Scientology ist in Berlin erfolglos. Zu dieser Einschätzung kommt zumindest der Berliner Verfassungsschutz. Die Organisation habe keinen Mitgliederzuwachs, sagte Verfassungsschutz-Chefin Claudia Schmid gestern vor Abgeordneten.Seit Jahren versucht die Organisation in der Politik Fuß zu fassen und Entscheidungsträger für sich zu gewinnen. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bekam schon Post von Scientology. "Aus dem politischen Raum gibt es jedoch keinerlei Affinitäten. Da schlägt ihnen geballte Ablehnung entgegen", sagte Claudia Schmid. Auch bei ihrem eigentlichen Zweck, dem Geldverdienen, ist die Organisation nach Auffassung der Verfassungsschützer erfolglos. "Das Geldmachen funktioniert für Scientology in Berlin trotz vieler Bestrebungen nicht so richtig", sagte Schmid. Kritikern zufolge versucht Scientology mit vermeintlich harmlosen Angeboten wie Stresstests Menschen in wirtschaftliche Abhängigkeit zu ihr zu bringen.Erst vor wenigen Tagen eröffnete Scientology in Spandau einen Laden, der als Informationszentrum dient. Bereits Anfang 2007 hatte die Organisation in der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg eine Hauptstadtrepräsentanz eröffnet.Keine V-LeuteIhre Hauptaktivitäten entfaltet die Organisation laut Verfassungsschutz jedoch auf öffentlichen Plätzen, wo sie Menschen anspricht und ihre Bücher verkauft - etwa auf dem Alexanderplatz in Mitte, in der Fußgängerzone der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg oder auf dem Tauentzien. "Es ist auch damit zu rechnen, dass wir in Zukunft das auch in anderen Bezirken haben werden", sagte Schmid.Scientology bezeichnet sich selbst als Kirche, wird von Kritikern aber als Sekte gesehen. Ihre Mitgliederzahl soll in Berlin bei etwa 200 liegen. Die Innenminister der Länder hatten sich auf Anraten von Verfassungsschützern gegen ein Verbot von Scientology, aber für eine Beobachtung ausgesprochen.In Berlin wird die Organisation jedoch nicht "mit geheimdienstlichen Mitteln" wie Telefonüberwachung oder V-Leuten beobachtet. Nur ihre öffentlichen Äußerungen und Publikationen werden von der Behörde begutachtet. "Man muss die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren", sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) im Ausschuss. "Vorrang hat immer die offene Beobachtung."