Die Ukraine will sich mit der Analyse von US-Geheimdiensten nicht zufrieden geben, es existierten keine Beweise für eine direkte Verwicklung der russischen Regierung in den Abschuss der Maschine der Malaysia Airlines über der Ostukraine. Es würden Informationen überprüft, dass der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu persönlich die Übergabe von Buk-Raketenwerfern an die prorussischen Separatisten genehmigt habe, sagte ein Vertreter des Kiewer Innenministeriums am Mittwoch.

US-Geheimdienste hatten zuvor nach sechstägigen Ermittlungen die Auffassung vertreten, das malaysische Zivilflugzeug sei aufgrund einer Verwechslung versehentlich von prorussischen Separatisten mit Boden-Luft-Raketen abgeschossen worden. Das wäre mit dem russischen Waffensystem Buk möglich. Ein Rebellenkommandeur in der Ostukraine räumte jetzt in einem Interview ein, dass die Separatisten über Buk-Raketen verfügt haben.

Die Flugschreiber der mutmaßlich abgeschossenen Maschine hat Malaysia inzwischen an britische Spezialisten übergeben. Nach ersten Erkenntnissen seien diese nicht manipuliert worden.

Streit um Waffenexporte

Ukrainische Sicherheitsbehörden erklärten, es gebe „unwiderlegbare Beweise“, dass Russlands Verteidigungsminister Schoigu persönlich an der Übergabe von Waffen an die Separatisten beteiligt sei. Konkret gehe es dabei neben Panzern und Artillerie um Raketenwerfer des Typs Grad, die seit kurzem in der Ostukraine eingesetzt werden. Schoigu habe darüber die Kontrolle, sein Ministerium koordiniere die Aktionen der Separatisten direkt, so das Innenministerium in Kiew.

Zwischen Frankreich und Großbritannien gibt es Streit wegen der Lieferung von zwei französischen Hubschrauberträgern an Russland. Der britische Regierungschef David Cameron hatte ein Embargo für Waffenexporte gefordert. Aus Paris wurde ihm entgegnet, die britische Regierung möge sich besser um den Einfluss russischer Oligarchen auf den Finanzplatz London sorgen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass auch britische Firmen ihre Waffenlieferungen an Russland fortsetzen.

Die Bundesregierung hatte bereits im März als Reaktion auf die russische Annexion der Krim ein Exportgeschäft des Rheinmetall-Konzerns gestoppt. Dabei ging es um ein Gefechtszentrum für die Ausbildung von bis zu 30000 Soldaten jährlich in der finanziellen Größenordnung von 120 Millionen Euro. Die Komponenten würden nicht ausgeliefert, hieß es dazu am Mittwoch in Berlin.

Knapp eine Woche nach dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine wurden am heutigen Mittwoch zwei Kampfjets der ukrainischen Luftwaffe abgeschossen. Erst wurden die Separatisten beschuldigt, verantwortlich zu sein. Das teilten ein ukrainischer Militärsprecher sowie die Freischärler selbst mit. Dann kam der Vorwurf des Sicherheitsrates in der Ukraine, dass die Raketen "nach vorläufigen Informationen von russischem Territorium aus abgeschossen" worden seien. (mit dpa und afp)