Schnür Deinen Ranzen, geh hinaus in alle Welt und lege Zeugnis ab. Diese Aufforderung des Herrn hat auch Martin Dreyer empfangen, der in Köln-Junkersdorf das Internetcafé Juxju leitet. Hinaus in alle Welt ist er dort ja schon mit seinen vielen Online-PCs, Zeugnis legt der gelernte Theologe jetzt ab, indem er in diesen Tagen seine Volxbibel herausbringt. Es handelt sich dabei um eine sogenannte "revolutionäre Bibel in neuer Jugendsprache" - das etwas altbacken punkige "Volx" im Titel deutet es an.Die Auferstehung heißt in der Bibel Dreyers "Jesus' fettes Comeback", bei der Speisung der Fünftausend haben die Typen "gerade mal fünf Brötchen und zwei Frikadellen am Start" und das "Vater unser" beginnt so: "Hey, unser Papa da oben! Du allein sollst auf dieser Welt ganz groß rauskommen. Du allein sollst hier das Sagen haben, auf der Erde genauso, wie es ja schon da oben im Himmel der Fall ist." Als der Engel in der Heiligen Nacht den Hirten begegnet, "war ein helles weißes Licht um ihn rum, so ein Licht, das nur von Gott kommen konnte, so krass war es. Die Hirten bekamen voll die Panik."In Kirchenkreisen hat die Volxbibel bereits für heftige Diskussionen gesorgt. Unausbleiblich ist natürlich der Vergleich mit dem tapferen Martin Luther. Martin Dreyers Anhänger sehen in ihm den Nachfahren des tapferen Mönchs, der die Bibel aus dem Latein der Dogmatiker ins Deutsche übersetzte und dabei, wie es immer wieder heißt, dem Volk aufs Maul schauen wollte. So eben auch Dreyer, der Luther aus dem Internetcafé, der den Usern aufs Maul und die Tastatur schaut. Das Lutherdeutsch bedeutete allerdings für die Deutschen eine große Vereinheitlichung ihrer Sprache. Aus dem Vielerlei von regionalen Mundarten mendelte sich durch allsonntäglichen Gebrauch das Lutherdeutsch heraus - wuchtig wirksam bis heute. Jugendsprache dagegen will sich abgrenzen und besondern. Sie kommt und geht: was heute am Start ist, ist morgen schon uncool. Verwegen erscheint deshalb die Kalkulation des Volxbibelverlags, der die 608 Seiten des Neuen Testaments für 9,90 Euro anbietet. So lange gültig wie Luthers Übersetzung bleibt diese Ausgabe nicht.