Evangelische Christen nennen sich mit einem gewissen Stolz auch Protestanten. Das hat seinen gutem Grund, schließlich gehört der Protest gegen die Mächtigen seit den bewegten Zeiten der Reformation, also seit dem segensreichen Wirken von Martin Luther, zu ihren Gründungsfesten.

Wir müssen uns an dieser Stelle allerdings eines fragen: War der protestantische Protest denn auch wirklich erfolgreich? Der Hauptgegner von damals, die Katholische Kirche, ist ja immer noch da und immer noch sehr mächtig, auch wenn sie seit den 1519ern, da schlug Luther seine 95 Thesen ans Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg, ziemlich viel Stress und Ärger hatte und einige empfindliche Niederlagen einstecken musste.

Theologische Brillanz - technische Intelligenz

Und, schwupps, sind wir auch schon in der Gegenwart angekommen: Weil der Whistleblower Edward Snowden sich mit den USA, das heißt: mit der Supermacht schlechthin, angelegt hat und deren alle Dimensionen sprengenden, geheimen Überwachungsprogramme an die Weltöffentlichkeit verriet, ist die evangelische Pastorin und Grünen-Politikerin Antje Vollmer auf die Idee gekommen, diesen zweifellos mutigen und charakterstarken Mann mit dem ebenfalls bestens beleumundeten Marin Luther in eine Reihe zu stellen. Beide, der Whistleblower wie der Reformator, seien geistige Verwandte, junge Rebellen und große Köpfe, erklärt uns die einstige Bundestagspräsidentin. Und hat vollkommen Recht.

„Was bei Luther die theologische Brillanz war, ist bei Snowden seine außergewöhnliche technische Intelligenz“, fasst Vollmer auf dem Online-Portal evangelisch.de ihren Vergleich zusammen. Und holt dann noch einmal kräftig aus: Sie sei enttäuscht, dass „Politiker mit einer ostdeutschen Biografie wie Angela Merkel und Joachim Gauck“ sich kein einziges Mal mit Snowden solidarisch erklärt haben. Ja, möchten wir an dieser Stelle ergänzen und ganz in dem von Vollmer entworfenen Bild bleiben, das wäre nämlich so, als legte man sich mit der Katholischen Kirche an. Und das ist gefährlich.