Ein warmer Sommermorgen in Berlin. Robert Skuppin kommt als Erster ins Café Einstein in der Kurfürstenstraße, legt sein iPhone auf den Tisch und bestellt sich Frühstück: Cappuccino, Rühreier, Joghurt. Sein Kollege Volker Wieprecht kommt etwas später, holt sein iPhone raus, bestellt nur Kaffee und entschuldigt sich, es gebe noch so viel zu tun. Wie immer vor dem Urlaub.Fahren Sie getrennt oder gemeinsam in den Urlaub?ROBERT SKUPPIN: Ich fahre mit meiner Freundin nach Sizilien.VOLKER WIEPRECHT: Und ich fahre mit meiner Tochter nach Fuerteventura.Sind Sie schon mal zusammen in den Urlaub gefahren?WIEPRECHT: Ja, Trecking in Nepal, Baden in Thailand. Das war lustig. Wir haben uns so in die Haare gekriegt, da hat zum Schluss jeder die Hosen runtergelassen. Ich hab das erste Mal verstanden, wie Robert funktioniert, wie er tickt.Wie tickt er denn?WIEPRECHT: Robert ist gelassener als ich. Bei Robert wird das alles schon, bei Robert ist die Welt schon gut. Für mich ist die Welt extrem verbesserungswürdig. Allein diese Antwort hätte ich auch schon wieder besser geben können.Das klingt aber doch eher positiv, was Sie da über Ihren Kollegen sagen.WIEPRECHT: Das, was ich als negativ empfinde, liegt an meinem Wahrnehmungsfilter. Ich empfinde Roberts Unverbindlichkeit als negativ. Robert sagt nicht ja, nicht nein, Robert sagt, kann man ja mal gucken.Und was hatten Sie für ein Problem mit Ihrem Kollegen, Herr Skuppin?SKUPPIN: Also ich fand Volker, find' ich auch heute noch, sehr arrogant, überheblich, aber ich weiß, dass er sich damit oft selber schützt.Wenn man Sie im Radio hört, denkt man, Sie sind unzertrennlich. Das stimmt offenbar nicht.WIEPRECHT: Es ist so wie in der Ehe, man ist froh, wenn man auch mal allein sein kann.Sind Sie befreundet?SKUPPIN: Ja, wir sind befreundet, wobei das nicht von Anfang an so war. Wir sind ja sehr unterschiedlich, und als wir bei Fritz angefangen haben zu moderieren, haben wir uns oft gestritten.Worüber haben Sie sich gestritten?SKUPPIN: Wenn wir zusammen ein Interview führen, haben wir wenig Zeit, nur drei Minuten. Das muss dann alles zack, zack gehen. Man steht sich gegenüber, hat eine eigene Zeichensprache entwickelt. Jetzt stell ich die Frage, dann du. So hatten wir das verabredet.WIEPRECHT: Weil's vorher auch schon Streit gab.SKUPPIN: Genau. Und dann gab es diese Sendung, da war ich mit der Frage dran und Volker schiebt mir schon das Mikro zu und stellt dann aber selbst die Frage. Ich sagte: Volker, was sollte das? Und Volker sagte: Ich musste dem Interview zum Schluss mal meinen Stempel aufdrücken, damit das rund wird. Das hat mich natürlich an die Studiodecke geschossen. Ich habe gesagt: Du hast die Vereinbarung gebrochen. Er hat gesagt: Ja, musste ich aber und so weiter. Wir sind dann eben Prinzipienreiter, wenn wir sagen, wir fahren nach links, machen wir das auch.Wie sind Sie überhaupt zum Radio gekommen? Sie haben ja beide was völlig anderes studiert?WIEPRECHT: Ich wollte mal Lateinlehrer werden.Und, warum sind Sie es nicht geworden?WIEPRECHT: Weil ich an den Prüfungsbedingungen der FU in vielfacher Hinsicht gescheitert bin.Sie haben abgebrochen?WIEPRECHT: Mh.Und dann haben Sie gedacht, wenn das mit dem Studium nicht geklappt hat, kann ich ja Rundfunkmoderator werden?WIEPRECHT: Ich habe gedacht, dass ich vielleicht mal etwas machen kann, was mir Spaß macht. Ich hatte eine Freundin, die 250 Mark, damals unfassbar viel Geld, für einen Radiobeitrag bekam, und ich habe gedacht, wenn ich drei im Monat mache, hab ich 750 Mark, das ist genauso viel wie Bafög, das reicht mir. Es hat allerdings 'ne Weile gedauert, bis ich die 750 Mark zusammen hatte.Haben Sie Ihr Politikstudium beendet, Herr Skuppin?SKUPPIN: Na ja, fast. Es waren ähnliche Gründe, ich wollte eben auch schon Geld verdienen. Ich war bei 'ner Studentenzeitschrift und damit sind wir dann ins Radio gekommen, Radio 100, das war dieses linksalternative Radio, das es mal kurz in Westberlin gab. Als ich da rausgeflogen bin wegen politischen Abweichlertums bin ich zum SFB gegangen und Aufnahmeleiter geworden, und dann sind Volker und ich irgendwie zusammengekommen. Das ist eine lange Geschichte, die wir hier aber nicht weiter ausbreiten wollen.Warum denn nicht?SKUPPIN: Sie ist zu lang.WIEPRECHT: Robert weigert sich beharrlich zuzugeben, dass ich gesagt habe, entweder ich moderiere alleine oder mit Robert, aber mit keinem anderen. Robert weigert sich, das als den Anfang seiner Karriere zu begreifen. Er besteht darauf, dass es der Chefredakteur war, der auf diese Idee gekommen ist.SKUPPIN: Ich hab immer gehört, dass Volker es alleine machen wollte. So kenne ich die Geschichte. Aber es ist ja auch nicht wichtig.Könnten Sie auch ohne einander moderieren?SKUPPIN: Er könnte ohne mich, ich könnte nicht ohne ihn, glaub ich. Ich halte Volker für den besseren Moderator. Ich bin eher der Impuls gebende Redakteur, der auch moderieren kann. Ich kann politische Interviews führen, ohne dass mir der Interviewte auch nur eine Spur näher kommt, während Volker auch in politischen Interviews persönliche Fragen stellt, das verblüfft mich immer wieder.Was macht einen guten Moderator aus?WIEPRECHT: Er muss durch eine Brille gucken können, den Hörern das Gefühl geben, guckt euch das mal durch meine Augen an. Das macht man durch Sprache, durch Zwischenelemente, Verbindungen. Und Moderatoren müssen sich für die Themen und für die Leute interessieren.SKUPPIN: Authentizität ist wichtig, dass man einen Teil der Persönlichkeit zeigt und sich nicht hinter sich selbst versteckt. Es gibt ja auch Moderatoren, die im Radio völlig anders klingen als im wirklichen Leben. Das würde bei uns überhaupt nicht funktionieren.Wie bereiten Sie sich auf Ihre Sendung vor? Haben Sie ein Ritual, um sich vorher in Form zu bringen?WIEPRECHT: Na, das wär's noch, wie beim American Football.SKUPPIN: Wir widmen den Tag immer einem Ereignis.WIEPRECHT: Was ich hasse. Am besten geht's mir ohne Manuskript.SKUPPIN: Bei Fritz haben wir uns manchmal was erzählt, während die Musik lief, und wir haben uns vor Lachen weggeschmissen. Dann haben wir das Ganze auf Sendung wiederholt, konnten aber nicht mehr lachen und blieben stecken. Wir müssen uns schon selbst lustig finden, wir sind ja keine Schauspieler.Es heißt immer mal wieder, dass das Radio tot ist. Sind Sie, die Starmoderatoren von Radio 1, so was wie die Retter des Hörfunks?WIEPRECHT: Ich weiß nicht, das Radio hat schon Probleme.SKUPPIN: Radio hat Riesenprobleme. Die Jugendprogramme funktionieren nur noch eingeschränkt, Fritz noch relativ gut, weil die das erkannt haben und gegensteuern. Das Radio wird alle zehn Jahre totgesagt, jetzt heißt es gerade mal wieder, dass das Leitmedium Internet alles andere platt macht. Aber ich glaube, dass es Radio immer geben wird, und Radio 1 ist ja auch eine Besonderheit in der Republik. Wenn ich mal mit dem Auto unterwegs bin, bin ich immer total froh, wenn ich wieder hier bin und Radio 1 hören kann. Sonst ist es ja echt öde. Die Hamburger tun mir richtig leid.Was macht Radio 1 besser als andere Sender?SKUPPIN: Radio 1 hat immer auf diese Comedy-Elemente verzichtet und immer gesagt: Lieber kein Witz, bevor man einen schlechten macht.Offenbar reicht es Ihnen aber nicht, gute Moderatoren zu sein. Sie haben gerade wieder ein Buch veröffentlicht.WIEPRECHT: Das Problem nennt sich Begierde.SKUPPIN: Man ist immer hungrig, ich komm mir vor wie ein Kind, das die Welt neu entdeckt. Ich hab ja nur dieses eine Leben.WIEPRECHT: Ich frage mich immer, habe ich schon genügend Partys gefeiert, genügend Zigaretten geraucht, genügend Orgasmen gehabt. Ich will immer noch mehr.Von allem?WIEPRECHT: Ja, natürlich. Ich war noch nicht in Neuseeland, noch nicht in Afrika. Diese grundlegende Neugier, das ist ein Gefühl, das wir gemeinsam haben, und in den besten Momenten genießen wir das auch.SKUPPIN: Wenn man gelernt hat, auf andere zuzugehen, dann ist das schön, dann begreift man das als Aufgabe. Erfahrungen sammeln. Ein erfolgreiches Buch machen, Texte schreiben, die einen selber interessieren, das wollten wir alles mal machen.WIEPRECHT: Wenn das jetzt 'ne Sendung wäre, würde ich zu Robert sagen: Sehr schöne Antwort, aber besser wär's, in der Ich-Perspektive zu sprechen als von "man". Kein Problem, Robert.Vorhin haben Sie nach einer Frage Robert Skuppin lange angeguckt statt selbst zu antworten. Warum?WIEPRECHT: Ich habe gemerkt, dass Robert den spürbar größeren Impuls hat zu antworten.Wie spüren Sie das?WIEPRECHT: Das sehe ich an seinem Blick, an der Körpersprache. Wenn Robert keine Antwort hätte, würde er sich zurücklehnen und nicht nach vorne. Wenn er so wippt, dann weiß ich, da kommt jetzt gleich was.Was machen Sie, wenn Sie bei der Moderation merken, dass Sie gerade überhaupt nicht witzig sind?WIEPRECHT: Wenn wir es erkennen und aushalten, ist das nicht schlimm. Es geht beim Moderieren immer um das Bewusstsein, Fallen zu finden. So kommt man aus allen Dingen wunderbar raus. Es sei denn, man begeht einen großen Fauxpas.Was ist ein großer Fauxpas?WIEPRECHT: Hm. Kleine Fauxpas sind peinliche Musikübergänge, Flapsigkeiten. Ein großer Fauxpas war Uta Ranke-Heinemann.SKUPPIN: Wir haben einen Witz über ihren Mann gemacht, der eine Woche zuvor gestorben war.WIEPRECHT: Es ging um Priestertum und Zölibat. Unsere Abmoderation war: Na, dann wünschen wir Ihnen noch ein sexuell erfülltes Wochenende mit ihrem Mann. Pause. Mein Mann ist letzte Woche gestorben.Und dann? Wie sind Sie da rausgekommen?WIEPRECHT: Das war nicht so schwer. Wir haben gesagt, das tut uns wirklich furchtbar leid, das haben wir nicht gewusst. Der Kniefall war vollständig, wir lagen vor ihr auf dem Boden. Und dann hat sie genau das gemacht, was jeder macht, wenn man sich ordentlich entschuldigt. Sie hat fast unter Tränen erzählt, wie toll die Ehe mit ihrem Mann war und was für ein toller Typ er war. Und bei uns im Studio standen die Leute hinter den Scheiben, das war dann ganz berührend. Aber es gibt auch Dinge, die kann man nicht retten, weil man nicht schnell genug ist.SKUPPIN: Wenn wir unsere Meinung äußern, und Leute beschweren sich dann bei der Intendanz. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist es so, dass jeder Brief jedes Wahnsinnigen ernst genommen wird. Das ist ja auch richtig, aber manchmal ist es eben auch absurd.Sie haben gerade ein Buch veröffentlicht über Dinge, die es nicht mehr gibt, Dinge, die verschwunden sind aus dem Leben. Sind Sie nostalgisch?WIEPRECHT: Wir sind nicht nostalgisch. Weg mit dem Zeug, Keller leer räumen, Platz für was Neues schaffen, Schluss aus, thank you, Mam.SKUPPIN: Es geht eher darum, dass die Dinge eine Zeit haben, sie sind ja nicht richtig weg. Es gibt zum Beispiel immer noch Oldtimer, die sind heute cool, retro. Aber damals hat man mit einem ganz anderen Gefühl drin gesessen, und letztlich wollten wir dieses Gefühl beschreiben.Wie kommt ein Mensch wie Margot Honecker in dieses Buch?WIEPRECHT: Wenn man eine Person des öffentlichen Lebens ist, wird man eben verdinglicht. Es dürfen ja auch überall Fotos von ihr abgedruckt werden und möglicherweise sogar die ihrer Kinder. Hatten die Honeckers eigentlich Kinder?Das steht doch in Ihrem Buch. Die Honeckers haben eine Tochter.SKUPPIN: Den Teil habe ich geschrieben, deswegen weiß Volker das nicht.WIEPRECHT: Ich kann mir auch nicht alles merken.SKUPPIN: Frau Honecker ist drin, weil sie ein gutes Beispiel dafür ist, wie Dinge oder auch Personen eben langsam verschwinden, also sie lebt ja noch, aber ist eigentlich auch schon weg.Es gibt viele, bei denen das so ist. Helmut Kohl zum Beispiel, der ist doch regelrecht verdampft, der steht aber nicht im Buch.SKUPPIN: Wir hatten so das Problem, dass wir die DDR irgendwie reinnehmen mussten. Aber wenn so ein ganzes Land verschwunden ist wie die DDR, sind damit natürlich hunderttausende Dinge verschwunden. Deshalb haben wir vor allem die Dinge reingenommen, die auch uns als Wessis begleitet haben. Das sind wir nun mal.Warum haben Sie nicht über Ihre Kneipe Waschmaschinewsky in Friedrichshain geschrieben, die schon bald nach der Eröffnung wieder verschwunden ist?WIEPRECHT: Weil die nicht relevant ist. Wer interessiert sich dafür?Warum ist die Kneipe denn nicht gelaufen?SKUPPIN: Wir haben eben von Gastronomie keine Ahnung. Eine gute Kneipe lebt davon, dass es einen guten Gastwirt gibt. Wenn die Kneipe voll war, rief der Wirt an und sagte, so geht das nicht, sind zu viele Leute.Haben Sie zu sehr auf Ihren Namen gesetzt?SKUPPIN: Nee, dann hätten wir die Kneipe ja nach uns benannt. Die Grundidee war eigentlich, zu sagen, back to the roots, ein Bier muss doch nicht immer vier Euro kosten. Ein Euro geht doch auch, dann müssen wir das eben aus Polen holen, und dann sitzen da die Studenten in Friedrichshain und freuen sich. Das war auch ganz richtig, es wurde nur nicht umgesetzt. Weder saß man gemütlich, noch gab es was zu essen.WIEPRECHT: Und vielleicht hätte man auch mal sehen sollen, dass neben der günstigen Kneipe ein noch günstigerer Spätkauf war.Fernsehen haben Sie ja auch mal gemacht, warum lief das nicht?WIEPRECHT: Das ist ne gute Frage. Also mir selber fällt der enorme Zeitaufwand ein, den man beim Fernsehen hat, sämtlicher Treibstoff verpufft schon vorher. Wenn ich dann endlich meine 13-Sekunden-Performance mache, denke ich nur darüber nach, wie blöd das hier jetzt eigentlich ist, und es kommt dann auch entsprechend blöd rüber.SKUPPIN: Hörfunk ist ein Nebenhermedium. Es ist sehr schnell, und wir wirken eben auf jemanden, der gemütlich auf dem Sofa sitzt und den Fernseher anmacht, ein wenig merkwürdig, da quatschen zwei Typen mit affenartiger Geschwindigkeit, als wenn die auf Koks sind.WIEPRECHT: Die Invasion der Radiofrettchen.Sie haben in den letzten zehn Jahren drei Bücher veröffentlicht. Wie kommt so etwas eigentlich zustande? Kommt da der Verleger auf Sie zu und sagt, wir brauchen ein Buch von Ihnen, mit Ihrem Namen können wir vielleicht einen Bestseller machen?SKUPPIN: Mit dem Namen hat das nicht viel zu tun. Man hört uns ja nur in Berlin und Brandenburg. In München, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart kennt uns keine Sau. Das muss schon von alleine ziehen.Wieprecht: Wir überlegen gerade, was wir als nächstes machen.Wieder ein Sachbuch?Wieprecht: Auf jeden Fall keine Belletristik. Wir können uns einem Thema von zwei Seiten des Berges nähern, aber nicht im gleichen Tempo den Berg hoch, dafür sind wir beide zu unterschiedlich.Sie moderieren gemeinsam, schreiben gemeinsam Bücher und haben auch noch gemeinsam eine Firma. Wie ist das, voneinander so abhängig zu sein?WIEPRECHT: Wir können sagen, dass wir wieder auf einem guten Kurs sind. Vor zwei Jahren hatten wir eine schwere Zeit miteinander, da haben sich unsere Lebensinteressen diametral entgegengesetzt entwickelt. Wir hatten beide so viel Druck im Kessel, dass wir teilweise leichtfertig, teilweise unberechtigt aufeinander rumgehackt haben. Da haben wir uns dann professionelle Hilfe geholt, einen Coach.Sie haben eine Paartherapie gemacht?WIEPRECHT: Anders ging es nicht. Es war die klassische Nummer.SKUPPIN: Wenn die Kinder aus dem Haus sind .WIEPRECHT: . wie ist denn die Welt für Sie, und wie für Sie? Das ist so ein bisschen wie bei einem Ehepaar, das schon seit 20 Jahren zusammen ist. Da kommen immer alle und sagen: Ja, ja, ihr beide seid unkaputtbar, aber wir standen praktisch schon an der Klippe, bereit abzuspringen. Das war auch so ein Stück Midlifecrisis. Was können wir noch erreichen? Wo stehen wir? Alles Fragen, die anbrandeten, und da kam die eine oder andere Welle, und da saßen wir mit nacktem Arsch im Sand.SKUPPIN: Es gibt ja im Leben immer mal wieder Krisen, teilweise mit sich selbst, teilweise mit dem Beruf, mit Freunden, und da sind ganz viele Dinge zusammengekommen.WIEPRECHT: Und dann fängt man an, sich ins Leben des anderen einzumischen. Musst du jetzt schon wieder mit deiner Freundin essen gehen? Musst du wieder auf so ein komisches Seminar fahren? Kannst du das nicht einfach mal klarer machen? Uns geht's eigentlich immer dann gut, wenn wir keine Arbeit haben, wenn wir bei einem Glas Wein sitzen und uns darüber unterhalten. Dann haben wir noch mal so richtig Spaß. Das mussten wir aber echt noch mal entdecken. Und das ist dann wirklich wie bei jedem anderen Paar: Gehen Sie noch mal schön weg! Nehmen Sie sich noch mal 'n Babysitter! Ziehen Sie sich noch mal was Schönes an! Da saßen wir und haben gesagt, Mensch, wir sind nicht schwul, aber es funktioniert trotzdem.Wie gehen Ihre Frauen damit um? Sind sie eifersüchtig?SKUPPIN: Als ich meine Freundin kennengelernt habe, waren Volker und ich beruflich bereits ein Paar.WIEPRECHT: Ich bin länger da!SKUPPIN: Sie kennt das gar nicht anders. Und sie akzeptiert das. In unserer Krise sagte sie: Trenn dich nicht von Volker. Ich hör' eure Sendung selber so gerne, das wäre wirklich schade, wenn ihr das nicht mehr machen würdet.WIEPRECHT: Sowohl meine Ex-Frau als auch meine letzte Freundin haben immer gesagt: Mann, ist der nett. Da hast du aber einen tollen Freund. Robert ist ja so ein Rundsymphatischer, das ist nicht unbedingt die Wirkung, die ich auf Menschen habe.Wie wirken Sie denn?SKUPPIN: Volker wirkt immer interessant auf Leute und ist in der Lage, sie sehr schnell zu öffnen, auch auf Partys. Und die Leute haben dann das Gefühl, man würde sich schon ganz lange kennen, und denken, dass das der Beginn einer ganz großen Freundschaft ist.WIEPRECHT: Ist es aber nicht.Interessieren Sie sich wirklich für Menschen oder fragen Sie nur?WIEPRECHT: Nächste Frage. Nee, ich glaube schon, dass ich mich schon für Menschen interessiere. Ich meine, gibt's was Besseres als Menschen?Das war jetzt eine rein rhetorische Bemerkung, oder?SKUPPIN: Ich kenn Volker lange genug, ich würde sagen .WIEPRECHT: Du brauchst mich nicht zu retten .SKUPPIN: Nein, nein. Will ich auch nicht. Aber ich glaube, Volker will gerne wissen, was Menschen im Innersten bewegt. Warum weiß ich nicht, ich glaube, weil er danach auch so bei sich selbst sucht, er hat so eine esoterische, spirituelle Ader.WIEPRECHT: Danke Robert!Baden Sie morgens in Ayurveda?WIEPRECHT: Die Frage zeigt, dass Sie auch schon mal so ne Kur gemacht haben und genau wissen, was Watta, Pitta und der Cava-Typ ist.SKUPPIN: Willkommen in der Hölle!WIEPRECHT: Ich hab nach langer Suche meinen Weg gefunden. Ich bin Buddhist.Das ist jetzt kein Witz?WIEPRECHT: Das ist kein Witz.Waren Sie schon immer religiös?WIEPRECHT: In gewisser Weise schon, ja. Aber ich hatte immer so einen Taktstock in der Hand, der gesagt hat: Weiter, weiter, weiter. Ich bin aus der Kirche ausgetreten, um zu gucken, ob das Leben mich dafür straft, dann bin ich wieder in die Kirche eingetreten, weil ich kirchlich heiraten wollte, dann bin ich wieder ausgetreten. In diesen Selbstbedienungsläden der Spiritualität habe ich mir auch so einiges angeguckt.Und Sie, Herr Skuppin? An was glauben Sie?SKUPPIN: Ich bin katholisch, als Kind war ich Messdiener. Es gibt ja so diesen Pool an Ex-Messdienern, die die Bigotterie der katholischen Kirche sehr gut mitbekommen haben, sich ihr nicht mehr unterordnen können, aber auch noch nichts anderes gefunden haben. Die Katholische Kirche ist in der Lage, eine echt gute Show zu bieten, aber ich weiß eben, es ist nur Show. Wir gehen in die Sakristei, es ist Andacht, alle beten den Rosenkranz, aber der Pfarrer und die Messdiener hören die Schlusskonferenz des WDR. Mir war schon als Kind klar, dass vieles nur gemacht wurde, damit die Leute glauben. Wobei das nicht heißt, dass es alles falsch ist. In dieser Gemengelage befinde ich mich. An irgendeinem Punkt im Leben muss man sich dann eben auch mit solchen Fragen beschäftigen. Wenn die Eltern sterben, wenn man 45 Jahre alt wird.Haben Sie Angst vor dem Tod?WIEPRECHT: Mit Woody Allen gesprochen: Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich möchte nur nicht dabei sein. Ich kann nicht sagen, dass das Loslassen für mich kein Problem ist, aber das übt man eben tagtäglich ein.SKUPPIN: Gibt es Menschen, die keine Angst vor dem Tod haben? Ich glaube, dass alle vor etwas Angst haben, das sie nicht kennen. Es ist wie mit der Flugangst. Man weiß nicht, was passiert, man stellt es sich nur vor.------------------------------Robert SkuppinAls Kind einer Putzfrau und eines Postbeamten wurde er 1964 in Cham (Bayern) geboren, ging in Bonn zur Schule und studierte in Berlin Publizistik, Politologie und Geschichte. Er hat drei Geschwister.Skuppin arbeitete als Nachrichtenredakteur bei Radio 100, danach bei Radio 4u und bei Fritz. Dort lernte er Volker Wieprecht kennen, mit dem er fortan moderierte. 1997 verließen die beiden zusammen mit Chefredakteur Helmut Lehnert Fritz und erarbeiteten das Konzept für Radio 1.Bei Radio 1 moderierten sie "Die schöne Sendung", später "Der schöne Morgen". Heute moderieren sie "Der Tag" und "Die schöne Woche".------------------------------Volker WieprechtAls Sohn einer kaufmännischen Angestellten und eines Bankbeamten wurde er 1963 in Herne (NRW) geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie und Altphilologie. Mitte der 80er-Jahre ging er zum SFB und moderierte Kinder- und Jugendsendungen wie die Morgensendung bei Radio 4u.1993 wurde Wieprecht vom Musikexpress zum besten deutschen Moderator gewählt. Etwa zur gleichen Zeit begann er, mit Skuppin zu moderieren.Die Agentur "der apparat" gründeten sie 1998. Sie produzieren Hörfunk- und Fernsehformate und veranstalten "Die schöne Party". Skuppin und Wieprecht veröffentlichten drei Bücher. "Das Buch der verschwundenen Dinge" ist bei Rowohlt erschienen und steht seit Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste.