Versichern kann man sich neuerdings gegen alles - selbst gegen eine Entführung von Außerirdischen: Wenn die bösen Aliens kommen

BERLIN, 20. Januar. "Es ist wie verhext", ärgert sich Katharina Pöppel. "Seit Jahren spiele ich regelmäßig Lotto und nicht einmal ein Kleingewinn ist bislang dabei herausgesprungen. " Doch für die junge Angestellte besteht Hoffnung. Möglicherweise wird sie bald aus ihrem Pech Kapital schlagen: mit einer Versicherungspolice gegen Dauerfrust beim Lotto. Wem ein Jahr lang das Kunststück gelingt, mit einer Zahlenreihe nie mehr als einen Richtigen zu treffen, bekommt ein dickes Trostpflaster von der Versicherung. Bei einer einmaligen Versicherungsprämie von zwölf Euro zum Beispiel winkt eine Auszahlung in Höhe von 2 500 Euro. Wer 28 Euro einzahlt, erhält im (Un)Glücksfall sogar 10 000 Euro. Zwar ist das Angebot wirklich nur etwas für ausgesprochene Lotto-Pechvögel: Die Chance, dass der Versicherungsfall eintritt, liegt rechnerisch bei eins zu 4 900. Doch das ist immerhin aussichtsreicher, als auf einen Haupttreffer beim Lotto zu hoffen - die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt eins zu 14 Millionen.Nur im Internet vertrieben Anbieter dieser Versicherungspolice der etwas anderen Art ist die Sir Huckleberry Insurance Company mit Sitz im niederländischen Amsterdam. Und deren Angebotspalette an skurrilen Policen reicht weit über die Lotto-Versicherung hinaus.Für beinahe jede Unwägbarkeit im Leben hat das Unternehmen eine Police auf Lager: So können sich Fußball-Fans gegen den Abstieg ihrer Lieblingsmannschaft aus der Bundesliga versichern, Pop-Fans dagegen, dass sich ihre Lieblingsband auflöst, werdende Väter gegen das Risiko, im Kreißsaal ohnmächtig zu werden und die Geburt ihres Sprösslings zu verpassen - oder Heiratswillige gegen die Gefahr, dass es sich der Partner im letzten Moment anders überlegt und die Frage des Standesbeamten mit einem "Nein" beantwor tet. Sogar der eher unwahrscheinliche Fall, dass man von einem Außerirdischen auf den Mars entführt werden könnte, wird von Sir Huckleberry versichert: Als Entschädigung für die "Alien-Kidnapping"-Versicherung winken hier bei einem Einsatz von 28 Euro immerhin 25 000 Euro.Hinter Sir Huckleberry steht der deutsche Geschäftsmann Knut Eicke. Nach Amsterdam ist er gegangen, "weil die dortigen Behörden meine Idee so lustig fanden und mir keine Steine in den Weg gelegt haben". Um die Kosten niedrig zu halten, vertreibt er seine Policen nur im Internet. Zudem verzichtet er auf Werbung. "Wir leben ausschließlich von Mundpropaganda", sagt Eicke. So kommt er mit nur vier fest angestellten Mitarbeitern und einer Hand voll Teilzeitkräften aus. Das Internet bietet ihm die Möglichkeit, seine Produkte trotzdem weltweit anzubieten.Dicke Gewinne, sagt Eicke, mache er zwar nicht. Doch die Sache rechne sich. Allzu häufig musste er bislang auch noch nicht für die Versicherungssumme geradestehen: "Bei der Lottoversicherung musste ich erst ein einziges Mal zahlen", sagt er. Öfter sei schon der Versicherungsfall bei Auflösung der Lieblings-Band oder Abstieg des Fußballvereins eingetreten. Doch da sind die Versicherungssummen mit maximal 115 Euro für Eicke leicht zu verkraften. Grundsätzlich findet der Geschäftsmann es sogar positiv, wenn er hin und wieder zahlen muss, "weil das unterstreicht, dass wir ein seriöser Anbieter sind".Seine Kunden sind übrigens nur in den seltensten Fällen die Begünstigten selbst. "Die meisten sehen darin ein ideales Geschenk für Freunde oder Kollegen", sagt Eicke. Verstärkt bemüht er sich neuerdings darum, Firmen als Kunden zu gewinnen, die ihm gleich mehrere Dutzend Policen auf einen Schlag abkaufen - als Marketing-Gag für ihre Kunden oder als nette Geste gegenüber den eigenen Mitarbeitern.Eicke erweitert sein Sortiment an Policen ständig - und passt es aktuellen Entwicklungen an. Neu im Angebot: eine "Brezel-Alarm-Police", die greift, wenn der Versicherte - ganz nach dem Vorbild von US-Präsident George W. Bush - beim Verzehr einer Brezel zu Boden geht.Policen mit fröhlichem Inhalt // Sir Huckleberry vertreibt im Internet rund 50 verschiedene Versicherungspolicen "mit fröhlichem Inhalt", wie Unternehmensgründer Knut Eicke es beschreibt. Der 60-jährige Deutsche bezeichnet sich selbst als Frohnatur. "Langweilige Produkte würden einfach nicht zu mir passen", sagt er.Weil er mit Problemen mit den deutschen Behörden rechnete, hat Eicke Amsterdam als Standort für seine kleine Firma gewählt.Skurrile Policen im Internet: www. sirhuckleberry. com ZDF Man sollte nicht zu sorglos vor sich hin leben. Vielleicht wird man eines Tages von Außerirdischen entführt - und dann? Dann ist es gut, wenn man gegen so etwas versichert ist - und die Angehörigen als Trost etwas Geld bekommen.BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN Knut Eicke steht den Menschen bei, wenn es mal Ernst wird im Leben.