Uta Pippig setzte sich beim 100. Boston-Marathon selbst ein Denkmal: "Mein schönster Sieg"

"Ich hätte mir nie träumen lassen, daß ich fliegen könne." Noch Stunden nach ihrem triumphalen Hattrick beim 100. Boston-Marathon kam Uta Pippig aus dem Staunen nicht heraus.Geflogen war die 30jährige Berlinerin am Montag abend bei ihrem dritten Sieg in Folge beim ältesten Marathon der Welt schon ein wenig - wie sonst wäre ihre Aufholjagd unter Schmerzen zu erklären gewesen. Mit unbändigem Willen erfüllte sich Uta Pippig ihren großen Traum und erklärte danach stolz: "Dieser Sieg ist, auch weil er beim 100. Geburtstag dieses Laufs von Boston erzielt wurde, schon etwas ganz Besonderes, er ist der schönste meines Lebens." Damit stellte sie den Erfolg noch über ihren Sieg beim "Wiedervereinigungs-Marathon" 1990 in ihrer Heimatstadt Berlin. Bereits auf dem zweiten Laufkilometer war die schon 1994 und 1995 siegreiche Berlinerin mit Zweitwohnsitz in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) von Menstruationsbeschwerden dermaßen gepeinigt gewesen, daß sie ans Aufgeben dachte. Aber mit bewundernswerter Zähigkeit biß sich die zusätzlich auch an Durchfall leidende 30jährige durch und gewann schließlich in 2:27:13 Stunden. Es habe alles unglaublich weh getan, sagte sie hinterher. Doch als die Leute ihr zuriefen: "Du kannst sie einholen! Du kannst sie einholen!", habe sie die Jagd auf die bei Streckenhalbzeit in vermeintlich vorentscheidende Führung gegangene Kenianerin Tegla Loroupe noch verschärft."Im Marathon läßt sich nie voraussagen, was noch passieren kann", bemühte Pippig später eine alte Weisheit. Knapp zwei Kilometer vor dem Ziel hatte sie ihre 22 Jahre junge Hauptkonkurrentin, die gegen Ende des Rennens immer langsamer wurde, eingeholt und damit demoralisiert. Der "Heimvorteil" der seit 1992 ungeschlagenen Berlinerin hatte sich ausgezahlt: "Hier fühle ich mich zu Hause - ein großes Dankeschön deshalb der ganzen Stadt." Auch in Berlin herrschte ob des Erfolges von Pippig große Freude. "Es ist einfach aller Ehren wert, was sie aus eigener Kraft geschafft hat", erklärte NOK-Präsident Walther Tröger, der am Montag das olympische Feuer in die Hauptstadt gebracht hatte. Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen gratulierte mit einem Schreiben. Darin heißt es: "Über Ihren Sieg habe ich mich riesig gefreut. Ganz besonders auch deshalb, weil Ihnen dieser dritte Triumph in Folge nicht so einfach in den Schoß gefallen ist. Sie mußten eisern durchhalten und haben damit allen gezeigt und bewiesen: Berlinerinnen können kämpfen."Uta Pippigs Konzentration gilt nun den Olympischen Spielen in Atlanta. Auf die Frage, ob ihr Boston-Triumph schöner als ein Olympiasieg gewesen sei, antwortete Pippig nach dem Rennen: "Das kann ich nicht sagen, weil ich das nicht erlebt habe."dpa +++