Einen Tag nach seiner Verhaftung am Sonntag abend ist der leibliche Vater von Manuel Schadwald, Rainer Wolf, wieder auf freiem Fuß. Am Sonntag abend war Wolf direkt nach der ARD-Talkshow "Sabine Christiansen" verhaftet worden. Die Beamten vollstreckten damit zwei Haftbefehle aus Mainz und Meiningen (Thüringen). Grund waren Geldstrafen wegen Betrugs und übler Nachrede in Höhe von 10 000 Mark, die von dem 41jährigen nicht bezahlt worden waren. Da sich Rainer Wolf seit mehreren Jahren im Ausland zuletzt in Irland aufgehalten hatte, konnte die Justiz das Geld erst jetzt eintreiben. Am Montag nachmittag wurde der Betrag bei der Justizkasse von Wolf bezahlt. Anschließend wurde der Mann freigelassen.Mit der Suche nach seinem verschwundenen Sohn hatte die Verhaftung allerdings nichts zu tun, so ein Polizeisprecher. Gegen Wolf gebe es in dieser Sache keine Ermittlungen, bestätigten sowohl Polizei als auch die Berliner Staatsanwaltschaft.Am Wochenende waren Gerüchte aufgekommen, daß Rainer Wolf an der Verschleppung seines Sohnes in ein niederländisches Bordell beteiligt gewesen sei. Justizsprecher Matthias Rebentisch bestätigte lediglich, daß ein Zeuge den Namen Rainer Wolf mit der Bar "Pinocchio" in Verbindung gebracht habe. Die Schöneberger Kneipe gilt bei der Polizei als Treffpunkt für Strichjungen und deren Kunden. Die Anschuldigungen gegen Wolf beruhen auf den Aussagen des Berliners Peter Goetjes, der sich selbst als Kinderhändler bezeichnet hatte. Rainer Wolf fühlt sich diffamiert: "Das ist eine Dreckkampagne gegen mich, wenn plötzlich die Aussagen von Kinderhändlern als seriös betrachtet werden." Irgend jemand wolle dadurch die Ermittlungen zum Verschwinden meines Sohnes behindern, sagte Wolf. Er sei der einzige, der etwas tue. Der Mann kündigte eine Strafanzeige wegen Verleumdung gegen eine niederländische Zeitung an, die über mögliche Verstrickungen in die Entführung des Sohnes berichtet hatte. Wolf zeigte sich kurz vor seinem Abflug am Montag erstaunt darüber, warum seine IM-Tätigkeit bei der Stasi im Zusammenhang mit der Entführung seines Sohnes wieder genannt werde. "Ich habe diese Arbeit nie geleugnet", so Wolf. Er arbeitete als Mitglied der evangelischen Kirche zu DDR-Zeiten für den Geheimdienst und bespitzelte dabei Rainer Eppelmann und andere DDR-Oppositionelle. Ralf Hirsch, einer der Bespitzelten, erinnert sich an den "IM Schreiber": "Wolf sollte Zersetzungspläne der Stasi ausführen. Das steht in meiner Akte", so Hirsch. "Das hat doch nichts mit dem Fall Manuel zu tun", wehrt sich Wolf. Jemand wolle unermüdlich von dem "wirklich wichtigen Fall" ablenken.Zu Manuel hatte Wolf nach dessen Geburt kaum noch Kontakt. Bereits vorher hatte er sich von seiner Frau Marion getrennt und flüchtete 1985 in den Westen. Gestern abend flog Wolf wieder nach Irland. "Ich werde weiter nach Manuel suchen, auch wenn man mir weiter Knüppel in den Weg schmeißt."