Die Geschwindigkeiten von Sternen im Weltall und winzig kleiner Blutkörperchen in den Adern werden nach demselben physikalischen Prinzip gemessen. Entdeckt hat es der österreichische Mathematiker und Physiker Christian Andreas Doppler, der vor 200 Jahren in Salzburg geboren wurde.Den Dopplereffekt hat jeder schon wahrgenommen, wenn zum Beispiel ein Rettungswagen vorbeifährt. Obwohl der Sirenenton für die Insassen konstant bleibt, verändert sich für die außen Stehenden die Tonhöhe. Doppler erklärte den Effekt so: Bewegt sich der Sender zum Empfänger hin, werden die ausgesandten Wellen gestaucht wahrgenommen. Die Frequenz der empfangenen Wellen und damit der Ton werden höher. Bewegt sich der Sender hingegen vom Empfänger weg, werden die Wellen gedehnt wahrgenommen. Die Frequenz wird niedriger und der Ton tiefer.Im Juni 1845 wies der niederländische Physiker Christoph Buys Ballot den Dopplereffekt mit einem aufwändigen Experiment nach. Ein Trompeter stand auf einem Eisenbahnwagen, der mit verschiedenen Geschwindigkeiten hin und her gezogen wurde. Musiker mit absolutem Gehör saßen entlang der Strecke und schrieben währenddessen die Noten der Trompetentöne, die sie hörten, auf. Tatsächlich: Während der Trompeter auf dem fahrenden Waggon ein sauberes G spielte, notierten die Musiker an der Strecke bei der Annäherung einen höheren Ton und bei der Entfernung einen tieferen. Der erste Nachweis unter Laborbedingungen gelang 1860 dem Wiener Physiker und Philosophen Ernst Mach. Er war es auch, der die Grundlagen für den Nachweis des optischen Dopplereffektes lieferte. Denn gestaucht und gedehnt werden auch alle anderen Wellen wie Licht-, Radio- und Wasserwellen sowie Röntgenstrahlen. Wenn beispielsweise Lichtstrahlen gedehnt werden, verändert sich ihre Farbe: Im Regenbogenspektrum wandern sie zum roten Ende hin. Denn rotes Licht ist langwelliger als etwa blaues Licht. Die theoretischen Grundlagen für diese Erkenntnis hatte Doppler in seiner Schrift "Über das farbige Licht der Doppelsterne und einiger anderer Gestirne des Himmels" vorgestellt, die am 25. Mai 1842 in Prag erschien.Doch Licht ist meistens eine Mischung aus vielen Farben. Wie misst man hier den Dopplereffekt? Angeregt durch die Entdeckung der Spektralanalyse, die Zerlegung des Lichts in seine verschiedenen Farbanteile, schlug Ernst Mach vor, die Farbänderung durch die Verschiebung der Spektrallinien zu bestimmen. Je schneller sich etwa ein Stern von uns entfernt, desto mehr ist sein Licht zu niedrigeren Frequenzen, also zum Rot hin, verschoben.Christian Doppler kam am 29. November 1803 als Sohn einer Steinmetzfamilie zur Welt. Körperlich zu schwach für den Beruf seines Vaters, aber begabt für die Wissenschaften, studierte er Mathematik, Physik und Geometrie am Polytechnischen Institut Wien, der heutigen Technischen Universität. Von 1835 an lehrte er - zunächst in Prag, ab 1847 in Schemnitz (heute Banska Stiavnica in der Slowakei). 1850 wurde er Professor für praktische Geometrie am Polytechnischen Institut in Wien und Gründungsdirektor des Physikalischen Instituts der Wiener Universität. Seit 1848 war Doppler Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften und Ehrendoktor der Universität Prag. 1836 heiratete Doppler Mathilde Sturm, Tochter eines Salzburger Goldschmiedes, mit der er fünf Kinder hatte. Die Entdeckung des Dopplerprinzips war für die astronomische Forschung von außerordentlicher Tragweite. Die von Astronomen bei zahlreichen Sternen und Spiralnebeln beobachtete starke Rotverschiebung - ein Hinweis auf die Geschwindigkeit, mit der sie sich von der Erde entfernten - interpretierte man schon bald als Expansion des Weltalls. Diese Erkenntnis führte zur Theorie vom Urknall. Dieser Idee zufolge explodierte ein einzelnes gigantisches "Molekül", und seine Fragmente bildeten das weiterhin auseinander strebende Universum.Dopplers Wahlspruch lautete: "Die lohnendsten Forschungen sind diejenigen, welche, indem sie den Denker erfreu n, zugleich der Menschheit nützen." Der Dopplereffekt ist notwendige Grundlage, um nicht nur die Geschwindigkeiten der Sterne und Galaxien im Verhältnis zur Erde zu berechnen, sondern auch ihre Entfernungen, die Rotationszeiten und vieles mehr. Heute wird seine Entdeckung neben der Astronomie auch in der Medizin, Luft- und Raumfahrttechnik, Verkehrstechnik und Meteorologie genutzt. So beruhen die Radarfalle der Polizei und das Echolot von Schiffen auf dem Dopplereffekt.Zur Linderung eines Lungenleidens fuhr Christian Doppler 1852 ins milde Klima der Lagunenstadt Venedig. Doch sein Zustand verschlechterte sich und er starb dort am 17. März 1853. Am Friedhof San Michele gibt es ein Grabmal. Wo seine letzte Ruhestätte aber wirklich liegt, ist unbekannt.Weiterführende Informationen des Salzburger Doppler-Hauses im Internet: www.christian-doppler.comDer Dopplereffekt wurde am 5. Juni 1845 auf der Eisenbahnstrecke von Utrecht nach Maarsen erstmals nachgewiesen. Ein Trompeter spielte auf einem fahrenden Eisenbahnwagen einen konstanten Ton. Musiker am Streckenrand hörten jedoch mal einen höheren, mal einen tieferen Ton - je nachdem, ob sich der Wagen ihnen näherte oder von ihnen entfernte. Denselben Effekt erzeugt zum Beispiel das Martinshorn.BERLINER VERLAG Christian Doppler wurde 1803 in Salzburg geboren, er starb 1853 in Venedig.Grafik : Döring