BERLIN, 2. März. Auch Geheimagenten müssen die Schulbank drücken. Dem Nachwuchs bringt man die Grundregeln für das Know-how im Dunkelgewerbe bei, und alte Hasen werden mit neuen Regeln und Techniken im Tarnen und Täuschen vertraut gemacht. Bislang unterhalten die drei deutschen Geheimdienste Bundesnachrichtendienst, Militärischer Abschirmdienst (MAD) und Bundesamt für Verfassungsschutz jeweils eigene Aus- und Fortbildungsstätten. Für MAD und Verfassungsschutz soll sich das demnächst ändern.Ihr Personal wird in Zukunft gemeinsam ausgebildet werden. Hierzu wird die Schule für Verfassungsschutz in Heimerzheim bei Bonn um einen "militärischen Anteil" erweitert. Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums hat die Konferenz der Innenminister der Zusammenlegung mit der MAD-Schule in Bad Ems bereits im November letzten Jahres zugestimmt. Was derzeit noch fehle, sei ein formaler Beschluß der Bundesregierung. Damit rechnet man "in naher Zukunft", teilte der Sprecher mit. Ab dem 1. Januar 2000 sollen die ersten Bundeswehrsoldaten in einer neuen "Lehrgruppe MAD" den Unterricht aufnehmen. Wie viele es sein werden und ob die derzeitige Ausbildungskapazität erweitert wird, dazu wollen weder Verfassungsschutz noch MAD Stellung nehmen. Derzeit beschäftigt die Verfassungsschutzschule, die dem Kölner Bundesamt zugeordnet ist, 13 hauptamtliche Lehrkräfte aus Bund und Ländern. Hinzu kommen Dozenten aus anderen Bereichen, etwa Datenschutzbeauftragte. Mit der Zusammenlegung soll das hauptamtliche Lehrpersonal auf zehn reduziert werden. Drei dieser Stellen darf der MAD besetzen. Für den Sprecher des Innenministeriums sind denn auch in erster Linie "Spar- und Synergieeffekte" für die Entscheidung verantwortlich. Rund 70 Prozent der Kosten werden derzeit vom Bund bestritten, die übrigen 30 Prozent werden auf die Länder verteilt. Mit der Zusammenlegung soll der Kostenanteil des Bundes dann um zirka 13 Prozent steigen."Kaserne in der Kaserne"Eröffnet wurde die Verfassungsschutzschule im Jahre 1981. In der Planung war eine solche Agenten-Ausbildungsstätte bereits seit 1965. Doch erst die Pannen und Skandale der 70er Jahre führten 1979 zum Abschluß eines Bund-Länder-Abkommens. So hatte man zuvor etwa für Lauschoperationen eigens Technik und Personal beim BND ausleihen müssen. Verfassungsschützer hatten sich zudem bei Observationen so dilettantisch verkleidet, daß sie sofort auffielen. Auf Beschluß des damaligen Bundesinnenministers Gerhart Baum (FDP) wurde die neue Schule dann mit einem Finanzaufwand von 18 Millionen Mark in einem eigens gesicherten Bereich der Bundesgrenzschutzkaserne in Heimerzheim eingerichtet. Die Berliner Geheimdienstkritikerin Renate Künast (Grüne) bezeichnete die Agenten-Uni als eine "Kaserne in der Kaserne". Allein eine solche Umgebung muß ihrer Ansicht nach dazu führen, bei den Verfassungsschützern ein Bild ständiger Bedrohung durch eine feindliche Außenwelt zu erzeugen. Künast fordert eine Öffnung der Schule zur Gesellschaft sowohl räumlich wie auch durch die stärkere Einbindung externen Lehrpersonals in die Ausbildung.