Wenn man Maurice Sendak fragt, wie er es geschafft hat, die magische Welt der Kindheit in sich zu bewahren, schwillt seine Verärgerung zu einem schrecklichen Brüllen an - fast so, wie wir es von seinen berühmten Bilderbuchhelden, den wilden Kerlen, kennen. "Immer wieder werde ich als ,erwachsenes Kind' bezeichnet, das klingt schrecklich, so, als ob ich schwanger wäre und einen kleinen Peter Pan in mir hätte. Wenn überhaupt, dann habe ich Max und Moritz in mir - und glauben Sie mir, das ist kein Spaß."Spaß - das ist in den Werken des US-amerikanischen Kinderbuchautors immer auch eine ernste, manchmal auch eine unheimliche Sache. "Kinder, die es lustig finden, wie Max und Moritz verspeist zu werden, brauchen später nicht zum Psychiater", sagt der 81-Jährige. Viele seiner Bildergeschichten befassen sich mit den dunklen Seiten der kindlichen Vorstellungskraft, mit Albträumen und Ängsten. Der Humor entsteht in der Überwindung oder der Verspottung des Bedrohlichen. In "Wo die wilden Kerle wohnen" erzählt er von dem ungezogenen Jungen Max, der den Hund des Hauses mit der Gabel piesackt und daraufhin von seiner Mutter ins Kinderzimmer gesperrt wird. Da sitzt er dann, ohne Essen, und versetzt sich ins Reich der Fantasie, wo er eine Insel mit riesigen Monstern erobert. Nachdem er sich dort als Despot ausgetobt hat, kehrt er zur Mutter zurück - und freut sich, dass die warme Suppe auf ihn wartet.Als das Buch 1963 erstmals erschien, wurde es von vielen Pädagogen verrissen. Die Zeichnungen seien zu brutal für Kinder, zürnten sie. Heute gilt das Buch als moderner Klassiker, Therapeuten setzen es gern als Hilfsmittel in der Behandlung verhaltensgestörter Kinder ein, aber es polarisiert immer noch: Als im Oktober die Verfilmung in die US-Kinos kam (Deutschland-Start am 17. Dezember), liefen die Blogs über mit aufgeregten Kommentaren. Da gab es Eltern, die schlichtweg begeistert waren von der "wunderbaren Adaption", andere fürchteten, sie müssten ihre Kinder nach dem Kinobesuch zum Therapeuten schicken. Sendak, der mit Regisseur Spike Jonze sowie dem Schriftsteller Dave Eggers an der Verfilmung gearbeitet hat, kommentiert solche Anwürfe auf die ihm eigene ruppige Art. "Wer glaubt, solche Stoffe seien zu schlimm für Kinder, soll zur Hölle fahren", sagte er dem Newsweek-Magazin. Jonze, der Filme wie "Being John Malkovich" drehte, fügte hinzu, er habe bewusst keinen Kinderfilm, sondern einen Film über die Kindheit machen wollen. Er hat an Sendaks Botschaft festgehalten: Kein Platz auf dieser Welt, nicht mal Fantasieorte, ist frei von Konflikten. Und kein Mensch, auch kein noch so mächtiger Monsterbändiger, kann Probleme einfach wegschieben.Sendak, 1928 als drittes Kind jüdischer Einwanderer aus Polen in Brooklyn geboren, galt immer als ein Eigenbrötler und Außenseiter, der wenig von sich selbst preisgibt. Erst 2008 sprach er in einem Interview mit der New York Times offen über seine Homosexualität und seinen Lebensgefährten, den Psychoanalytiker Eugene Glynn, mit dem er 50 Jahre zusammenlebte - bis zu dessen Tod 2007. "Mein Wunsch war immer, nach außen als heterosexuell wahrgenommen zu werden, ich wollte meine Eltern glücklich machen. Sie haben es nie, nie, nie, erfahren."Die Welt, wie Sendak sie sieht, war schon immer anders als in schöngefärbten Kindergeschichten. 1970 ließ er den kleinen Mickey in der "Nachtküche" nackt in einem Traum durch New York fliegen. Wieder waren die Moralapostel entsetzt und ließen in Buchhandlungen Papierhöschen über den Penis des Jungen kleben. In einigen US-Bundesstaaten wie Texas oder New Jersey ist das Buch bis heute indiziert. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush fand Sendak schlimmer als Hitler, ein Unglück für Amerika. Sein Nachfolger sieht das anders. Barack Obama las kürzlich im Garten des Regierungssitzes einer Kinderschar die "Wilden Kerle" vor, was man sich auf youtube und anderen Internet-Portalen ansehen kann.Maurice Sendak findet das meiste, was Kindern heute zwischen Buchdeckeln, am Computer oder im Kino vorgesetzt wird, ziemlich schrecklich. Filme wie "Shrek" mit ihren rülpsenden und furzenden Protagonisten seien billig und vulgär. "Die Eltern gehen mit ihren Kindern nur deshalb ins Kino, weil sie nicht wissen, was sie sonst mit ihnen machen sollen." In der Literatur sehe es auch nicht besser aus, schimpft er: "Die Masse von Kinderbüchern wird nur hergestellt, um Eltern und Großeltern glücklich zu machen - mit einer verschönerten Sicht auf die Kindheit."Vor sechs Jahren veröffentlichte Sendak "Brundibar", eine Adaption jener Oper, die von jüdischen Kindern im KZ Theresienstadt aufgeführt wurde. Die Nazis hatten die Vorstellungen zugelassen, um internationalen Beobachtern die vorgeblich humanen Bedingungen in den Lagern vorführen zu können. "Ich habe mit diesem Buch meine eigene Leidensgeschichte durchlitten", sagt Sendak. "Die gesamte Familie meiner Mutter wurde von den Nazis getötet. Wir sahen unsere Eltern immer am Rande des Selbstmords. Die Welt war für mich ein grausamer, gefährlicher Ort. Es war meine Rettung, dass ich damals mein Innerstes entdeckte. Da wollte ich leben."So ist er zum Komplizen des neugierigen Kindes geworden, offen für seine Ängste. Nur eigene Kinder hat dieser Kinderversteher sich nie vorstellen können. "Ich bin zu sehr in mich selbst verstrickt. Arbeit steht an erster Stelle. Das ist eine Obsession. Menschen wie ich sind die schlechtesten Eltern."------------------------------Peter Schössow: "Wie konfrontiert man Kinder mit den Schattenseiten?"Herr Schössow, wann haben Sie Maurice Sendak und die wilden Kerlen entdeckt?Nicht als Kind, sondern als Erwachsener. Als ich anfing, Gestaltung zu studieren, mich mit Bilderbüchern zu beschäftigen, habe ich geguckt, wie andere das machen.Konnte Sendak Ihnen helfen?Nein, ich habe schnell gemerkt, dass ich etwas Eigenes finden muss. Aber ich fand es bewundernswert, dass er immer wieder Neues ausprobiert hat - dass er sich nicht darauf beschränkt hat, die x-te Fortsetzung der "Wilden Kerle" zu machen. Übrigens gibt es zu den wilden Kerlen noch eine nette Anekdote. Ursprünglich sollte das Buch "Wo die wilden Pferde wohnen" heißen.Woran ist die Idee gescheitert?Sendak konnte angeblich keine Pferde zeichnen.Sendak hält nichts von der heilen Welt in Kinderbüchern. Wenn man Kindern die Abgründe frühzeitig zeigt, benötigen sie später keinen Psychiater, hat Sendak gesagt. Teilen Sie die Meinung?Das ist die schwierigste Frage für einen Kinderbuch-Autor: Wann konfrontiert man Kinder mit den Schattenseiten des Lebens und wie macht man das? Aus meiner Sicht gibt es keine eindeutige Antwort. Da fängt dann meine Arbeit an. Und ich setze voraus, dass Eltern wissen, was sie ihren Kindern zumuten können, dass sie wissen, wie ihre Kinder ticken.Ist Ihre Strategie immer aufgegangen?Manchmal ja, manchmal nein - das hängt vom Kind ab, wofür es sich gerade interessiert, was es versteht. Aber wenn ein Buch vielschichtig ist, schauen es sich Kinder immer wieder an, finden dabei etwas für sie Neues, Interessantes. In meiner Kindheit wurde häufig absurdes Theater im Fernsehen gezeigt, ich war acht oder zehn Jahre alt, als "Warten auf Godot" lief. Das hat mich sehr beeindruckt, auch wenn ich nicht alles begriffen habe. Aber wer hat schon "Warten auf Godot" begriffen?Interview: Jörg HunkePeter Schössow, 56, studierte an der Hochschule für Gestaltung in Hamburg. Er arbeitete für den Spiegel, den Stern und "Die Sendung mit der Maus". Ausge- zeichnet wurde er unter anderem für "Gehört das so??! Die Geschichte von Elvis", in dem er beschreibt, wie eine Gruppe von Freunden den Tod eines Kanarienvogels verarbeitet.------------------------------Philip Waechter: "Sein Buch war ein Begleiter durchs Leben"Herr Waechter, wissen Sie noch, wann Sie "Wo die wilden Kerle wohnen" zum ersten Mal gelesen haben?Nein. Ich weiß nur, dass dieses Buch immer da war, bei uns zu Hause, im Kinderladen oder in den Bücherregalen von Freunden. Dieses Buch war für mich ein Begleiter durchs Leben. Ich mochte es als Kind, aber richtig entdeckt habe ich es erst später, als ich selbst anfing, Kinderbücher zu schreiben und zu zeichnen.Hatten Sie als Kind keine Angst vor Sendaks Monstern?Überhaupt nicht, das Buch hat mich fasziniert und verzaubert. Vor allem die Szene, in der sich Max' Zimmer in einen Wald verwandelt. Ich fragte mich immer, ob das jetzt Traum oder Wirklichkeit sei. Sendak hat es in einem Schwebezustand belassen, der für mich bis heute anhält. Und dann ist diese Geschichte von dem kleinen Jungen, der all diese Viecher in den Griff bekommt, natürlich einfach klasse.Ein bekanntes Topos. Warum hat Sendaks Geschichte bis heute ein solche Strahlkraft und alle Moden überdauert?Weil Sendak die Frage, ob Max nun ungezogen oder lieb ist, nie eindeutig beantwortet hat. Es steckt von beidem etwas in ihm.Inwiefern hat Sendak Sie als Autor und Zeichner beeinflusst?Mich beeindruckt nach wie vor, mit wie wenig Text er in diesem Buch auskommt.333 Wörter in der deutschen Übersetzung.Es ist sehr verknappt. "Wo die wilden Kerle wohnen" ist für mich ein Paradebeispiel für die Vernetzung von Text und Bild - das Eine kommt ohne das Andere nicht zur Wirkung.Sie selbst sind inzwischen auch ein Meister darin, Ihre Bildgeschichten mit nur wenigen Worten voranzubringen.In der Hinsicht hat Sendak mich gewiss geprägt. Ich hatte bei ihm auch immer das Gefühl, dass er noch sehr nahe an der Kindheit dran ist. Wenn ich mir das Buch heute durchlese, weiß ich immer noch, wie sich Kindheit anfühlt - mit all den Wünschen und Ängsten, die einen umgeben.Interview: Martin ScholzPhilip Waechter wurde 1968 in Frankfurt am Main geboren. Der Sohn des verstorbenen F. K. Waechter illustriert seit 1968 Bilder- und Kinderbücher - unter anderem von James Krüss. Zuletzt erschien von ihm sein Buch "Sohntage" (Beltz)------------------------------Sybille Hein: "Im Schrecklichen das Lustige zeigen"Lesen Sie "Die Wilden Kerle" Ihrem Sohn vor?Ja, ich muss ihm die Geschichte unzählige Male vorgelesen haben. Inzwischen sieht Mika in dem Buch allerdings seine eigene Geschichte - deswegen darf ich es jetzt nicht mehr vorlesen.Was heißt das - gucken Sie sich mit ihm nur noch die Bilder an?Irgendwann entsteht aus solchen Geschichten im Kopf der Kinder etwas Eigenes - und da sollte man sich dann als Eltern raushalten. Mika ist in seiner Version der Geschichte auch ein Monsterbändiger, allerdings ein Ritter. Ihm ist es ganz egal, dass der Max im Buch ein Wolfskostüm trägt. Und die Monster sind in seiner Wahrnehmung alle ganz liebe Monster - obwohl sie schreckliche Zähne haben. Mein Sohn liebt diese Monster.Welche Relevanz hat die Geschichte vom kindlichen Monster-Bezwinger heute?Zum einen ist Sendaks Zeichenstil - dieser schnelle, einfache Strich - in gewisser Weise zeitlos. Er benutzt keine modischen Farben oder andere Effekte, die sich schnell wieder überleben. Zudem erzählt er die Geschichte eines Kindes mit starkem Willen und hebt das als etwas grundsätzlich Positives hervor. Er zeigt, dass Allmachtsfantasien auch etwas Gutes haben können.Sie meinen, weil Max in dem Buch nicht verhaltensauffällig wird, nachdem ihn seine Mutter zurechtweist - er tobt sich in seiner Fantasie aus.Ja, und er kommt am Ende wieder in der Realität an - bei Mama und der warmen Suppe, die auf ihn wartet. Das ist ein leiser, versöhnlicher Ausklang der Geschichte.Gibt es eine Geistesverwandtschaft zwischen den Monstern und Ungetümen, die Sie so gerne in Ihren Kinderbüchern zeichnen, und seinen wilden Kerlen?Ich versuche wie Sendak im Schrecklichen das Lustige zu zeigen. Wir holen die Furcht einflößende Monsterwelt dicht heran, machen sie klein und verständlich. Wir geben dem Skurrilen einen Platz in dieser Welt.Die Wilden Kerle drohen nur damit, Max vor lauter Zuneigung zu fressen, Ihre Monster verschlucken schon mal Prinzessinnen.Aber Sie speien sie auch wieder aus - weil der Prinzessin allerlei Freunde zu Hilfe kommen. Da kommt dann ein tolldreister Mut zum Ausdruck, von dem man sich wünscht, dass er Kindern mit auf den Weg gegeben wird.Interview: Martin ScholzSybille Hein, 1970 in Wolfenbüttel geboren, schreibt und illustriert Kinderbücher - unter anderen von Amelie Fried und Cornelia Funke. Zuletzt erschien das illustrierte Liederbuch "Halli Hallo Halunken" (Beltz).------------------------------Rotraut Susanne Berner: "Sendak war schon früh ein Tabubrecher"Frau Berner, "Wo die Wilden Kerle wohnen" wurde seinerzeit von Pädagogen heftig kritisiert, weil es Kindern Angst einjagen würde. Können Sie das nachvollziehen?Nein. Ich kann mich noch gut an die Debatte um Sendaks Buch erinnern. Ich war schon erwachsen, als ich es mit Genuss gelesen habe - und diese Angst-Diskussion habe ich schon damals nicht verstanden.Auch heute gibt es Stimmen, die finden, gute Kinderliteratur und -unterhaltung solle Gefühle wie Angst nicht thematisieren.Das ist Unsinn, heute wie damals. Sendaks Buch ist gerade deshalb auch nach fast 50 Jahren noch relevant, weil es eben etwas Archaisches anspricht, die Angst, aber eben auch deren Überwindung. Sendak zeigt uns mit Max ein starkes Kind, das es zunächst einmal schafft, unglaublich wilde Gesellen zu bändigen. Gleichzeitig hat das Kind selbst auch etwas Beängstigendes.Man könnte Max auch als sehr trotziges Kind sehen, das seine Frustration in Allmachtsfantasien auslebt - und sich darin zum Herrscher der Monster aufschwingt. Ein kleiner Despot, vor dem uns heute zig Erziehungsratgeber warnen.Ja, wobei dieser Größenwahn, dieses Egozentrische in einer bestimmten Kindheitsphase ja auch sehr typisch ist. Man muss das jetzt nicht gleich wieder dämonisieren. Kinder sind manchmal auch so. Und Sendak zeigt diese Seite, er hat sehr gut verstanden, was Kinder ausmacht. Die Geschichte ist sehr einfach - und zugleich sehr vielschichtig.Hat Sendak Sie als Illustratorin beeinflusst?Mich hat immer die Zärtlichkeit bezaubert, mit der er Kinder zeichnet. Er nimmt sie als Persönlichkeiten ernst und reduziert sie nicht auf kindertümelnde Helden, die wir heute so oft im Kinderbuch erleben - alles klein, harmlos und nett. Sendak zeigt auch Abgründe. Neben den "Wilden Kerlen" hat mich vor allem seine "Nachtküche" fasziniert. Er hatte damit Probleme, weil er ein Kind mit nacktem Penis gezeichnet hatte. Ich habe vor zwei Jahren etwas Ähnliches erlebt, mit einer sehr harmlosen Zeichnung in einem meiner Wimmelbücher. Das ist nicht wirklich vergleichbar - aber es zeigt doch, dass solche Tabus nicht neu sind, sie werden im Internet-Zeitalter nur anders verhandelt.Interview: Martin ScholzRotraut Susanne Berner, 1948 in München geboren, wurde durch die Bilder-Bücher über den Hasen "Karlchen" sowie durch ihre Wimmelbücher bekannt. Darüber hinaus hat sie Bücher von Bukowski und T.C. Boyle illustriert. Mit Hans Magnus Enzensberger veröffentlichte sie zuletzt das Kinderbuch "Bibs" (Hanser)------------------------------Janosch: "Weil er gerne Gemeinheiten beschrieb"Janosch, Maurice Sendaks Kinderbuch erschien vor 46 Jahren. Seitdem sind eine Menge Bilderbücher erschienen. Warum hat die Welt "Wo die wilden Kerle wohnen" nicht vergessen?Weil der Mensch sich lieber Gemeinheiten und Bosheiten merkt, als die menschliche Güte. Was man lieber liest, wird eher zum Erfolg. Wilhelm Busch ist auch unvergessen, weil er gerne Gemeinheiten beschrieb. Oder die Gebrüder Grimm. Aber Hermann Gmeiner - kennen Sie den?Sie meinen den Gründer der SOS-Kinderdörfer .. genau den, den kennen kaum mehr als vier Prozent der Leute in Deutschland.Ist Sendak ein großer Erzähler?Da bin ich mir nicht so sicher.Ein großer Zeichner?Ich verehre ihn nicht besonders. Aber als Mensch liebe auch ich die Bösartigkeit. Damit würde ich mich unbedenklich neben Sendak setzen. Wenn ich ein guter Zeichner wäre.Gibt es etwas, was Sie sich von Sendak abgeguckt haben?Nichts. Ich gucke mir alles bei Tomi Ungerer ab. Als F. K. Waechter noch lebte, auch bei ihm.Interview: Jörg HunkeJanosch, 78, lebt auf Teneriffa und ist mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen für seine Kinderbücher ausgezeichnet worden. "Oh wie schön ist Panama", die Geschichte vom Tiger und dem Bären, ist sein bekanntestes Werk.------------------------------Ole Könnecke: "Urthemen der Menschheit"Herr Könnecke, warum ist "Wo die wilden Kerle wohnen" zum Klassiker geworden?Weil es ein tolles Buch ist. Bei Kindern funktioniert es sofort. Die verstehen, warum die Mutter ihren Sohn hungrig ins Bett schickt und der Junge dann in eine Traumwelt flüchtet. Ein anderer Aspekt: Es geht um Urthemen der Menschheit.Fressen oder gefressen werden.Klar, aber auch die Aggression der Kinder, die Angst vor dem Fremden.Wann haben Sie das Buch für sich entdeckt?Als ich begann, mich als Zeichner für Bilderbücher zu interessieren. Da war ich schon erwachsen. Was mir sofort gut gefallen hat, war seine Nähe zum Comic und zum Film. Wenn beispielsweise in einem Bilderbuch unvermittelt drei Oliver Hardys auftauchen, das ist wunderbar. Aber ehrlich gesagt mag ich seine Nebenwerke am liebsten, zum Beispiel seine Illustrationen zu Robert Graves "Das Zauberbuch".Gibt es etwas, das Sie von Sendak gelernt haben?Ich zeichne gerne aus der Guckkastenperspektive, das hat er auch oft getan. Ob ich das von ihm habe oder aus den Comics - das kann ich nicht sagen. Mir fällt aber gerade ein, es gibt doch eine Erinnerung, die mit meiner Kindheit und Sendak zu tun hat.Welche?Als Kind hat mir Crockett Johnsons "Harold and the purple crayon" besonders gut gefallen. Das Buch ist in Deutschland schon sehr lange vergriffen. Es ist eigentlich eine simple Geschichte, ein kleiner Junge zeichnet sich eine Landschaft und bewegt sich darin. Und Johnsons Frau, Ruth Krauss, hat den Text für Sendaks erstes Buch geschrieben. So schließt sich der Kreis.Interview: Jörg HunkeOle Könnecke, 48, lebt in Hamburg. Vor vier Jahren erhielt er den Deutschen Jugend- und Literaturpreis, ein Jahr zuvor war sein erstes Anton-Buch erschienen.------------------------------Foto: Maurice Sendak, 81, hat versucht, mit seinen Geschichten auch seine eigenen Ängste zu bändigen.Foto: Wo die wilden Gedanken sind - Illustrator Peter Schössow hat hat eine verwegene Maxine geschaffen. Der Held aus den "Wilden Kerlen" heißt Max.Foto: ",... bis Max sagte: Seid still!' und sie zähmte mit einem Zaubertrick. Er starrte in alle ihre gelben Augen, ohne ein einziges Mal zu zwinkern. Da bekamen sie Angst und nannten ihn den wildesten Kerl von allen .". Aus dem Buch "Wo die wilden Kerle wohnen".------------------------------(KORREKTUR - Im Magazin vom 12. 12. stand, dass der ehemalige US-Präsident George W. Bush den Schriftsteller Maurice Sendak "schlimmer als Hitler fand, ein Unglück für Amerika". Es war umgekehrt. Sendak hat diesen Satz über George W. Bush gesagt. - 16.12.2009)