BERLIN, 10. Juni. Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat den Einsatz von Kampfpanzern zum Schutz der Bundeswehrsoldaten in der afghanischen Hauptstadt Kabul abgelehnt. Ein martialischer Auftritt sei ungeeignet, Vertrauen in der Bevölkerung zu wecken und lasse die Bundeswehr als Besatzungsmacht erscheinen, sagte Struck am Dienstag in Berlin. Die Opposition fordert nach dem Selbstmordanschlag vom Sonnabend, bei dem vier deutsche Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf getötet wurden, den Einsatz schwerer Panzer.Bei dem Anschlag auf einen Bundeswehrbus in Kabul waren vier Soldaten getötet und 29 verletzt worden. Die Soldaten waren zum Flughafen unterwegs, als ein Taxi den Bus überholte und der Sprengstoff gezündet wurde. Alle Verletzten seien zur Behandlung nach Deutschland gebracht worden, sagte Struck. Fünf der Verletzten befänden sich auf der Intensivstation. Ein Schwerverletzter sei in kritischem Zustand. Die Särge mit den vier toten Soldaten wurden am Dienstag nach Köln geflogen. Dort nahm Struck am späten Nachmittag an einer Trauerfeier teil.Der Verteidigungsminister nannte es "völlig unangemessen, über den Särgen der Soldaten" eine Debatte über mögliche Versäumnisse der politischen und militärischen Führung zu beginnen. Auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, übte scharfe Kritik an der Opposition. Die Schuldzuweisungen würden von jenen erhoben, "die vielleicht mal einen Schnupperkurs gemacht haben, aber ansonsten von der Bundeswehr nicht viel wissen".Struck und Schneiderhan wiesen den Vorwurf zurück, die deutschen Isaf-Soldaten seien nicht ausreichend geschützt worden. Eine hundertprozentige Sicherheit vor Selbstmordattentätern könne es aber nicht geben, sagte Struck.Schneiderhan kündigte eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen an. Eventuell werde das Verfahren des Isaf-Kontingent-wechsels zeitlich entzerrt. Derzeit müssen alle sechs Monate in einem Zeitraum von vier bis fünf Wochen 2 500 Isaf-Soldaten aus Kabul zum Flughafen gebracht werden, von wo aus sie in ihre Heimat zurückkehren. Dieser Transport sei nur mit Bussen zu bewältigen, ein Einsatz von Kampfpanzern sei nicht vorstellbar. "In Kabul ist es Alltag, dass ein Taxi auf die Straße einschert. Was soll ein Panzer da machen?", sagte der Generalinspekteur.Der deutsche Botschafter in Afghanistan, Rainer Eberle, warnte unterdessen die in Kabul lebenden Deutschen detailliert vor drei möglicherweise bevorstehenden neuen Terroranschlägen und rief sie zu außerordentlicher Vorsicht auf. Eberle bezog sich auf Erkenntnisse von Sicherheitsbehörden. In Kabul sollen demzufolge mehrere Selbstmordattentäter auf japanischen Motorrädern und mit einem Toyota Corolla unterwegs sein.Die Bundesregierung erwägt trotzdem, ihr Engagement auch auf ländliche Gegenden fern von Kabul auszudehnen. In den kommenden zwei Wochen wird ein Erkundungstrupp der Bundeswehr in der Provinz Herat sowie in der Region Charikar prüfen, ob deutsche Soldaten dort in Zukunft zivile Hilfsorganisationen beschützen können. Ein möglicher Beginn der Mission wird nicht vor September erwartet, weil der Bundestag zustimmen muss.Einigkeit über Kongo-Einsatz // Deutschland und Frankreich haben sich am Dienstag auf den Beitrag der Bundeswehr für den internationalen Militär-Einsatz in der Demokratischen Republik Kongo geeinigt. Präsident Jacques Chirac habe das deutsche Angebot akzeptiert und keine weiteren Forderungen gestellt, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einem Gespräch mit Chirac in Berlin.Deutsche Soldaten werden demnach nicht direkt im Kongo eingesetzt. Das sagte Verteidigungsminister Peter Struck (SPD). Der Bundestag soll am 18. Juni über die deutsche Beteiligung an der Mission in Afrika entscheiden.Die Bundeswehr unterstützt die rund 1 400 Mann starke Truppe unter Führung Frankreichs mit Lazarettflugzeugen und Transportmaschinen, die aber nur bis zur Stadt Entebbe in Kongos Nachbarland Uganda fliegen dürfen. Zudem entsendet Deutschland Stabsoffiziere in das Hauptquartier der Kongo-Mission in Paris.In der Region um die Stadt Bunia im Kongo liefern sich Milizen der verfeindeten Volksgruppen Lendu und Hema brutale Kämpfe. Seit 1999 wurden in dem Gebiet mehr als 50 000 Menschen getötet; eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht.DPA Trauerfeier in Kabul: Deutsche Isaf-Soldaten an den Särgen der vier Bundeswehr-Angehörigen, die bei einem Selbstmordanschlag getötet wurden.