Inzwischen sind 130 Botschaften in Berlin angesiedelt und die meisten haben ihr Personal gleich mitgebracht. 80 Prozent der privaten Hausangestellten stammen aus asiatischen Ländern, vor allem aus den Philippinen. Ihre Arbeitsbedingungen sind häufig schlecht, doch wenn die Arbeitgeber gegen deutsches Arbeitsrecht verstoßen, hat das keinerlei Konsequenzen. Diplomaten genießen Immunität und können von deutschen Gerichten nicht belangt werden. Auf den Philippinen haben sich Agenturen auf die weltweite Vermittlung von Personal im Niedriglohnsektor spezialisiert. Hauptsächlich Frauen bewerben sich bei ihnen als Hauspersonal. Diplomatenhaushalte nutzen bevorzugt diesen Service. Die Gründe liegen für Nivedita Prasad von der Berliner Beratungsstelle gegen Menschenhandel Ban Ying (zu deutsch "Haus der Frauen") auf der Hand: "Die asiatischen Frauen sind eindeutig billiger als deutsches Personal. Außerdem gehen die Arbeitgeber davon aus, dass sie gefügiger sind. Und sie sprechen sehr gut Englisch."Bundesweit gibt es nach Angaben des Auswärtigen Amtes 1 700 private Bedienstete in Diplomatenhaushalten. Ban Ying sind nach einer Umfrage sechs Fälle aus Berlin bekannt, in denen Haushaltsbedienstete zu arbeits- und menschenrechtswidrigen Bedingungen beschäftigt werden. Das Auswärtige Amt weiß derzeit von zwei Fällen. Betroffen sind immer asiatische Frauen. Von der Botschaft der Philippinen und des Königreichs Thailand war jedoch keine Stellungnahme zu bekommen. "Eine Frau muss 18 Stunden am Tag für 123 Euro Monatslohn arbeiten, eine andere 7 Tage in der Woche von morgens 7 bis Mitternacht für 510 Euro. Das ist Sklaverei," sagt Nivedita Prasad. Auch psychische und körperliche Gewalt gibt es nach ihren Angaben. " Geh dich waschen, du stinkst schreit eine Arbeitgeberin ihre Haushaltsgehilfin zehn bis zwölf Mal am Tag an. Eine andere lässt ihre Bedienstete nur dann schlafen, wenn sie selbst müde ist. Wenn Geschirr zu Bruch geht, gibt es Schläge. In zwei Fällen vermuten die Beratungsstellen außerdem sexuelle Gewalt", berichtet Nivedita Prasad. Alle Asiatinnen haben Angst, offen gegen die Behandlung zu protestieren: Ihre Aufenthaltserlaubnis ist direkt an das Arbeitsverhältnis gebunden. Mit Hinweis auf die Immunität der Arbeitgeber wiesen Polizei und Gericht die Beschwerde einer Frau ab. "Die Frauen haben einen Anspruch auf arbeitsrechtliche Standards, können ihn aber nicht durchsetzen. Das ist paradox", sagt die Juristin Petra Vollmar. Sie bereitet eine Beschwerde bei der UN-Frauenrechtskommission vor. Ihre Forderung: Die Immunität von Diplomaten soll weltweit auf den dienstlichen Bereich beschränkt werden. Vollmar fordert, das Auswärtige Amt solle im Vorfeld "Protokollausweise für private Hausbedienstete nur vergeben, wenn die Diplomaten Arbeitsverträge mit den arbeitsrechtlichen Standards vorlegen." "Wenn wir Kenntnis von Problemfällen bekommen, setzen wir uns umgehend mit den Botschaften in Verbindung und versuchen, den Fall zu klären", sagt Erwin Ganzer, Sprecher des Auswärtigen Amtes. Doch das Ministerium kann allenfalls diplomatisch Druck ausüben. Dass Diplomaten wegen widerrechtlicher Handlungen aus dem Dienst abberufen werden, ist die Ausnahme. Aus den letzten drei Jahren ist nur ein Fall bekannt.