Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) wird nach den jüngsten Vorfällen umstrukturiert. Dies teilte Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) nach einer fast vierstündigen, geheimen Sitzung des Verfassungsschutz-Ausschusses am Donnerstag mit. So sollen die drei Abteilungsleiter wegfallen, um die Entscheidungswege zu straffen. Außerdem sollen die Mitarbeiter künftig von Zeit zu Zeit die Arbeitsgebiete wechseln und Wissenschaftler eingestellt werden. Schönbohm: "Es kann nicht sein, daß sich das Landesamt nur aus sich selbst heraus rekrutiert." Verfassungsschutz-Chef Eduard Vermander will einzelne Referate wie die Bereiche Ausländerextremismus und Spionage zusammenlegen.Wie berichtet, war die jüngste Krise beim Verfassungsschutz durch ein falsches Behördenzeugnis über den Polizeidirektor Otto Dreksler ausgelöst worden. Das Amt hatte bestätigt, daß Dreksler Mitglied der Scientology-Organisation sei, was sich später als falsch herausstellte. Der V-Mann, der Dreksler identifiziert hatte, war außerdem ehemaliger Stasi-Spitzel. Die Grünen und die SPD hatten das scharf kritisiert.Schönbohm verteidigte am Donnerstag den Einsatz der Stasi-Spitzel als V-Männer: "Es gibt keinen Nachrichtendienst, der es sich leisten könnte, auf die Mitarbeit von Überläufern zu verzichten." Wie viele ehemalige Stasi-Leute vom Verfassungsschutz abgeschöpft werden, wollte Schönbohm nicht sagen. Um die Neuorganisation des LfV zu ermöglichen, sollen zwei interne Arbeitsgruppen eingesetzt werden. "Das Thema ist erledigt", sagte Schönbohm.Dafür handelte sich der CDU-Senator heftige Kritik von seiten der Grünen und der PDS ein. "Schönbohm lügt", sagte die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Es seien noch Fragen offengeblieben. Der Innensenator und der für Sicherheitsfragen zuständige Staatssekretär Kuno Böse (CDU) müßten zur Verantwortung gezogen werden. Über einen Mißbilligungsantrag wollte der Grünen-Fraktionsvorstand am Donnerstag abend beraten.Der PDS-Abgeordnete Gernot Klemm sagte, es sei "mehr als leichtfertig, die rekordverdächtige Skandalserie des Verfassungsschutzes mit dem flapsigen Hinweis zu verharmlosen, daß Menschen nun mal Fehler machen". Staatssekretär Böse, der in die Affäre Dreksler von Anfang an involviert war, sei nicht länger tragbar, so Gernot Klemm. Auch die SPD übte Kritik an Schönbohm. So müsse die Neustrukturierung von einer externen Arbeitsgruppe organisiert werden. Fraktionschef Klaus Böger bezeichnet die Umorganisation des Landesamtes als "überfällig". Es sei auch weiterhin fragwürdig, daß ehemalige Stasi-Spitzel als V-Leute eingesetzt würden. Böger: "Der Innensenator irrt, wenn er diese Personen als Überläufer bezeichnet."