BERLIN. Im Streit um die Entschädigung von radargeschädigten Soldaten von NVA und Bundeswehr macht das Bundesverteidigungsministerium jetzt einen Schritt auf die Betroffenen zu. "50 bis 60 bereits abgelehnte Fälle werden neu überprüft", sagte der parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) der Berliner Zeitung. Es handele sich um ehemalige Soldaten, deren Erkrankung auf Arbeit an Radargeräten, aber auch auf andere Faktoren wie Rauchen zurückgeführt werden könne. Wegen dieser so genannten "überholten Kausalität" seien Entschädigungsansprüche bislang abgelehnt worden. Durch die Neubewertung der Fälle könnten die Betroffenen darauf setzen, künftig eine Zusatzrente der Bundeswehr zu bekommen.Stiftungsmodell erwogenNoch immer offen ist nach Angaben Schmidts, ob zur Unterstützung weiterer bislang nicht entschädigter Soldaten eine Stiftung eingerichtet wird. Der Vorschlag des Verteidigungsministeriums befinde sich noch in der Ressortabstimmung. Offenbar gibt es in der Regierung Bedenken, weil von den Einmalzahlungen der Stiftung auch ehemalige Soldaten profitieren sollen, deren Kontakt mit radioaktiver Strahlung während ihrer Militärzeit nicht bewiesen werden kann.Hunderte ehemalige Soldaten der NVA und der Bundeswehr haben jahrelang um die Anerkennung ihrer Ansprüche gekämpft. Eine Expertenkommission hatte dem Ministerium 2003 empfohlen, NVA-Angehörige generell zu entschädigen, wenn sie mit Radartechnik Umgang hatten und später an Krebs, Leukämie und Grauem Star erkrankten. Bundeswehr-Soldaten sollten hingegen nur dann eine Entschädigung erhalten, wenn ihre Dienstzeit vor dem Jahr 1975 lag. Andere Erkrankungen wie Organstörungen schloss die Kommission als Entschädigungsgrund aus. Auch andere mögliche Krankheitsursachen konnten eine Zahlung verhindern.Aufwändige EinzellfallprüfungDer Vorschlag, die Entschädigungen über eine Bundesstiftung zu regeln, geht zurück auf den Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD). Er hatte vor zwei Jahren erklärt, dies wäre "der beste Weg, um die Betroffenen effektiv und fair zu entschädigen". Robbe kritisierte damals die Einzelfallprüfung als äußerst zeitaufwändig. Zudem sei die Entschädigung für frühere NVA-Angehörige rechtlich "nicht optimal geregelt", da die Bundeswehr keine Rechtsnachfolgerin der DDR-Armee sei.Rund 2 000 ehemalige Soldaten der beiden deutschen Armeen hatten als Radaropfer eine Entschädigung beantragt. Knapp ein Drittel von ihnen hatte letztlich eine Entschädigung enthalten, bei mehr als zwei Dritteln wurden die Anträge hingegen abgewiesen. (mit hb.)Die Betroffenen im Internet: www.nva-radar.de------------------------------Foto: Radargeräte aus NVA-Beständen waren bei der Bundeswehr - wie hier in Cölpin bei Neubrandenburg - bis weit in die 90er-Jahre hinein im Einsatz.