Im Umkreis von Bahngebäuden lebt es sich offenbar weiterhin gefährlich: Nach dem Absturz eines Stahlträgers am Hauptbahnhof im Januar ist nun ein Teil der Glasfassade des Bahn-Towers am Potsdamer Platz aus etwa 40 Meter Höhe auf den Gehweg gestürzt. Verletzt wurde niemand. Auslöser ist nach ersten Vermutungen ein Materialfehler und die warme Frühlingssonne. In dem Gebäude, das zum Sony Center gehört, hat sich die Deutschlandzentrale des Bahn-Konzerns eingemietet. Schon im August 2005 stürzte dort eine Scheibe des Hochhauses hinunter, 2002 zersprang ein Glasteil, ohne herabzufallen.Schokoladentafelgroßes TeilDiesmal war gegen 11.30 Uhr ohne Außeneinwirkung ein sogenanntes Glasschwert im zehnten Stock zerbrochen. Das rund zwei Meter lange und 20 Zentimeter breite Zierelement blieb zwar größtenteils in seiner Fassung, doch löste sich ein "schokoladentafelgroßes Teil" und fiel auf den Gehweg zwischen dem Gebäude und dem S-Bahn-Eingang Potsdamer Platz, wie der Gebäudemanager der Bahn, Jürgen Scheibe, sagte. Unten seien vermutlich nur noch Brösel angekommen.Mitarbeiter der Bahn bemerkten den Schaden und alarmierten sofort die Polizei, die den Bürgersteig unter dem beschädigten Glaselement abriegelte und die Potsdamer Straße sperrte. Das von Rissen durchzogene Teil wurde kurze Zeit später von Arbeitern demontiert. Dazu benutzten sie den Fassadenaufzug. Bereits kurz vor 14 Uhr wurde die Sperrung wieder aufgehoben.Das Hochhaus gehört der Firma Sony Deutschland, die sich bemühte, den Vorfall als möglichst geringfügig darzustellen: "Ein Personenschaden ist unserer Ansicht nach nicht möglich gewesen, weil die Glassplitter zu klein waren", sagte die Sprecherin des Sony Centers, Claudia Grundke, der Berliner Zeitung. Es handele sich um Sekurit-Sicherheitsglas, bei dem es überhaupt nicht möglich sei, dass es in größeren Stücken herunterfalle. "Die Scheibe war ja noch in ihrer Halterung."Über die Gründe für das plötzliche Zerspringen des Glasschwerts wollte Sony keine Angaben machen. "Das wird gerade im Labor untersucht, in ein paar Tagen werden wir die Ergebnisse haben", so die Sprecherin. Erst dann könne man auch über Konsequenzen aus dem Vorfall nachdenken. Auf die Frage, wie es erneut zu einem abstürzenden Fassadenteil kommen konnte, nachdem bereits nach dem letzten Vorfall eine intensive Prüfung des Gebäudes versprochen wurde, sagte die Sprecherin: "Das Gebäude ist komplett aus Glas, da passiert so etwas." Von dem Gebäude gehe aber auf keinen Fall ein generelles Risiko aus, deshalb sei auch das Austauschen aller Glaselemente derzeit kein Thema.Schuld war die FrühlingssonneDer Leiter der Bauaufsicht Berlin-Mitte, Karl-Friedrich Metz, sagte, er halte einen Materialfehler des Glasschwerts für möglich. "Thermospannungen", ausgelöst durch die warme Frühlingssonne, hätten die Scheibe dann wohl zum Springen gebracht. Metz forderte Sony auf, die genaue Unglücksursache zu untersuchen, sagte aber auch: "Wenn man überlegt, wie viele Glasfassaden es in Berlin gibt, dann ist das nicht besonders besorgniserregend, wenn es hin und wieder einen kleinen Zwischenfall gibt."Bei der Deutschen Bahn scheint man indes sehr erleichtert, diesmal nicht für den Vorfall mitverantwortlich zu sein. "Wir sind nur Mieter, Sony ist der Ansprechpartner, deshalb sagen wir auch nichts weiter zu dem Thema", teilte ein kurz angebundener Pressesprecher mit.------------------------------Stürzende ScheibenDie Glasfassade des Bahn-Towers am Potsdamer Platz macht schon seit Jahren Probleme. Bereits 2002 war eine Scheibe gesprungen, allerdings ohne auf die Straße zu stürzen. Im August 2005 passierte das erneut, damals fiel sie aus der 25. Etage auf die Straße - verletzt wurde niemand.Probleme haben auch andere mit Glasfassaden. Zwischen 1997 und 1999 stürzten im Kaufhaus Lafayette in der Friedrichstraße sechs tonnenschwere Scheiben ab. Niemand kam zu Schaden, doch nach der Serie mussten die betreffenden Glaselemente allesamt ausgetauscht werden.------------------------------Foto: Der Bahn-Tower bei Nacht: Schon zum dritten Mal zersprang gestern ein Teil aus der Glasfassade.Foto: Längliches Abschlussstück: Weil immer zwei Scheiben hintereinander montiert sind, ist das Fehlen nicht zu erkennen.