Die Mitteilungen am Telefon waren kurz, aber unmissverständlich. "Du, die suchen dich!" oder "Das Heimatmuseum will den kleinen Thomas von damals ausfindig machen". André Kallenbach hat die Zahl der Anrufer nicht gezählt. Es waren aber genug, die ihm berichteten, dass das Heimatmuseum Hohenschönhausen nach ihm "fahndet". Doch der 43-Jährige meldete sich nicht. "Wäre da nicht eine Frau gewesen, die einem Reporter meine Rufnummer gab." Dem sagte er schließlich, dass er damals den tapferen Schulschwänzer gespielt habe. André Kallenbach hat sich zu erkennen gegeben. Wochen, nachdem er erfuhr, dass sich wieder Leute für den Film "Der tapfere Schulschwänzer" interessieren. "Zunächst war ich sehr überrascht", sagt Kallenbach. Später freute er sich über das Comeback. Nur im Mittelpunkt stehen wollte er nicht. "Das ist nicht mein Ding." Doch Kallenbach geht inzwischen gelassen mit der verspäteten Ehrung um. Er gibt Interviews und lässt sich fotografieren. Zuletzt stellte er sich den Fragen von Zuschauern, die zuvor den Film im Heimatmuseum gesehen haben. "Ich bin denen eine Antwort darauf schuldig, was aus mir geworden ist." Elf Jahre alt war Kallenbach, als er für "Der tapfere Schulschwänzer" vor der Kamera stand - nach "Gehüpft ist noch nicht gesprungen" war das sein zweiter Kinderfilm. Es kamen weitere Produktionen für die Reihen "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort". Kallenbach genoss das Schauspieler-Leben. Von der Schule wurde er für Drehtage freigestellt, zum Set wurde der Jungschauspieler im Auto chauffiert. Doch nach acht Jahren beendete der gebürtige Friedrichshainer seine Film-Karriere. Er machte sein Abitur, nahm eine Lehre zum Automobilschlosser auf und reparierte Trabants und Wartburgs. "Das war immer mein Traum", sagt Kallenbach. Später wechselte er in die kaufmännische Branche, seit der Wende berät er für den "Berliner Kurier" Anzeigenkunden. "Ich bin ein bodenständiger Mensch", sagt Kallenbach. Für einen Künstler hat er sich nie gehalten, deshalb entschied er sich für einen "normalen" Beruf. Vor allem an den tapferen Schulschwänzer erinnert er sich gern zurück, "denn das war meine Kindheit". Nachdem der Film in die Kinos kam, meldete sich beispielsweise die Feuerwehr bei Kallenbach und schenkte ihm einen Tag im Löschfahrzeug. "Damit fuhren wir über den Flughafen Schönefeld." Allerdings musste er sich 34 Jahre lang mit Fotos und Zeitungsartikeln begnügen. Denn den Film hat er erst seit November auf Video - als Mitschnitt aus dem Kinderkanal. Den verschmitzten Blick hat sich André Kallenbach bewahrt. Wer sich mit ihm unterhält, erkennt in seiner Mimik des kleinen Thomas wieder. Fast möchte man ihm zutrauen, selbst hin und wieder die Schule geschwänzt zu haben. "Der war aber immer da", sagt seine damalige Klassenlehrerin.BERLINER ZEITUNG/WULF OLM c, Darsteller des tapferen Schulschwänzers, heute.