Der Zehnjährige verlässt den Schulbus und überquert, ohne auf den Verkehr zu achten, hinter dem Bus die Straße. Als der Fahrer eines entgegenkommenden Lieferwagens das Kind sieht, versucht er noch auszuweichen. Der Junge wird aber dennoch vom Spiegel des Lasters schwer verletzt.Solche Unfälle sind typisch für Kinder auf dem Schulweg, aber glücklicherweise nicht sehr häufig. 45 Schüler kamen in Deutschland im Jahr 2009 auf dem Weg zu oder von der Schule ums Leben, 11600 derartige Unfälle verzeichnete die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) insgesamt. Bei neun Millionen Schülern eine vergleichsweise geringe Zahl.Dennoch sind die Gefahren vielfältig: Wie der ADAC in Stichproben feststellte, rasen die Schulbusfahrer mit den Schülern übers Land, kaum einer von ihnen hält sich an die Höchstgeschwindigkeit. Auch wenn Eltern ihre Kleinen mit dem Auto zur Schule bringen, gefährden sie im Gedränge vor der Schule oft andere, unachtsam umherspringende Kinder. Machen sich ältere Schüler mit dem Fahrrad auf den Weg, fahren sie auf der falschen Straßenseite oder biegen ohne zu schauen in den fließenden Verkehr ein. Dennoch tragen nicht einmal an jedem zweiten Fahrradunfall die Kinder selbst die Schuld, wie die Polizei mit ihren Statistiken belegt.Sobald ein Schaden entstanden ist, springt die gesetzliche Unfallversicherung ein, damit die Folgen zumindest finanziell gemildert werden. Sie übernimmt die Kosten für die Behandlung durch den Arzt, die Rehabilitation oder zahlt eine monatliche Rente, solange eine dauerhafte Schädigung anhält. Die Höhe der Rente hängt dabei vom Lebensalter und vom Grad der Invalidität ab und beträgt höchstens 1022 Euro, in den neuen Ländern 868 Euro. In dieser Versicherung sind alle Schüler eingeschlossen; sie wird aus Steuern finanziert und in Berlin von der Unfallkasse Berlin getragen.Die Schüler-Unfallversicherung deckt nur einen Unfall auf dem direkten Weg zur Schule ab. Die Gerichte sind jedoch toleranter als bei Erwachsenen, was den Umweg angeht: Während Arbeitnehmer keinen Schlenker von hundert Metern unternehmen dürfen, ohne ihren Wegeunfallschutz zu verlieren (Az: B 2 U 40/02 R), ist ein Kind auch dann unfallversichert, wenn es mit dem Bus zwei Stationen weiter als nötig fährt und zu Fuß weiterläuft. Der Fall, den das Bundessozialgericht zu entscheiden hatte: Ein Grundschüler war beim Überqueren der Straße von einem Auto angefahren und schwer verletzt worden. Das Gericht erkannte hier "alterstypisches Verhalten", da Kinder die Folgen ihres Handelns nicht völlig übersehen können (Az: B 2 U 29/06). "Es sind nur Einzelfälle, in denen vor Gericht geklärt wird, ob der Umweg eines Kindes versichert ist", beruhigt Eberhard Ziegler von der DGUV. "Kinder nehmen meist den Weg, der ihnen von den Eltern als ein sicherer Weg gezeigt worden ist."Schwierig zu beurteilen ist es, wenn ein Kind nach dem Unterricht auf dem Schulhof spielt und damit den Heimweg unterbricht. Zwar ist der anschließende Schulweg abermals versichert, wenn die Unterbrechung weniger als zwei Stunden gedauert hat, in der Pause selbst ist es das Kind aber nicht. Etwas anderes gilt, wenn nach dem Unterricht die Wartezeit auf Bus oder "Elterntaxi" überbrückt werden soll. Es ist also rechtlich ein Unterschied, ob der Schüler in einer Wartezeit (versichert) oder in seiner Freizeit (nicht versichert) auf dem Schulhof spielt.Um solchen Zweifelsfällen aus dem Weg zu gehen, denken manche Eltern über private Zusatzversicherungen für ihre Kinder nach. Zwei Formen bieten sich an: die private Unfallversicherung und die Kinderinvaliditätsversicherung. Bei der privaten Unfallversicherung werden jährlich Beiträge von weniger als 100 Euro fällig. Sie zahlt, wenn Kinder durch einen Unfall einen bleibenden Schaden erleiden.Die Leistungen sind unterschiedlich. Grundsätzlich steigen die ausgezahlten Versicherungssummen mit dem Grad der erlittenen Invalidität, doch die Art der Steigerung unterscheidet sich. Die Tarife lassen sich kaum vergleichen, daher gilt es, die Tests der Stiftung Warentest zu beachten oder sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen.Kinderinvaliditätsversicherungen schlagen mit 200 bis 500 Euro Jahresprämie zu Buche. Wer sich diese leisten kann, erhält im Fall einer Behinderung eine monatliche Rente oder einmalig eine hohe Summe ausgezahlt. Für die Absicherung von Schulweg-Unfällen ist eine derartige Versicherung -statistisch gesehen -aber wenig sinnvoll. Nur in einem von 2000 Fällen ist ein Kind als Folge eines Unfalls in der Schule oder auf dem Weg dorthin so schwer verletzt, dass es schwer behindert wurde. Das belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden.Damit es erst gar nicht so weit kommt, ist ein Sicherheitstraining sinnvoll. "Die Eltern sollten darauf achten, dass die Kinder dem Schulweg gewachsen sind", rät DVUG-Experte Ziegler. Oft seien sie auch mit dem Verkehrsmittel überfordert, das sie benutzen. So sind in den Sommermonaten Fahrradunfälle schon deshalb besonders häufig, weil viele Kinder im Radfahren einfach noch zu ungeübt sind.------------------------------InformationenVerbraucherzentrale Berlin e.V., Hardenbergplatz 2, Charlottenburg, Tel. 21 48 50. Hier gibt es Informationen, Leistungs- und Preisvergleiche von privaten Unfallversicherungen.www.verbraucherzentrale-berlin.deDas Schulweglexikon der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) informiert unter vielen Stichworten von "Akzeptanz" über "Haltestellen" bis "Zuständigkeit". Die Broschüre umfasst 91 Seiten und steht im Internet.www.dguv.de> Inhalt > PräventionenPräventionskampagne "Risiko raus!", ein Internetangebot der DGUV für vorbeugenden Unfallschutz im Straßenverkehr.www.risiko-raus.de> Schüler------------------------------Foto: Leuchtende Signalfarben auf dem Ranzen schützen die Kinder im Verkehr.