Vatikan und Papst Franziskus: Medien: Schwule Lobby Bedrohung für Papst

Gerüchte über eine Schwulen-Lobby, die im Vatikan Intrigen spinnt, haben neue Nahrung erhalten. Der frühere Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde, Elmar Mäder, sagte der Zeitung Schweiz am Sonntag, nach langen Jahren im Kirchenstaat könne er die Behauptung nicht widerlegen, es gäbe dort ein Homosexuellen-Netzwerk. „Meine Erfahrungen sprechen für die Existenz eines solchen.“ Die zu Übertreibungen neigenden italienischen Medien zogen aus dem kurzen Interview eigene Schlüsse: Eine mächtige schwule Lobby bedrohe die Sicherheit von Papst Franziskus, berichteten am Montag auch seriöse Zeitungen.

Mäder war von 1998 an Vizekommandant und von 2002 bis 2008 Chef der 110 Schweizergardisten, die für die Sicherheit des Papstes zuständig sind. Sie müssen nicht nur Schweizer Staatsbürger sein und katholisch, sondern auch zwischen 19 und 30 Jahre alt, sportlich und mindestens 1,74 Meter groß sein. Das macht die jungen Männer in gelb-blauer Uniform mit Kniebundhose, Federhelm und Hellebarde nicht nur für Touristen zur Attraktion.

„Du bist das Dessert“

Ebenfalls in der Schweizer Zeitung hatte kürzlich ein Ex-Gardist über eindeutige Avancen und sexuelle Belästigungen durch Geistliche berichtet, bis hin zu Bischöfen und Kardinälen. „Du bist das Dessert“, habe ihm ein Priester bei einem gemeinsamen Abendessen gesagt. Ein anderes Mal sei beim Posten eine Whiskey-Flasche für ihn abgegeben worden, zusammen mit der Visitenkarte eines Bischofs. Vorgesetzte, die er darüber informierte, hätten ihn nicht ernst genommen. Ein weiterer Ex-Gardist, der anonym bleiben wollte, hat erklärt, er sei im Laufe seiner Dienstzeit von gut einem Dutzend Geistlicher sexuell belästigt wurde.

Der frühere Kommandant sagt dazu, es würden manche „Räubergeschichten“ erzählt. Doch der Zeitung zufolge soll er selbst damals seine Gardisten vor bestimmten lüsternen Geistlichen gewarnt haben. Es gebe auch Hinweise, dass er sich wegen des Problems schriftlich an die Kurie gewandt habe. Das sei dort nicht gut angekommen und ein Grund für seinen Rücktritt 2008 gewesen sei.

Mäder, heute Geschäftsführer einer Firma für Medizintechnik, wollte sich dazu nicht äußern. Der Sprecher der Schweizergarde wiederum, Urs Breitenmoser, erklärte jetzt, all die Gerüchte seien nicht sein Problem und das seiner Kameraden: „Unsere Männer beschäftigen sich ausschließlich mit religiösen und militärischen Fragen.“