BERLIN, 26. November. Wer ein bisschen sucht, der findet womöglich auch spanische Druckerzeugnisse auf Mallorca, aber warum sollte man suchen? Man spricht ja deutsch dort, und mit etwas Glück trifft man am Kiosk vielleicht sogar die kleine Zeitung aus der Heimat. Aber Florian Homm liest wahrscheinlich gar keine kleine Zeitungen. Er ist ja Großaktionär, und Großaktionäre lesen wahrscheinlich nur große Zeitungen. Neuerdings verschlägt es Homm in seiner Villa auf Mallorca auch auf die Sportseiten, weil er jetzt ja auch Großaktionär bei Borussia Dortmund ist. Es kann schon sein, dass er zuletzt ein bisschen zu viel Rapolder erwischt hat. Auch die großen Zeitungen drucken ja jetzt gerne Bilder von diesem braun gebrannten Jungdynamiker, und in ihren Texten lassen sie Rapolder sagen, dass er "eine Vision vom gemeinsamen Spiel" habe. So gut hört sich das an, dass Homm den smarten Trainer sofort der Borussia empfahl, was nicht gut ankam bei Bert van Marwijk, dem Coach des BVB.Man kann Uwe Rapolder im Moment nur schwer entgehen. Der Fußball sucht sich gern neue Moden, und gerade ist der Trainer des Aufsteigers Arminia Bielefeld dran. Er ist jetzt der dritte Trainerheld der Saison, nach dem Mainzer Jürgen Klopp und dem Schalker Ralf Rangnick. Aber wenn man sich diese drei Typen bei Lichte besieht, wird aus der Mode ein Trend: Es kommt gerade eine neue Trainergeneration über die Liga, und vielleicht hat man das nie so gut begriffen wie am Ende jener Woche, in der mit Eduard Geyer der letzte aus der Ära der Brachialpoeten entsorgt worden ist.Am Sonntag spielen sie nun gegeneinander, Rapolders Bielefelder bei Rangnicks Schalkern, und man kann schon mal das Bandgerät warm laufen lassen, um keinen ihrer Sätze zu verpassen. Seit es diese Trainer gibt, kommt man sich viel besser vor als Fußballfan. Fußball klingt jetzt nicht mehr nach Proletariat, Fußball klingt jetzt nach Wissenschaft. Rapolder kann herrlich über horizontale und vertikale Linien referieren, und Rangnick sagt so oft "Konzept" und "System", dass man mitunter vergisst, dass dazwischen noch ein Ball herumspringt.Man hat die Trainer neuen Typs lange skeptisch beäugt im Land der Tugenden, man hat Rangnick einen Professor genannt und Rapolder einen Wanderprediger. Man hat sie für Trainerprüfungsbestnotenabsolventen gehalten, für Streber, die niemals Bundesligaspieler waren. Aber inzwischen hat man gelernt, dass ihr Fußball viel spaßiger aussieht als er klingt. Sie lassen Fußball in starren Systemen spielen, aber der Fußball erstarrt nicht dabei."Es macht Spaß, bei solchen Trainern zu spielen", sagt Rüdiger Kauf, 29, Mittelfeldspieler bei Rapolders Arminia und einst in Stuttgart unter Rangnick aktiv. "Rapolder denkt etwas offensiver, lässt mehr Direktspiel üben, Rangnick legt mehr Wert auf diszipliniertes Verschieben. Ansonsten haben sie haben die gleiche Idee vom Fußball." Sie lassen laufintensives Pressing spielen, besetzen die Flügel offensiv, auch das Spezialistentum haben sie weitgehend abgeschafft. Sie lassen Konzeptfußball spielen, keinen Heldenfußball. "Wichtig ist ihnen, dass auf allen Positionen nach hinten gearbeitet wird und dass alle Positionen sich am Spielaufbau beteiligen", sagt Kauf, der diese Art des Fußballs "stark im Kommen" sieht. "Das Gegenbeispiel ist doch Real Madrid: lauter brillante Einzelkönner, aber nichts greift ineinander."Man darf es lustig finden, dass sie Systemfußball im taktisch rückständigen Deutschland für einen neuen Ansatz halten. "In Italien oder Frankreich spielt man ja schon lange so", sagt Kauf. Noch lustiger ist, dass die Liga dabei ist, sich von unten heraus zu reformieren. Den Trend geben jetzt Trainer vor, die lernen mussten, wie man Kleine größer macht. "Wenn du schlechtere Spieler hast, musst du das bessere System spielen", hat Rangnick gesagt, damals in Ulm. "So ein System zielt aufs Gefüge ab", sagt Kauf, "es hebt die gesamte Elf auf ein neues Niveau." Rapolder, Rangnick und Klopp sind Bessermacher. Ihre Kunst ist es, Teams besser zu machen als sie sind.Ob der Trend auch für Teams taugt, die ohnehin schon gut sind? Rangnick muss das jetzt beweisen, auf Schalke, wo Ailton spielt, ein natürlicher Feind des Systemfußballs. Auch Rüdiger Kauf ist gespannt, "was da wohl passiert, wenn mal die ersten Niederlagen kommen".------------------------------"Es macht Spaß, bei Rapolder und Rangnick zu spielen."Rüdiger Kauf, Profi in Bielefeld------------------------------Foto (2): Professor Ralf Rangnick, 46, trifft auf ..... ...Wanderprediger Uwe Rapolder, ebenfalls 46.