Greg Louganis hat den schwierigsten Kampf seiner einzigartigen Karriere verloren. Der viermalige Olympasieger im Kunst- und Turmspringen ist AIDS-infiziert. Und anders als bei Basketball-Superstar Earvin "Magic" Johnson ist bei ihm die tödliche Krankheit ausgebrochen.Schon bei seinem Olympiasieg 1988 in Seoul wußte der 35 Jahre alte US-Amerikaner von seiner Infektion mit dem HIV-Virus. In einem Fernseh-Interview bestätigte Louganis jetzt die seit Jahren kursierenden Gerüchte: "Ich habe Aids." Das Interview war erschütternd. Louganis sprach von tiefen Depressionen seit seinen Teenagerjahren und drei gescheiterten Selbstmordversuchen. Im Vorjahr hatte er bei den Gay Games in New York erstmals öffentlich zugegeben, homosexuell zu sein, aber erst sein neues Bekenntnis entsetzte ganz Amerika. Schließlich verkörperte Louganis in der erbarmungslosen Welt des US-Profisports das Beispiel eines Vorzeige-Amateurs, der alle vier Jahre bei Olympia zum Nationalhelden wurde. Krank seit 1988 "Der freie Fall des sympathischen Wasserkünstlers hat begonnen", so ein Kommentator des Sport-Kabelsenders. Der freie Fall hatte bereits ein halbes Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele 1988 begonnen, als Louganis erfuhr, daß ein Ex-Freund an Aids gestorben war. Louganis ließ sich sofort untersuchen. Der Test wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Seoul verlief positiv. Trotz der schicksalhaften Gewißheit des sicheren Todes absolvierte Louganis den Wettbewerb seines Lebens. Ein vollkommener Athlet, jemand, der sich die Konkurrenz nicht anzuschauen brauchte, weil er ihr in jeder Hinsicht um Längen enteilt war. Seit Klaus Dibiasi dominierte niemand weltweit das Kunst- und Turmspringen so wie der Amerikaner. Leben als Kampf Das positive Testergebnis paßte zum Leben von Greg Louganis, das schon immer ein harter Kampf gewesen ist. Seine samoaische Abstammung machte ihn zum Opfer rassisischter Bemerkungen. "Wegen meiner dunkleren Hautfarbe wurde ich früher Nigger, Feigling und Geisteskranker genannt", sagte Louganis und gab zu, als Zwölfjähriger den ersten Selbstmordversuch unternommen zu haben.Mit 16 verwirrte ihn die Erkenntnis, homosexuell zu sein, und zwei Jahre später wurden seine Leseschwierigkeiten als "Dyslexia" diagnostiziert. Louganis flüchtete sich ins Kunst- und Turmspringen, und er beherrschte den Sport wie kein anderer. Vier olympische Goldmedaillen, eine silberne bei den Spielen 1976 in Montreal, fünf WM-Titel und 47 US-Meisterschaften waren der Lohn für seine konstante Leistung, Eleganz und Brillanz. "Ich habe meinem Sport alles zu verdanken, ich habe alles erreicht, was man erreichen kann", sagte Louganis, als er nach Seoul von der olympischen Bühne abtrat.Ausgerechnet in seinem letzten großen Wettkampf, den Olympischen Spielen in Seoul, hatte er den schrecklichsten Moment seiner Karriere erlebt, als er in den Vorausscheidungen mit dem Kopf gegen das Brett geprallt und sein infiziertes Blut in den Pool getropft war. "Ich war so geschockt. Ich dachte, welche Verantwortung habe ich. Was soll ich machen?" offenbarte Louganis, der damals sofort mit fünf Stichen hatte genäht werden müssen, aber dem behandelnden Arzt, der ohne Handschuhe arbeitete, nichts von dem Aids-Virus gesagt hatte. Der Arzt hat sich inzwischen testen lassen - das Ergebnis war negativ. Louganis wurde trotz des Unfalls Olympiasieger, trat danach zurück und arbeitete als Schauspieler. Noch mehr Vorsicht "Es bestürzt uns zutiefst, daß Greg Louganis diese tödliche Krankheit bekämpfen muß. Wir beten für ihn", sagte Leroy Walker, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der USA. Er betonte aber gleichzeitig, daß in Zukunft bei blutenden Verletzungen noch mehr Vorsicht geboten sein müsse. Louganis ist nach Basketball-Legende "Magic" Johnson und dem inzwischen verstorbenen Tennisstar Arthur Ashe, der bei einer Herz-Operation infiziert wurde, der dritte prominente US-Athlet, der sich mit dem Aids-Virus angesteckt hat. In Reden und Interviews will er jetzt wie Johnson die Aids-Aufklärung vorantreiben. +++