Bonn/Berlin. deu/os/sto Die Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld hat Bündnis 90/Die Grünen verlassenen und ist zur CDU gewechselt. Damit wächst die Bonner Koalitionsmehrheit von zehn auf zwölf Stimmen. Weitere prominente Bürgerrechtler wollen ebenfalls in die CDU eintreten.Vera Lengsfeld sagte gestern, sie könne den "Schmusekurs" der Grünen gegenüber der PDS nicht mehr mittragen. Nach ihrer Entscheidung wollen an diesem Dienstag sechs weitere ostdeutsche Bürgerrechtler ihren Eintritt in die CDU verkünden. Dabei handelt es sich nach Informationen der Berliner Zeitung unter anderem um das frühere Mitglied von Bündnis 90 in Brandenburg, Günter Nooke, und den Berliner Studienreferenten Ehrhard Neubert. Der prominente Bündnisgrüne Wolfgang Templin droht mit dem Austritt aus seiner Partei, falls die Grünen den "Anbiederungskurs" gegenüber der PDS fortsetzen. Konrad Weiß sagte, für ihn komme ein Austritt nur dann in Frage, wenn die Bündnisgrünen eine formelle Koalitionsaussage zugunsten der PDS träfen. Lengsfeld begründete ihren Übertritt zur CDU mit der "offenen Anbiederung" der Bündnisgrünen an die PDS. In einem fünfseitigen Brief an die Grünen-Fraktionschefs Joschka Fischer und Kerstin Müller schrieb sie, auch auf Bundesebene werde es 1998 ein rot-grünes Bündnis mit der PDS geben, wenn sich eine rechnerische Mehrheit biete. "Die Weichen dafür werden in der SPD bereits gestellt", behauptet sie. "Ich schulde der Partei nichts", fügte sie hinzu.CDU-Generalsekretär Peter Hintze erklärte, Lengsfeld sei in der CDU "herzlich willkommen". Der Schritt der früheren Bürgerrechtler ist das Ergebnis langer und zahlreicher Gesprächskontakte von CDU-Generalsekretär Peter Hintze. Ohne öffentliches Aufsehen hatte er sich nicht nur mit Frau Lengsfeld getroffen, sondern auch mit anderen Bürgerrechtlern in kleinem und größerem Kreis. Lengsfeld teilte Hintze bereits am vorletzten Wochenende ihren Entschluß mit, vom Bündnis 90/Grüne zur CDU überzutreten. Sowohl ihr Thüringer Landesverband als auch die Bundesspitze der Partei informierte sie erst am Montag nachmittag.In der CDU-Zentrale hieß es, Lengsfeld habe bei der Bundestagswahl 1998 gute Chancen, für die CDU im Parlament zu bleiben.Die Grünen-Parteisprecher Jürgen Trittin und Gunda Röstel bedauerten den Austritt und wiesen die Vorwürfe wegen der Anbiederung an die PDS zurück. Sie forderten Lengsfeld auf, das Bundestagsmandat zurückzugeben. Die Fraktionssprecher Fischer und Müller bedauerten den Schritt. Sie zeigten sich überrascht und enttäuscht. +++