BERLIN, 18. November. Noch haben die Väter das Nachsehen: Trennt sich ein unverheiratetes Paar und es hat ein gemeinsames Kind, aber kein gemeinsames Sorgerecht, kann der Vater dieses Sorgerecht nur erhalten, wenn die Mutter damit einverstanden ist. Gegen diese Regelung haben zwei Väter vor dem Bundesverfassungsgericht Beschwerde eingelegt. Sie wollen erreichen, dass sie das Sorgerecht für ihr Kind trotz des Vetos der Mutter erhalten. Sie berufen sich darauf, dass sie jahrelang mit der Mutter zusammengelebt und sich um das gemeinsame Kind gekümmert hätten. Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts wird am heutigen Dienstag darüber verhandeln, ob es das Elternrecht und das Kindeswohl erfordern, in Fällen jahrelangen familiären Zusammenlebens nicht verheirateten Vätern nach einer Trennung das Sorgerecht zuzusprechen. Das seit 1. Juli 1998 geltende Kindschaftsrecht gibt geschiedenen und nichtverheirateten Eltern weitestgehend die gleichen Rechte und Pflichten gegenüber ihren Kindern. Bei einer Scheidung besteht das gemeinsame Sorgerecht für die Eltern weiter. Ist ein Elternteil dagegen, dass auch der andere das Sorgerecht behält, muss er seine Absicht vor Gericht beantragen und begründen. Das Wohlergehen des Kindes steht dabei im Mittelpunkt.Automatismus befürchtetUnverheiratete Elternpaare haben das gemeinsame Sorgerecht nicht automatisch. Sie können es aber beantragen, egal ob sie zusammenleben oder nicht. Beide müssen eine Sorgeerklärung abgeben. Allerdings: Lehnt die Mutter ein gemeinsames Sorgerecht ab, hat der Vater bislang keine Möglichkeiten dieses Recht einzuklagen, es sei denn, das Kindeswohl ist gefährdet oder die Mutter stirbt. Nicht wenige Juristen meinen, dass dieses Einspruchsrecht der Mutter verfassungswidrig ist. Ginge es nach dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) müsste das Bundesverfassungsgericht die jetzt zu verhandelnden Beschwerden der zwei Väter abweisen. Er befürchtet ansonsten, dass unverheirateten Vätern erst immer häufiger und dann automatisch das Sorgerecht gegen den Willen der Frauen gegeben würde und damit "die Frauenrechte ausgehöhlt würden". Es sei eine bewusste Entscheidung der Frauen nicht zu heiraten und nicht zu wollen, dass wie in der Ehe Einfluss auf die eigene Lebensplanung genommen wird, sagt Marion von zur Gathen, Fachreferentin beim VAMV. Wenn die Mutter das gemeinsame Sorgerecht ablehnte, gäbe es sicherlich Gründe dafür.Umgang immer möglich"Die Intention der klagenden Väter ist uns unverständlich", sagt von zur Gathen. Denn sie hätten auch ohne das Sorgerecht ein - einklagbares - Recht auf Umgang mit dem Kind. Der regelmäßige Umgang des Vaters mit seinem Kind sei für das Wohl des Kindes am bedeutsamsten. Dies stelle der VAMV in seiner Stellungnahme für das Gericht in den Mittelpunkt, erklärt von zur Gathen. Das Umgangsrecht wurde mit dem neuen Kindschaftsrecht aufgewertet. Jedes Kind, ob ehelich oder unehelich, hat danach ein Recht auf Umgang mit seinen Eltern. Will ein Elternteil den Umgang verhindern, muss es detailliert nachweisen, dass der Umgang dem Kindeswohl widerspricht. Wem Karlsruhe letztlich zuneigt, ist nicht absehbar. Denkbar wäre ein Mittelweg, wie ihn der Juristinnen-Bund in einem Gutachten für das Gericht vorzeichnet. Er schlägt vor, dass der Vater wenigstens die Ablehnung der gemeinsamen Sorge durch die Mutter gerichtlich überprüfen lassen kann.

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