dort treffen sich im Sommer 60.000 Menschen zur größten Computerspiel-Messe von Nordamerika. Die College-Basketballliga NCAA, die in Indianapolis residiert, will Auswirkungen auf ihre künftige Arbeit und auf Großveranstaltungen prüfen. Der Protest hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass Lokalpolitiker in tiefer Sorge sind. Das Tourismus- und Messegeschäft allein von Indianapolis hat ein Jahresvolumen von mehr als vier Milliarden Dollar und beschäftigt 75.000 Menschen.

Auch im Kampf um die Nachfolge von Präsident Obama ist das Gesetz Thema. Hillary Clinton, die wohl für die Demokraten antreten wird, macht es traurig, dass so etwas im Amerika von heute immer noch möglich sei. Ihre potenziellen republikanischen Konkurrenten halten sich bislang mit Kommentaren zurück. Sie wissen: Die Homo-Ehe findet in den USA immer mehr gesellschaftliche Anerkennung. Sich dagegen zu stemmen, ist keine Garantie mehr für einen Wahlerfolg.