HELLERSDORF Über die älteste Eiche Hellersdorfs ist das Todesurteil verhängt. Das Berliner Verwaltungsgericht genehmigte in dieser Woche endgültig die Fällung des Naturdenkmals."Dem Eigentümer ist die eingeschränkte Nutzung seines Grundstücks sowie der erhebliche Aufwand zur Erhaltung des Baums nicht zuzumuten." Mit diesen Worten begründete der Vorsitzende Richter Volker Markworth die Entscheidung.Die Eiche sei sehr beschädigt und "mittelfristig nur in stark verstümmeltem Zustand zu erhalten". Sie verliere damit ihre "landschaftsprägende Wirkung". Nach einem Gutachten des Diplomingenieurs Hans-Peter Flechner würde die Sanierung des von Eichenfeuerschwamm und Braunfäule befallenen Baums über 18 000 Mark kosten und einen "Torso" hinterlassen.Der Richterspruch beendet vorerst einen jahrelangen Rechtsstreit um die mit über 200 Jahren älteste Hellersdorfer Eiche, die auf einem Grundstück an der Ulmenstraße in Kaulsdorf-Süd steht. Bis 1990 als Naturdenkmal geschützt, wurde die Stileiche zum Streitobjekt, als zwei Familien das rund 800 Quadratmeter große Grundstück bebauen wollten. Die Familien beantragten zunächst nur ein Zurückschneiden der Eiche, erhielten jedoch im Juni 1994 von der Senatsumweltverwaltung eine Fällgenehmigung. Dagegen legte die "Baumschutzgemeinschaft Berlin" im März 1995 Klage ein. Auch die Bezirksverordneten hatten sich für den Schutz des Baumes ausgesprochen.Nikolas Bisom von der Baumschutzgemeinschaft ist erbost über den Richterspruch: "Der ökologische Wert eines Baumes interessierte überhaupt nicht." Gleichzeitig zeigt er sich skeptisch, daß die Baumschutzgemeinschaft finanziell in der Lage sei, Berufung einzulegen."Wir werden an andere Umweltverbände appellieren, uns zu unterstützen", sagt Klaus Langer von der Bürgerinitiative "Grüne Eiche". Für ihn ist das Urteil ein "Präzedenzfall", der eine "Hemmschwelle eingerissen" habe: "Es wird jetzt eine Flut von Fällanträgen über Berlin hereinbrechen", prophezeit er. +++