Ist sie eine Verräterin am Vaterland? Eine Faschistin? Auf jeden Fall ist die Venezolanerin Maria Corina Machado hart im Nehmen, wenn sie trotz der Lawinen an Beschimpfungen, die seit Jahren über sie hinweggehen, immer noch laut und deutlich ihre Meinung sagt.

Bei den aktuellen Auseinandersetzungen zwischen der linksnationalen Regierung von Präsident Nicolás Maduro und den Demonstranten auf den Straßen spielt sie eine führende Rolle. Denn während ihre Mitstreiter die Regierung an den Wahlurnen scheitern sehen wollen, unterstützt sie die Straßenproteste – mit allen Risiken. Nach den Gewaltexzessen der vergangenen Tage, die mindestens 14 Opfer forderten, führt sie die Demonstrationen von Frauen an – alle weiß gekleidet, als Friedensappell.

Eine Frau wie sie möchte man – egal wo – lieber nicht zur Gegnerin haben: Sie ist gescheit, gebildet, redet wie ein Wasserfall und sieht auch noch gut aus. Als Maduro, der Nachfolger des verstorbenen Hugo Chávez, vor einem Jahr mit Ach und Krach vor dem Oppositionskandidaten Henrique Capriles siegte, richtete sie im Parlament einen vor Hohn triefenden Appell an Kubas Staatschef Raúl Castro, eine Stimmen-Nachzählung zuzulassen.

Machado stammt aus einer begüterten Bürgerfamilie und wuchs „abgeschirmt von der Realität“ auf, wie sie selber einmal sagte. Sie studierte, arbeitete in der Autoindustrie, bekam drei Kinder, engagierte sich in einer Stiftung für Straßenkinder. 2002 gründete sie „Súmate“, einen Verein, der 2004 ein Referendum zur Absetzung von Chávez erzwang – und dann doch scheiterte. Chávez gewann haushoch.

Dass sie sich 2010 mit George W. Bush im Oval Office ablichten ließ, wird ihr von Gegnern noch immer als Vaterlandsverrat vorgehalten. Bei ihren Freunden hingegen verstärkte es die Bewunderung: Zur Parlamentswahl 2010 bekam landesweit niemand so viele Stimmen wie sie. Doch mehrheitsfähig schien ihr Konzept nicht von einem Volkskapitalismus, in dem praktisch jedermann Besitzer und Unternehmer sein sollte. Und so kürte die Opposition Capriles zu ihrem Präsidentschaftskandidaten.

Seit aber dessen Stern sinkt, steigt Machados Stern wieder. Wohl auch deshalb beantragten drei regierungsnahe Abgeordnete kürzlich die Aufhebung ihrer parlamentarischen Immunität. Begründung: Sie sei zum „Sprachrohr des US-Imperialismus“ geworden.