Frauen machen sich selbstständig, weil sie sich selbstverwirklichen wollen", sagt Christine Stapp-Osterod. "Sie möchten flexibel sein und ihre Fähigkeiten gewinnbringend vermarkten." Das klingt konsequent. Die Geschäftsführerin des Frankfurter Vereins Jumpp, einer Plattform für Gründerinnen, weiß aber auch aus Erfahrung, dass viele Frauen den Schritt nicht immer wunschgemäß wagen. "In den 1980er- und 1990er-Jahren gründeten Frauen überwiegend fachfremd, weil sie oftmals nach längerer Familienpause nicht mehr in ihren Beruf zurückkehren konnten oder durch die Technologisierung der Büros ihre Jobs verloren haben", sagt Stapp-Osterod. Um sich am Markt behaupten zu können, mussten sie neue Kompetenzen erwerben und vieles dazulernen.Viele Gründerinnen sind AkademikerinnenSeitdem hat sich manches verändert. Es sind zwar immer noch verhältnismäßig wenige Frauen, die sich selbstständig machen -zurzeit sinkt laut aktuellem Gründungsmonitor der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Zahl der weiblichen Existenzgründer sogar -aber wenn Frauen heute ein Unternehmen gründen, handelt es sich meist um so genannte Potenzialgründungen: "Das heißt, die Frauen sind gut qualifiziert, viele von ihnen sind Akademikerinnen; Frauen gründen mittlerweile auch gern innerhalb ihres Fachgebietes", sagt Christine Stapp-Osterod. Die Berlinerin Sabine Karkó zum Beispiel ist gelernte Erzieherin mit 15 Jahren Berufserfahrung. Vor zehn Jahren hat sie den Tanzsport für sich entdeckt und daraufhin nach einer Möglichkeit gesucht, ihre Erfahrungen aus der Sozialarbeit mit dem Sport zu verbinden. Vor drei Jahren hat sie sich schließlich als Sportmentaltrainerin selbstständig gemacht. Heute berät sie Leistungs- und Hobbysportler in Sachen Training und Persönlichkeitsentwicklung.Auch wenn Frauengründungen oft erfolgreich sind, leichter haben sie es heute nicht. Unternehmerinnen verdienen rund 35 Prozent weniger als Unternehmer, so lautet das Ergebnis einer Studie unter der Leitung von Professorin Claudia Gather vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Wirtschaft und Recht in Berlin. Die Lohnschere klafft hier also noch um etwa zwölf Prozent weiter auseinander als bei fest angestellten Frauen und Männern. Die Gründe sind allerdings nur schwierig zu benennen. Eine gute Ausbildung allein hilft den meisten Frauen in Einkommensfragen jedenfalls nicht weiter. "Selbstständige Frauen mit dem höchsten Bildungsgrad verdienen weniger als selbstständige Männer mit dem niedrigsten Bildungsgrad", haben Gather und ihre Kolleginnen herausgefunden.Kein Wunder also, dass Frauen sich seltener selbstständig machen als Männer und ihre Unternehmen in der Regel auch kleiner starten. "Frauen leihen sich für den Start lieber Geld im Bekanntenkreis, als einen Kredit aufzunehmen", sagt Claudia Gather. "Es kommt auch vor, dass Frauen bei Banken anders behandelt werden und ihnen lediglich unter Vorbehalt ein Kredit gewährt wird", sagt Katja von der Bey. Sie leitet das Gründerinnenzentrum Weiberwirtschaft in Berlin, einem genossenschaftlich organisierten Selbsthilfeprojekt für Frauen. Dort können sich angehende Unternehmerinnen und auch Freiberuflerinnen Unterstützung holen. In den Kreativ- und Medienbranchen sind viele Frauen eher aus der Not heraus und weniger ihrer Tugenden halber selbstständig. Netzwerke mit anderen Gründerinnen, Hilfe bei Selbstvermarktung und Kundenakquise sowie frauenspezifische Beratungsangebote können dazu beitragen, dass auch Freiberuflerinnen sich so professionalisieren, dass sie von ihrem Beruf leben können. Stephanie Esser aus Berlin hat nach einem Literaturstudium, mehreren Volontariaten und Praktika zunächst für verschiedene Verlage und eine PR-Agentur gearbeitet. Eine feste Stelle als Lektorin in einem Verlag zu finden, war allerdings schwierig. Heute bietet sie in einem eigenen Büro im genossenschaftlichen Gewerbehof der Weiberwirtschaft Lektorat und Text für Agenturen, Unternehmen und Organisationen an.Auch für Freiberuflerinnen gilt: Sie verdienen meist weniger als ihre männlichen Kollegen. "Selbst Frauen, die hart verhandeln, bekommen nicht unbedingt die besseren Aufträge, sondern dann, wenn sie weniger Geld verlangen", sagt Claudia Gather. Die Lohnschere klafft nicht nur von Branche zu Branche, sondern auch innerhalb der einzelnen Arbeitszweige auseinander. "Frauen sollten sich gerade in die Bereiche vorwagen, in denen überwiegend Männer arbeiten", wünscht sich Gather."Es gibt zunehmend Frauen, die freiwillig aus ihrem Angestelltendasein aussteigen und sich lieber selbstständig machen", sagt Katja von der Bey. Neben schlechteren Aufstiegschancen ist ein Grund dafür die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Frauen. In der Selbstständigkeit sehen manche langfristig die besseren Arbeits- und Lebensbedingungen für sich. "Andere möchten sich nicht vor ihrem Personalchef dafür rechtfertigen müssen, dass sie ein zweites oder drittes Kind erwarten", so von der Bey, Unternehmerinnen haben statistisch gesehen mehr Kinder zwischen drei und 15 Jahren als fest angestellte Frauen. Sie können sich ihre Zeit flexibler einteilen."Weil vor allem Frauen von der prekären Betreuungssituation für ihre Kinder betroffen sind, machen sich manche gleich im Bereich Familie selbstständig. Zum Beispiel Katja Schommartz-Koerdt: Sie hat einen Online-Organizer für Familien gegründet, der auch in Form von Apps erhältlich ist. Außerdem können sich Eltern dort austauschen oder sich Tipps für die Medienerziehung ihrer Kinder holen. "Frauen haben ein gutes Gespür für Marktlücken. Work, Life, Balance sind außerdem für sie schon lange aktuell", sagt Christine Stapp-Osterod. Es ist unstrittig, dass Unternehmerinnen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind, nur müssen sie auch als solcher anerkannt und entsprechend gefördert werden.------------------------------SelbstständigkeitInformationenDie Bundesweite Gründerinnenagentur (BGA) bietet branchenübergreifend Informationen und Beratungsangebote zu allen Phasen der Existenzgründung. Dort finden sich auch Links zu den Regionalagenturen der einzelnen Bundesländer.www.bga.deUnterstützung in BerlinDas Gründerinnenzentrum Weiberwirtschaft bietet Seminare und Hilfestellungen für Gründerinnen vor Ort an. Informationen über die Berliner Genossenschaft sind auf deren Internetseite ebenfalls nachzulesen:www.weiberwirtschaft.deDie Gründerinnenzentrale in Berlin bietet Frauen, die sich selbstständig machen wollen, eine Beratung rund um die Existenzgründung. Sie ist eine Erstanlaufstelle für Frauen, die ein Unternehmen gründen wollen, und hilft den neuen Unternehmerinnen beim Netzwerken.www.gruenderinnenzentrale.de------------------------------Grafik: Anteil der Unternehmerinnen in Branchen nach Branchen und alle Branchen. Foto: Wenn Frauen ein Untermehmen gründen, dann gehen sie meistens sehr sorgfältig vor.