Unter den Verkäuferinnen in den Berliner Schlecker-Filialen geht die Angst um. Bei der Drogeriekette soll nach Gewerkschaftsangaben massiv Personal abgebaut werden. "Seit September sind 27 Geschäfte allein in Berlin geschlossen worden", sagte Betriebsrätin Bärbel Lüdecke am Freitag der Berliner Zeitung. In den nächsten Wochen stehen weitere Filialen vor dem Aus: Der Laden in der Lichtenberger Türrschmidtstraße hat schon zugemacht. Nächste Woche schließt der Laden in der Friedrichshainer Geusenstraße. Bis Ende November folgen unter anderem die Geschäfte in der Alfred-Jung-Straße in Lichtenberg, in der Kreuzberger Dudenstraße und in der Pankower Wollankstraße.Andere Tätigkeiten angeboten Befürchtungen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vor einer Kündigungswelle wies aber ein Sprecher der Schlecker-Zentrale zurück. "Wir eröffnen gleichzeitig neue Läden", sagte der Sprecher. Deshalb würden den Beschäftigten gegebenenfalls andere Tätigkeiten angeboten. Lohneinbußen würde es nicht geben. Dagegen sagte Betriebsrätin Lüdecke, dass bereits drei Frauen Kündigungen erhalten hätten, andere seien - allerdings nur befristet - umgesetzt worden. Wieder andere hätten noch keine Informationen, ob und unter welchen Bedingungen sie weiter beschäftigt werden. Kündigungen sollte es, so hatte es der Konzern den Mitarbeitern mitgeteilt, aber nur in "Einzelfällen" geben. Das können die Verkäuferinnen nicht so richtig glauben. Um ihren Arbeitsplatz machte sich am Freitag nicht nur eine Aushilfe der Filiale in der Schöneberger Bülowstraße Sorgen: "Man muss ja nur die Nachrichten anschauen. Opel baut massenhaft Stellen ab und nun trifft es uns eben auch." Zwar rechnet die junge Frau damit, dass in Berlin eher Filialen zusammengelegt als komplett geschlossen werden. Aber ihr Job, mit dem sie bisher ihr Studium finanzierte, scheint ihr nicht mehr sicher. Optimistischer gab sich eine Kassiererin im Schlecker-Markt Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg: "Wir sind ja ein großes Geschäft. Also glaube ich nicht, dass wir geschlossen werden." Die junge Frau vermutete, dass es eher Läden in kleineren Städten treffen wird - etwa im brandenburgischen Bernau. Dort hatte sie einmal als so genannte Springerin gearbeitet und festgestellt, dass zwei Filialen fast unmittelbar ne- beneinander lagen. In Berlin und dem Umland existieren nach Auskunft des Konzern noch rund 400 Filialen, allein in der Bundeshauptstadt rund 300. "Die wirtschaftlichen Probleme des Einzelhandels wirken sich inzwischen auch auf die großen Ketten aus", sagte Klaus Fischer vom Einzelhandelsverband zu den Hiobsbotschaften. Allerdings seien dies auch Folgen des Preiskampfes der Discounter untereinander. Bundesweit sollen laut Verdi 1 000 Schlecker-Filialen vor dem Aus stehen. Verdi-Handelsexpertin Agnes Schreieder wirft Schlecker vor, die Umstrukturierung zu nutzen, um ältere und relativ gut bezahlte Kräfte loszuwerden. Dafür würden andere Leute zu schlechteren Bedingungen eingestellt. Wiederholt war in den letzten Jahren Kritik an Schlecker geäußert worden. So berichteten Mitarbeiter von einem miesen Arbeitsklima und extrem niedrigen Löhnen. Widerstand gab es nicht, Schlecker wehrte sich lange gegen die Gründung von Betriebsräten. "Inzwischen ist es gelungen, wenn auch nur in einigen Betrieben im Ostteil, solche Interessenvertretungen zu bilden", sagte Agnes Schreieder. "Man denkt immer, es wird einen nicht persönlich treffen, aber ausschließen kann ich das nicht. Immerhin will der Konzern nur noch eine Filiale pro Straße haben", sagte eine Verkäuferin resigniert. ------------------------------Foto: Klein ist out: Künftig soll es nur noch Schlecker-Filialen mit mehr als 200 Quadratmeter Fläche geben. Zwei Märkte pro Straße sind tabu.