Auf ihren langjährigen Bürgermeister will die Stader Gemeinde Apensen in Niedersachsen nichts kommen lassen. Seit 32 Jahren ist Heinz Eckhoff ununterbrochen als Kreistagsabgeordneter aktiv und bekleidete so ziemlich jeden ehrenamtlichen Posten, den es in der kleinen Gemeinde zu vergeben gab. Ein Engagement, das zu würdigen ist, dachten sich Apenser Parteifreunde des CDU-Politikers und schlugen den 77-Jährigen für das Bundesverdienstkreuz vor. Die niedersächsische Staatskanzlei prüfte und befand: ein verdienstvoller Kandidat - und reichte den Vorschlag an den Bundespräsidenten weiter.So kam es, dass Johannes Rau dem ehemaligen Kartoffelhändler Heinz Eckhoff im August den Orden verliehen hat. Und wenn seitdem nicht ein paar hässliche Details aus der Vergangenheit des Herrn Eckhoff bekannt geworden wären, wäre die routinemäßige offizielle Übergabe des Ehrenabzeichens am gestrigen Montag ohne viel Aufhebens von statten gegangen. Denn inzwischen hatte eine Lokalzeitung berichtet, dass Heinz Eckhoff als 18-Jähriger Mitglied der Waffen-SS wurde. Das ist zwar nicht schön, aber noch kein Ausschließungsgrund für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, meinte die Staatskanzlei, solange man wie Eckhoff einfacher Soldat war und kein Offizier. Der Jüdische Weltkongress (WJC) in New York sieht das anders. Sein Direktor Elan Steinberg bezeichnete die Ordensverleihung an Eckhoff am Montag als "Schandfleck für Deutschland". "Die Waffen-SS war 1945 in Nürnberg zur kriminellen Organisation erklärt worden. Damit war jeder Angehörige der Waffen-SS ein Krimineller." Doch streng und für sich genommen ist auch die Tatsache, dass Heinz Eckhoff 1968 für die NPD in den Kreistag Stade gewählt wurde, kein Ausschließungsgrund für die Ordensvergabe. Schließlich hatte sich Eckhoff schnell umorientiert und war 1970 der CDU beigetreten. "Wir müssen auch die Möglichkeit konzidieren, dass er sich zum Demokraten entwickelt hat", heißt es in der niedersächsischen Staatskanzlei. Dort war die Sache mit der NPD zwar nicht bekannt, "es gibt aber keinen Automatismus, dass jemand, der einmal für die NPD kandidiert hat, auf keinen Fall den Orden bekommt". Der frühere Rechtsexperte der CDU-Bundestagsfraktion Horst Eylmann, dessen Wahlkreis Stade war, verteidigt die Ordensvergabe ebenfalls. Er kennt Eckhoff noch aus dem Kreistag. "Ich bin der Meinung, dass man großzügig sein muss, wenn sich jemand gewandelt hat." Würde nun nicht gerade über das Verbot der NPD debattiert, wäre das Thema überhaupt nicht hochgekommen, ist sich Eylmann sicher.Und der Bürgermeister der Gemeinde, Peter Sommer, verweist darauf, dass Eckhoff an keiner einzigen Fraktionssitzung der NPD teilgenommen habe. Weil "die Sache" mit der NPD daher für die Gemeinde so sehr im Hintergrund stand, kam es, dass man dieses Detail nicht im Ordensvorschlag erwähnte.Zum Thema ist es nun dennoch geworden und einer hat bereits persönliche Konsequenzen gezogen. Der Lehrer Jürgen Trentepohl aus Himmelpforten im Kreis Stade hat wegen Eckhoff seine Auszeichnung abgelehnt. Trentepohl, dessen Vater als Mitglied der Bekennenden Kirche dem Nationalsozialismus widerstand, sollte am morgigen Mittwoch das Bundesverdienstkreuz erhalten."Herr Eckhoff hat sich immer untadelig verhalten. Man kann ihm nichts nachsagen. " Karsten Behr, CDU-Chef in Stade