Eigentlich ist das Computerspiel "Patrizier II" ein angenehmer Zeitvertreib. Vor den Kulissen einer mittelalterlichen Hansestadt darf gebaut und gehandelt werden. Der Spieler füllt in Echtzeit seine Schatulle und strebt zu mehr Macht. "Das beste aus zwei Welten" verspricht die Simulation der Spieleschmiede Ascaron. Ärgerlich allerdings, wenn nichts klappen will. Noch ärgerlicher, wenn nicht mangelnde Fertigkeiten des Spieler Anlass sind, sondern ein fehlerhaftes Spiel. Zur Überraschung des Käufers existierten einige Elemente des Spiels schlichtweg nicht - und das, obwohl das beiliegende Handbuch auf die entsprechenden Szenarien verwies.Das Spiel "Patrizier II" ist nur ein Beispiel für ein immer häufiger auftretendes Phänomen. "Bananaware" nennt die Branche solche Programme, die vom Hersteller "grün" auf den Markt gebracht werden und beim Kunden reifen sollen. Dieser erhält für sein Geld - bei neuen Spielen zumeist rund 100 Mark - nicht nur ein unfertiges Produkt, sondern wird auch noch als kostenloser Betatester missbraucht. Anhand der Reklamationen der geneppten Käufer erfahren viele Hersteller nämlich überhaupt erst, wo es in ihren Spielen hapert. Nach der Fehleranalyse durch die Klientel gibt es für die Programme mehr oder weniger kompakte Reparaturroutinen, so genannte Patches. Nach Auffassung der Spielervereinigung "Gamers United Network" (GUN) kommen rund 80 Prozent der veröffentlichten Spiele nicht mehr ohne Patches aus. Da diese Updates in der Regel erst nach einigen Wochen zur Verfügung stehen, ist weiterer Ärger gleichsam vorprogrammiert.Bislang hat die Spieleindustrie die Verantwortung von sich gewiesen und auf die angeblich unvermeidlichen Mängel von Software verwiesen.Druck auf SpielezeitschriftenAbstürze, Aussetzer bei Sound und Grafik, unsinnige Programmschleifen und Ähnliches - ein unhaltbarer Zustand, meinte Marcus Schaffner und gründete die deutsche Initiative "No more bugs". Damit traf der 35-Jährige aus Wetzlar ganz offensichtlich den Nerv der Computerspieler. Innerhalb weniger Wochen fanden mehr als 400 enttäuschte, erboste und zürnende Zocker zueinander. Ziel der Interessengemeinschaft ist, die Spieleindustrie zu veranlassen, künftig nur noch fehlerfreie Programme in den Handel zu bringen. Zunächst ein hehrer Wunsch, wie Schaffner nur zu gut weiß. Schließlich ist es nahezu unmöglich, die Funktionsfähigkeit eines Multimediaprogramms für alle erdenklichen Rechnerkonfigurationen sicherzustellen. Zunächst einmal will man die Hersteller zu höherer Sorgfalt bewegen. Wohlwissend, dass bei Computerfirmen der Kunde höchst selten König ist, soll der hierzu nötige Druck aus einer anderen Richtung kommen. Die Initiative will vorrangig Spielezeitschriften für das Thema sensibilisieren. Ein durchaus berechtigtes Anliegen, zeigen sich manche Publikationen doch überraschend naiv und einfältig bei Tests neuer Software und vergeben zum Leidwesen der Leserschaft selbst bei fehlerhaften Produkten Höchstwertungen.Inzwischen wird Schaffners Vereinigung für fehlerfreie Spiele von der Branche ernst genommen. So begrüßte etwa der Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD) den Vorschlag, akkurat programmierte Spiele künftig mit einem Gütesiegel auszuzeichnen und virtuos in Szene gesetzte Produkte mit eigens geschaffenen Awards zu prämieren.Fehlerhafte Spiele zurückgebenZudem bietet "No more bugs" der Spieleindustrie wirkungsvolle Unterstützung an: Während der Betatest-Phase könnten Mitglieder die noch unfertigen Versionen unter die Lupe nehmen und Kritik üben - als Grundlage für Nachbesserungen. Die Entlohnung wäre nach Vorstellung der Interessengemeinschaft eher idealistischer Natur. Ein kostenloses Exemplar der endgültigen Programmversion würde genügen. So lange aber noch der Status quo herrscht, hat der Käufer kaum eine Wahl. Am sinnvollsten und einfachsten sei es, rät "No more bugs", das Spiel zurückzugeben und den Kaufpreis zurückzuverlangen.Verbesserte Spiele // Interessengemeinschaften wie öGamers United Network" wollen der neuen Schludrigkeit der Spiele-industrie entgegenwirken. Damit Qualität wieder Einzug hält, soll die Branche für die Interessen der Kundschaft sensibilisiert werden.Weitere Informationen: www. gamersunitednetwork. de www. nomorebugs. de BLZ Nichts will klappen: Das Spiel "Patrizier II" hält seine Versprechen nicht.