Die Dauerbaustelle an der Stadtautobahn Höhe Sachsendamm gehört morgen der Vergangenheit an. Bau- und Verkehrssenator Jürgen Klemann (CDU) will das rund 1,9 Kilometer lange Autobahnteilstück zwischen dem Schöneberger Kreuz und der Alboinstraße am Vormittag endgültig für den Verkehr freigeben.Nachdem die Autobahn bereits im Dezember vergangenen Jahres vorläufig mit je zwei Fahrspuren in jede Richtung eröffnet worden war, kommen jetzt noch einmal je eine Spur plus ein Standstreifen pro Richtung hinzu. Letzte Hindernisse für die Autofahrer auf dem Stadtring werden damit beseitigt. Der Verkehr kann jetzt ungehindert rollen.Die Buddelei am Sachsendamm schien über Jahrzehnte eine unendliche Geschichte. Die ersten Bauarbeiten begannen bereits 1972. Ins Stocken geraten Das Schnellstraßenprojekt sollte damals 25 Millionen Mark kosten und im Herbst 1975 beendet sein. Doch daraus wurde nichts. Das Projekt kam immer wieder ins Stocken, dauerte schließlich mehr als 20 Jahre länger und kostete fast zehnmal soviel wie ursprünglich veranschlagt. Klemann-Sprecherin Petra Reetz bezifferte die Kosten gestern auf weniger als 270 Millionen Mark. Brücken als Problem Das schwierigste Problem in den langen Jahren war die Abstimmung mit der Reichsbahn über den Abriß mehrerer Bahnbrücken für die neue Autobahn. Sie standen dem Neubau der Asphaltpisten im Weg. 1974 schien das Problem bereits gelöst. Die DDR-Behörden stimmten dem Abriß zu, forderten aber, daß der Senat einen neuen Reichsbahn-Güterbahnhof bezahlen sollte. Doch später zog die Reichsbahn ihr Ja zurück, weil der Senat die Pläne für den Güterbahnhof auf dem Schöneberger Südgelände nach Protesten in den 80er Jahren in die Schubladen gelegt hatte. Die Verhandlungen kamen ins Stocken. Die Autofahrer standen täglich im Stau, der Sachsendamm entwickelte sich zum berühmtesten Nadelöhr Berlins. Täglich rollten rund 100 000 Autos Richtung Tempelhof oder Schöneberg. Meist im Schritt-Tempo.Unter der rotgrünen Koalition 1989 forderte die Alternative Liste eine Öko-Brücke, um die Biotope nördlich und südlich des Sachsendamms miteinander zu verbinden. Mehrere Varianten standen zur Diskussion. Nach Mauerfall und mit der Deutschen Einheit änderten sich die Pläne erneut. Nachdem das Bundesverfassungsgericht 1992 eine Klage gegen die Stadtautobahnverbindung abgewiesen hatte, stand dem Bau der Autobahn juristisch nichts mehr im Weg. Die Eisenbahnbrücken konnten abgebaut werden. Weil die detaillierte Bahnplanung noch nicht vorlag, errichteten die Autobahnbauer zunächst einen riesigen Betondeckel, um die Gleise später so zu legen, wie sie gebraucht werden.Um die Autofahrer vom Stau zu entlasten, eröffnete Ex-Bausenator Wolfgang Nagel die ersten beiden Fahrspuren der Autobahn bereits im vergangenen Jahr. Dies ließ sich die Bauverwaltung rund 2,5 Millionen Mark zusätzlich kosten. Geld, das Nagel gut angelegt sah.Irritierend wirkt sich derzeit noch auf viele Autofahrer aus, daß zwei Zufahrten aus der Zeit der Provisorien wieder verschwunden sind. So wurde eine Rampe am Vorarlberger Damm und eine weitere am Sachsendamm zurückgebaut, über die die Autofahrer bislang auf die Stadtautobahn gelangten. Auf die neuen Wege werden sich die Fahrer noch einstellen müssen. +++