Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ist vorerst auch auf gerichtlichem Wege mit ihrem Vorhaben gescheitert, die Berliner Zeitung zu übernehmen. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf wies am Mittwoch eine Beschwerde zurück, die der Stuttgarter Verlag gegen eine Entscheidung des Bundeskartellamts vom Februar dieses Jahres eingereicht hatte. Die Wettbewerbsbehörde untersagte Holtzbrinck damals die Übernahme der Berliner Zeitung, obwohl der Verlag sein Hauptstadtblatt Tagesspiegel zuvor veräußert hatte. Das Kartellamt begründete sein Verbot damit, dass der Tagesspiegel trotz Verkauf Holtzbrinck zuzurechnen sei. Als Indizien dafür wertete es die Tatsachen, dass der Käufer Pierre Gerckens ein ehemaliger Holtzbrinck-Manager ist und die Verlagsgruppe sich ein Rückkaufrecht für drei Viertel der Anteile am Tagesspiegel gesichert hat. Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht entstehe durch die Übernahme der Berliner Zeitung daher eine marktbeherrschende Stellung gegenüber der dritten regionalen Abo-Zeitung in Berlin, der Berliner Morgenpost, argumentierte die Behörde. Die beiden Blätter hätten auf dem Lesermarkt für regionale Abonnementszeitungen einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent erreicht, rechneten die Wettbewerbshüter vor. Dies sei weit oberhalb der Schwelle von 33 Prozent, von der an das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen von einer marktbeherrschenden Position ausgehe.Holtzbrinck hat die Berliner Zeitung im Juni 2002 von Gruner + Jahr erworben. Bereits ein halbes Jahr später untersagte das Kartellamt den Kauf zum ersten Mal. Als der Verlag sah, dass auch die angestrebte Ministererlaubnis nicht kommen würde, verkaufte er den Tagesspiegel in der Hoffnung, nach einer möglichen Gesetzesänderung doch noch beide Zeitungen kontrollieren zu können. Allein, so betonte Holtzbrinck immer wieder, könne der Tagesspiegel nicht rentabel geführt werden. Zwischenzeitlich hat der Verlag auch das Menetekel einer Einstellung des Tagesspiegel an die Wand gemalt. In einer ersten Stellungnahme bedauerte Holtzbrinck die Entscheidung des OLG. "Das Gericht rechnet Pierre Gerckens offenbar weiterhin Holtzbrinck zu. Diese Wertung erschwert ein Management-Buy-Out, wie es international üblich ist", sagte Verlagssprecher Rolf Aschermann. Holtzbrinck werde die schriftliche Begründung des Beschlusses abwarten und dann entscheiden, ob Rechtsbeschwerde eingelegt werde. Dem Verlag steht nun nur noch der Gang zum Bundesgerichtshof offen.