POTSDAM. "Das ist hier nicht das Thema", wehrt Uta Leichsenring ab. Angespannt wartet die Eberswalder Polizeipräsidentin auf dem Flur vor dem Büro des Innenministers. Nein, Anlass des Termins in Potsdam ist nicht das publik gewordene Schreiben von Innenstaatssekretär Eike Lancelle, in dem er Leichsenring die Verletzung der "vertrauensvollen und loyalen Zusammenarbeit" vorwirft. An diesem Mittwochnachmittag soll die Präsidentin gemeinsam mit Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) öffentlichkeitswirksam die Zivilcourage von Bürgern würdigen, die sich in so genannten Sicherheitspartnerschaften engagieren. Und die erste im Land gab es in Klosterfelde, Präsidiumsbereich Eberswalde. Erst danach ist ein Gespräch mit Lancelle vereinbart. Das erste seit der Zurechtweisung vom 13. Juni.Zivilcourage, dieser Begriff hat im Laufe von zehn Jahren eine enge Verbindung mit Uta Leichsenring aufgenommen. Als die aus der DDR-Bürgerbewegung stammende, einstige Stasi-Auflöserin 1991 ihr Polizei-Amt antrat, war in Eberswalde gerade der Angolaner Amadeu Antonio erschlagen worden. Leichsenring, die einzige Parteilose unter den neuen, zivilen Polizei-Chefs, hatte gar keine Wahl: Von Anbeginn war die Bekämpfung rechter Gewalt ihre zentrale Herausforderung, "persönliches Anliegen", wie sie es nennt. Ganz so, wie es das Innenministerium unter neuer Führung im Frühjahr angewiesen hat.Bei neuen Präventionsansätzen, wie der "Jugendstreife", nahm Eberswalde mehrfach eine Vorreiterrolle ein. Nicht nur einmal erregte die heute 50-Jährige überregionale Aufmerksamkeit. Zum Beispiel 1994, als Polizisten aus der Wache Bernau unter den Verdacht geraten waren, Vietnamesen schwer misshandelt zu haben. Die Präsidentin reagierte zum Entsetzen des eigenen Apparates mit sofortiger Suspendierung.Jetzt sind Uta Leichsenrings Tage als Präsidentin in Eberswalde gezählt. Die Reform der Brandenburger Polizeistrukturen steht bevor. Vier statt sechs Präsidien soll es geben. In keinem der diskutierten Modelle ist Eberswalde noch dabei. Dass sie der Schließung ihres Präsidiums kaum noch etwas entgegensetzen kann, darüber macht sich die Chefin der in Unruhe geratenen 1 000-Mitarbeiter-Behörde wohl kaum noch Illusionen. Trotzdem argumentiert sie dagegen. Unter Verweis auf die immense Fläche ihres Zuständigkeitsbereiches Barnim und Uckermark. Auch die Bedeutung des Präsidiums für die strukturschwache Region führt sie an. Seit der harschen Reaktion von Schönbohms Staatssekretär ist das zum Politikum geworden."Vollkommen normaler Vorgang""Ihnen obliegt es nicht, für bestimmte Strukturmodelle öffentlich ,zu kämpfen , sondern den Herrn Innenminister ... loyal und vertraulich zu beraten", heißt es in seinem Brief. Das Schreiben gab Lancelle "wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Angelegenheit" auch gleich den anderen Präsidenten - deren Zukunft sämtlich in Frage steht - und dem Innenausschuss zur Kenntnis. Für Minister Schönbohm ein "vollkommen normaler Vorgang".Gemeinsam mit der Ausländerbeauftragten Almuth Berger trifft Uta Leichsenring am Donnerstag sichtlich gelockert bei der Versammlung des neu formierten Aktionsbündnisses gegen rechte Gewalt ein. Als neues Mitglied. Auch Berger musste sich von Lancelle schon der Illoyalität schelten lassen, weil sie seinen - inzwischen gescheiterten - Vorstoß kritisierte, das Bündnis auch gegen den Linksextremismus einzuschwören. Man habe Argumente ausgetauscht, über Umgangsformen geredet, kommentiert Leichsenring kurz ihr Treffen mit dem Staatssekretär. "Wir sollten mehr reden und weniger schreiben." Dann muss sie Hände schütteln. Auch die von Hans Otto Bräutigam. Der preist die Präsidentin als "wichtige Bezugsperson" für viele in- und außerhalb Brandenburgs. Als sie vor einem Jahr den Theodor-Heuss-Preis für Demokratie und Zivilcourage erhielt, war er noch als Justizminister zur Verleihung eigens nach Stuttgart gereist.Steffen Reiche, Bildungsminister und noch Parteichef der SPD, hebt ebenfalls Leichsenrings Engagement gegen rechts hervor, spricht von ihrem "Rückhalt in der SPD". Der Zuschnitt der Polizeipräsidien sei natürlich Sache des Innenministers, sagt Reiche. Aber viele seien der Auffassung, dass Leichsenring für eine ähnliche Funktion "in Betracht bleibt". Über Berufung und Entlassung der Präsidenten entscheidet das gesamte Koalitions-Kabinett.Die Eberswalder Polizeipräsidentin Uta Leichsenring ist seit 1991 im Amt. Sie nennt die Bekämpfung rechter Gewalt ihr "persönliches Anliegen".