Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat am Dienstag Strafanzeige gegen die Regisseure Christoph Schlingensief und Alexander Kluge sowie Meir Mendelssohn erstattet. Anlass ist die Aufführung des "2. Internationalen Kameradschaftsabends" in der Berliner Volksbühne am Montagabend (siehe Bericht auf Seite 12). Nach Angaben des Gemeindevorsitzenden Andreas Nachama soll Mendelssohn das Publikum aufgefordert haben, das Wort "Judensau" zu sagen und zwar "ganz normal und ganz natürlich". Meir Mendelssohn hatte am 15. August in Tel Aviv das Grab des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, geschändet. Noch am Dienstagvormittag haben sich nach Angaben Nachamas mindestens zehn Theaterbesucher bei der Gemeinde gemeldet. "Die Aufforderung Mendelssohns hat offenbar Missfallen erregt", sagte Nachama zur "Berliner Zeitung". Für den Gemeindevorsitzenden sind damit "alle Tabus" gebrochen worden. Die Staatsanwaltschaft müsse nun prüfen, welcher Straftatbestand vorliege. Nach seiner Ansicht handele es sich um Volksverhetzung. Ausdrücklich betonte Nachama, dass das Publikum auf Mendelssohns Ansinnen "betreten" geschwiegen habe. Eine Sprecherin der Volksbühne sagte, eine entsprechende Äußerung sei wohl gefallen, allerdings nach Ende der Veranstaltung um 23 Uhr und hinter der Bühne, wo sich eine Gruppe von Zuschauern und Mitwirkenden versammelt habe. Mendelssohn sei zunächst als Gast eingeladen, dann aber wieder ausgeladen worden; er sei dennoch aus eigenem Antrieb und auf eigene Rechnung gekommen. Bei der Veranstaltung sammelten Schlingensief und Kluge Stimmen von Zeitgenossen darunter Horst Mahler, Rainer Langhans und Regine Hildebrandt für ihr Fernsehprojekt "Jahrtausendtableau Werkzeugkasten der Geschichte". Das Ergebnis des Abends soll am 10. Dezember als fünfstündige TV-Nacht im Sender Vox ausgestrahlt worden. (mm., ku.)