Angefangen hat alles ganz anders. Angefangen hat es mit Liebesromanen, mit Modefotos und Reisereportagen aus Italien und Spanien. Das war 1954, am 15. April des Jahres erschien im Wirtschaftswunderland eine neue Frauenzeitschrift. Ihr Titel: Praline. Eine Frauenzeitschrift ist die "Praline" schon lange nicht mehr, auch wenn in dem Heft viele Frauen vorkommen, vorzugsweise nackt. Seit langem ist die "Praline" so etwas wie der Inbegriff der billigen Sex-Postille. "Erotik-Report", "Geile Meldungen, scharfe Fakten" und "Porno-Storys" heißen die Rubriken jetzt. Das war dem Leser zu viel. Zuletzt betrug die Auflage der "Praline" nur noch 66 000 Exemplare, Anfang Oktober stellt der Heinrich-Bauer-Verlag das Blatt ein. Scharfe Fakten.In der jungen Bundesrepublik gehörte die "Praline", ihr Untertitel lautete "Illustrierte für Heim und Mode, Reise und Unterhaltung", zu einer der beliebtesten Zeitschriften, Ende der fünfziger Jahre verkaufte die Zeitschrift wöchentlich mehr als 500 000 Exemplare "Es gab einen erheblichen Bedarf an Publikumszeitschriften", sagt Hans Bohrmann, Professor für Journalistik an der Universität Dortmund. Das deutsche Fernsehen steckte zu dieser Zeit mit nur einem Programm und 100 000 Zuschauern noch in seinen Kinderschuhen, der Medienkonsum der Bundesbürger beschränkte sich auf Hörspiele im Radio und Haushaltstipps in Illustrierten.Im Namen der freien LiebeDie wilden Sechziger dann brachten auch der "Praline" unruhige Zeiten. Neue TV-Sender wie das ZDF oder dritte ARD-Programme kamen hinzu, das Fernsehen entwickelte zu einem Massenmedium. Außerdem musste sich die "Praline" gegen andere erfolgreiche Zeitschriften wie der "Brigitte" behaupten. Und als wäre dieser Wettbewerb noch nicht genug, rüttelten auch noch die Achtundsechziger an den bis dahin gültigen Vorstellungen von Sex und Moral. "Die Studentenbewegung hinterfragte die bürgerliche Sexualmoral und so wurden Darstellungen wie Softpornos erst möglich", sagt der Medienwissenschaftler Bohrmann. Und so hatten die Achtundsechziger auch einen gewissen Anteil daran, dass sich die "Praline" von einer braven Hausfrauenzeitschrift zum billigen Sexblatt entwickelte. Und das alles im Namen der freien Liebe.Nach ihrem Imagewechsel sorgte die "Praline" noch für einige Schlagzeilen. 1978 berichtete sogar das Nachrichtenmagazin Der Spiegel über die Zeitschrift, als dieser eine Indizierung drohte. Wie der Spiegel schrieb, warf die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften dem Bauer-Verlag "Kinderpornografie" und die Darstellung von "sexuell aggressivem Verhalten bis hin zu Sexualmorden" vor. 1993 widmete sich die taz dem Blatt und zitierte dessen damaligen Chefredakteur Jürgen Köpcke, der nach den Vorfällen in Rostock und Hoyerswerda in der "Praline" seine Sicht kundtat und "die vielen Asylantenunterkünfte bitte zügigst geleert, gesäubert und für deutsche Zwecke umgewidmet" haben wollte. In den vergangenen Jahren machte die "Praline" nur noch von sich reden, als die FDP-Politiker Dirk Niebel und Silvana Koch-Mehrin als politische Aufklärer in dem Sex-Blatt wirkten.Konkurrenz durch das InternetDoch auch dieser kurze Ausflug in die Politik konnte den stetigen Niedergang der "Praline", inhaltlich und auflagentechnisch, nicht aufhalten. Zählte die Zeitschrift Mitte der siebziger Jahre noch 1,25 Millionen Leser, zogen diese sich kontinuierlich zurück. 1996 lag die Zahl der verkauften Exemplare bei 431 000, zuletzt nur noch bei 66 000. "Es gibt kein Publikum mehr für Zeitschriften mit den Sex-Sensatiönchen", konstatiert Bohrmann. Wer sich nackte Frauen ansehen will, muss nicht mehr am Kiosk verschämt nach der "Praline" fragen, sondern wird im Internet fündig. Das zeigt auch der Online-Auftritt der "Praline", der mehr als eine Million Mal im Monat genutzt wird. Dagegen sind die gedruckten Ausgaben mehr und mehr entbehrlich geworden, die "Praline" ist nach "Das neue Wochenend" und "Piep!" bereits das dritte Sexblatt, das der Bauer-Verlag vom Markt nimmt.Überhaupt scheint es, als ob der Verlag nicht mehr viel mit seinem Schmuddelkind zu tun haben will. Die Einstellung des Blattes war dem Verlag nicht mal eine Pressemitteilung wert, auch "Praline"-Chefredakteur Michael Grau schweigt und verweist auf die Pressestelle von Bauer. Doch selbst da will sich niemand äußern. Die laxe Begründung: "Kein Nachrichtenwert".------------------------------Es begann mit Heim und ModeDie "Praline" erscheint seit 15. April 1954 im Heinrich-Bauer-Verlag. Die Zeitschrift mit dem Untertitel "Illustrierte für Heim und Mode, Reise und Unterhaltung" richtete sich an Frauen.Ende der Sechziger wurde die "Praline" zum Sexheft umgewidmet. 1975 erreichte das Blatt eine verkaufte Auflage von 1,25 Millionen Exemplaren. Aktuell liegt sie bei 66 000 Heften.Kürzlich wurde bekannt, dass der Bauer-Verlag das Blatt nach mehr als 50 Jahren einstellen wird. Zuvor nahm der Verlag schon "Das neue Wochenend" und "Piep!" vom Markt.------------------------------Foto: Immer weniger Leser wollen dafür einen Euro achtzig ausgeben.