Jerusalem - Erneut ist eine UN-Schule in Gaza, in der hunderte Palästinenser Zuflucht gesucht haben, in die Schusslinie geraten, 17 Menschen starben, über hundert wurden verletzt, darunter viele Kinder. Laut Augenzeugen sollen vier Granaten Donnerstagnachmittag in die Ka-Albir-Schule in Beit Hanoun eingeschlagen sein, eine traf den mit Menschen überfüllten Schulhof.

UNRWA-Sprecher Chris Gunness berichtete, man habe in den Stunden zuvor Israel die genauen GPS-Daten der Einrichtung gemeldet, aber vergeblich versucht, mit der Armee eine Evakuierung zu koordinieren. Israelische Bodentruppen waren den Tag über tiefer nach Beit Hanoun vorgedrungen, so dass ihre Gefechte mit Hamas-Kämpfern immer näher an den UN-Komplex rückten. Die palästinensische Seite machte Israel für das Blutbad verantwortlich. Ein israelischer Militärsprecher hielt dagegen, womöglich seien Hamas-Raketen ursächlich gewesen.

Schulen als Raketenverstecke

Über 140 000 Kriegsflüchtlinge sind in Gaza in UN-Schulen untergekommen, wirklich sicher fühlen sie sich auch dort nicht, nachdem vier dieser Schulen bereits von Artilleriefeuer getroffen wurden. Zudem waren in zwei UN-Schulen Raketen entdeckt worden, die die Hamas dort versteckt hatte.

Über 770 Tote wurden seit dem Beginn des aktuellen Konflikts zwischen Israel und der Hamas auf palästinensischer Seite gezählt, bei nahezu achtzig Prozent der Opfer handelt es sich nach Angaben von Ocha, einer humanitären Organisation der Vereinten Nationen, um Personen, die nicht in Kämpfe verwickelt waren, darunter über 177 Kinder. Sie starben in den Trümmern ihrer Häuser oder auf der Flucht vor israelischem Beschuss. Mehrere Millionen Israelis erleben derweil seit mehr als zwei Wochen mehrmals täglich Luftalarm. Bislang kamen drei Menschen ums Leben, die es nicht schafften, vor den Raketenangriffen aus Gaza rechtzeitig Schutzräume aufzusuchen.

Der UN-Menschenrechtsrat will jetzt Ermittlungen einleiten, allerdings allein gegen Israel. Eine „Travestie“ sei das, eine Verzerrung des realen Geschehens, die von jedem anständigen Zeitgenossen zurück gewiesen werden müsse, empörte sich Premier Benjamin Netanjahu über das Mehrheitsvotum in Genf. Die einzige Gegenstimme hatten die USA eingelegt, die europäischen Mitglieder enthielten sich.

Waffenruhe als Bedingung für Aufhebung der Blockade

Derweil setzte US-Außenminister John Kerry seine Vermittlungsversuche in Kairo fort, von wo aus er auch mit Katar und der Türkei sprach. Die palästinensische Autonomieführung von Präsident Mahmud Abbas übersandte in Abstimmung mit der Hamas ihre Bedingungen für einen Waffenstillstand. Dazu zählen die Öffnung der Gaza-Grenze in Rafah in Koordination mit Ägypten und den Sicherheitsdiensten von Abbas. Von Israel wird verlangt, einer Ausdehnung der Fischereizonen in Gaza auf zwölf Seemeilen zuzustimmen sowie palästinensische Agrarwirtschaft in der Pufferzone an der Längsseite des Gazastreifens zu ermöglichen.

Ebenso müsse Israel Gefangene freilassen. Ein internationales Komitee solle die Umsetzung garantieren. Die ägyptische Initiative sah bislang unverbindlich vor, erst nach einer Waffenruhe über eine Aufhebung der Gaza-Blockade zu verhandeln. Israel hatte dem Vorschlag aus Kairo ursprünglich zugestimmt. Inzwischen mehren sich aber in Regierung und Armee Stimmen, vor einer Waffenruhe die Bodentruppen dafür sorgen zu lassen, dass von dem Waffenarsenal und den Angriffstunneln der Hamas keine Gefahr mehr ausgehe.

Auch am Donnerstag feuerten Hamas-Militante massive Raketensalven auf Israel. Am Ben-Gurion-Airport ist allerdings wieder regulärer Luftverkehr möglich. Die Luftfahrtbehörden in USA und Europa zogen ihre Empfehlung, Tel Aviv aus Sicherheitsgründen nicht mehr anzufliegen, inzwischen zurück. Die Lufthansa und Air Berlin erklärten, den Flugverkehr dennoch bis einschließlich Samstag auszusetzen.