Die S-Klasse also. Fast möchte man änatürlich" sagen. Schließlich waren die Autos aus Sindelfingen vor 30 Jahren noch das Maß aller Dinge. Und so war es eben auch das Topmodell der Schwaben, das, im Sommer 1980 frisch vorgestellt, als erstes Auto der Welt mit einem Fahrerairbag ausgeliefert wurde. Für kleinlich ­exakte 1525,50 Mark stand das ­Sicherheitsextra damals in der Aufpreisliste. Viel Geld für eine Luft­nummer - und ziemlich wenig für ein Autofahrerleben.Die entschleunigte FahrtBrandneu allerdings war die Idee dieser aufgeblasenen Knautschzone damals nicht mehr. Schon 1969 hatte etwa das Magazin Auto, Motor & Sport prognostiziert, dass äbereits einige amerikanische Personenwagen des Modelljahrgangs 1971 einen neuartigen Schutz für die Insassen bei Frontalzusammenstößen besitzen: Die neuen Rettungsanker sind Luftkissen, die aus einem mit Stickstoff gefüllten Nylonbeutel bestehen und sich während des Zusammenstoßes zwischen Fahrer und Armaturenbrett schieben." Und tatsächlich hatte gerade General Motors die Entwicklung des Airbags vorangetrieben - und wieder eingestellt, nachdem es aufgrund unkontrollierter Fehlzündungen sogar zu einem tödlichen Unfall gekommen war. Zudem stand dem sicherheitstechnologischen Fortschritt der menschliche Eigensinn im Wege: Noch war der Autofahrer ein Gurtmuffel. Ohne Anschnallgurt aber blieb die Gefahr unausweichlich, dass die Insassen eher seitlich in den Airbag fallen. Und von diesem dann etwa gegen den Türholm katapultiert werden. Keine sichere Sache also. Aber das war das Auto in einer maßlos beschleunigten Moderne ohnehin nie gewesen. Die Massenmotorisierung führte eben zu Reibungsverlusten. Und Béla Barényi, seit 1939 Ingenieur bei Daimler-Benz, war einer der ersten, der sich neben der beschleunigten eben auch um die entschleunigte Fahrt kümmern sollte. Kurz: um den Unfall und seine Vermeidung.Béla Barényi entwickelte die Knautschzone (1953) und das Sicherheitslenkrad. Auch den Airbag brachte er auf den Weg. Seit 1967 gab es bei Mercedes ein diesbezügliches Projekt. Auf den Markt kam das System dann im Sommer 1980. Und damit nicht von ungefähr im ersten Jahrzehnt der automobilen Relativierung. Mit den Grünen gab es plötzlich eine Partei, die sich für ökologische Belange engagierte. Es wurde die allgemeine Gurtpflicht eingeführt, genauso die ersten verkehrsberuhigten Zonen. Und in den Autos eben der Airbag, wenngleich es noch rund 25 Jahre dauern sollte, bis zumindest Fahrer- und Beifahrerairbag in allen hierzulande angebotenen Modellen selbstverständlich wurden. Gegenwärtig gibt es Modelle mit fast einem Dutzend Luftkissen. Neueste Innovationen: Knie-Airbags sowie der Heckscheiben-Airbag des ultrakurzen Kleinstwagens Toyota iQ.Kein globalisiertes PhänomenÜber den Verkehrsunfall zu schreiben heißt, von einer Erfolgsgeschichte zu berichten. Von den erstmals weniger als 4?200 Verkehrstoten, die es im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen zu registrieren gab. 2010 werden es wieder weniger sein. Von Airbags, die rechtzeitig ausgelöst haben, Knautschzonen, die sich vorbildlich zusammenfalteten und Fahrgastzellen, die den Kräften trotzten. Über den Unfall zu schreiben, heißt aber auch, weltweit eine Million Verkehrstote zu erwähnen, neue Rekorde, Jahr für Jahr. Neunzig Prozent der Verunglückten leben in vergleichsweise untermotorisierten Ländern Asiens, Afrikas oder Südamerikas.2,5 Millionen Verkehrstote sagt das Heidelberger Umwelt- und Prognose-Institut für 2030 voraus - wenn weltweit noch einmal doppelt so viele wie die momentan etwa 900 Millionen Motorfahrzeuge unterwegs sein werden. Für die Kunden eines Billigautos wie dem Tata Nano aber stehen Airbags in keiner Aufpreisliste. Auch nicht für 1525,50 Mark.------------------------------Foto: Sanfte Lebensretter: die beiden Frontairbags eines aktuellen Mercedes-Modells.