Bonn/Zagreb/Sarajevo. ds/Reuter Die Bundesluftwaffe stellt angesichts der Eskalation der Kampfhandlungen auf dem Balkan ihre Versorgungsflüge nach Sarajevo ein. Das gab das Verteidigungsministerium gestern in Bonn bekannt.Kroatien hat gestern den Angriff auf die Krajina-Serben für siegreich beendet erklärt. Präsident Franjo Tudjman teilte mit, die Armee habe ihre Ziele erreicht. Die Einheiten hätten eine Schnellstraße und eine Bahnlinie im Gebiet der Krajina-Serben zurückerobert. Auch der Widerstand der Serben in der Stadt Okucani sei zusammengebrochen. Es liefen bereits Gespräche über ihre Kapitulation. Bei einem serbischen Raketenangriff auf Zagreb wurden mindestens fünf Menschen getötet. Zuvor hatte der UNO-Sicherheitsrat Kroatien zur sofortigen Einstellung der Offensive aufgefordert. Zudem müsse die Sicherheit an der Autobahn Zagreb-Belgrad gewährleistet werden, von der die Serben ein Teilstück blockiert hatten. Gespräche des UNO-Sondergesandten Yasushi Akashi mit beiden Seiten waren am Montag in Zagreb ohne Erfolg geblieben. Die serbischen Angriffe auf Zagreb und die Stadt Karlovac 50 Kilometer südlich der Hauptstadt wurden von der UNO als Antwort auf den Vorstoß der kroatischen Armee eingestuft. In Zagreb, wo vier Geschosse einschlugen, wurden 120 Menschen verletzt. Der Flugverkehr wurde nur für 15 Minuten unterbrochen, da am Flughafen offenbar kein Schaden angerichtet worden war. Die Einschläge in der Stadt betrafen ein Gebiet, in dem mehrere Ministerien angesiedelt sind. Hier gingen Autos in Flammen auf und Fensterscheiben zu Bruch. Über dem Stadtteil stand zeitweilig eine dichte schwarze Rauchwolke. In Sarajevo wurde der Alarmzustand ausgerufen, nachdem mehrere Granaten in der Altstadt eingeschlagen waren. Sie seien nahe der Front zu den serbischen Belagerern detoniert, teilte die Regierungsarmee mit. Am Montag war ein viermonatiger Waffenstillstand in Bosnien ausgelaufen. Derweil warnten die USA vor einem grenzübergreifenden Balkan-Krieg. Der amerikanische Botschafter bei der NATO, Robert Hunter, erklärte gestern, man sei an einem sehr schwierigen und gefährlichen Punkt angelangt. "Das Risiko eines größeren Krieges ist da." Die Bemühungen, alle Parteien auf dem Balkan zu einem verantwortlichen Handeln zu bringen, seien aber sehr intensiv. +++